Leinsamen schroten: 4 Hilfsmittel, die du zuhause hast — und welches am besten funktioniert

Du hältst eine Packung Leinsamen in der Hand, hast gelesen, dass man sie geschrotet essen sollte — und fragst dich jetzt, womit das überhaupt gehen soll. Die teure Getreidemühle aus dem Bioregal steht nicht in deiner Küche, und kaufen willst du dir auch keine neue. Dabei liegt die Lösung wahrscheinlich schon in einer deiner Schubladen.

Denn Leinsamen lassen sich mit mindestens 4 Küchengeräten zerkleinern, die die meisten bereits besitzen. Welches dabei am schnellsten, welches am schonendsten arbeitet — und wo du aufpassen musst, damit der Schrot nicht nach Kaffee schmeckt — das klärt dieser Beitrag von Anfang bis Ende.

Warum du Leinsamen überhaupt schroten solltest

Ganze Leinsamen können den Magen-Darm-Trakt nahezu unverdaut passieren. Der Körper kommt schlicht nicht an die Nährstoffe heran, die in der harten Samenschale eingeschlossen sind. Erst wenn die Schale aufgebrochen wird, werden die wertvollen Omega-3-Fettsäuren, Ballaststoffe und Lignane für die Verdauung zugänglich.

Geschrotete Leinsamen kaufst du zwar auch im Biosupermarkt — doch frisch geschrotet sind sie deutlich besser. Das Öl in den Samen oxidiert nach dem Aufbrechen rasch: Kontakt mit Sauerstoff, Wärme und Licht lässt den Schrot innerhalb weniger Tage ranzig werden. Wer das vermeiden will, schrotet am besten immer nur die Menge, die er direkt braucht.

Reste richtig lagern: Kühlschrank, luftdicht, maximal 3 Tage

Manchmal bleibt trotzdem etwas übrig. In diesem Fall füllst du den Schrot in ein gut verschlossenes Glasgefäß und stellst es in den Kühlschrank. Länger als 2 bis 3 Tage solltest du ihn dort aber nicht aufbewahren. Ein sicheres Zeichen, dass er nicht mehr gut ist: bitterer Geschmack. Dann lieber wegwerfen.

Ganze Leinsamen hingegen sind bei kühler, trockener Lagerung deutlich länger haltbar — meist bis zum aufgedruckten Mindesthaltbarkeitsdatum. Es lohnt sich also, immer ganze Samen auf Vorrat zu haben und nur nach Bedarf zu schroten.

Mörser: langsam, aber für kleine Mengen unschlagbar

Der Mörser ist die langsamste Methode — dafür die präziseste. Du hast volle Kontrolle über die Körnung und kannst schon einen einzelnen Esslöffel Leinsamen verarbeiten, ohne dass irgendetwas verloren geht. Das macht ihn zum idealen Werkzeug, wenn du nur ein oder zwei Portionen brauchst.

So gehst du vor:

  1. Gib die gewünschte Menge Leinsamen in den Mörser — bei größeren Mengen lieber in mehreren Portionen arbeiten, das erleichtert das gleichmäßige Zerreiben.
  2. Drücke mit dem Stößel in kreisenden Bewegungen auf die Samen und reibe sie dabei an der Wandung des Mörsers.
  3. Arbeite so lange weiter, bis die gewünschte Konsistenz erreicht ist. Je nach gewünschter Feinheit kann das bis zu 3 Minuten dauern.

Ein Granitmörser funktioniert dabei besser als einer aus Keramik, weil die raue Oberfläche mehr Reibung erzeugt.

Mixer und Kaffeemühle: schnell und fein — mit einem kleinen Haken

Mixer: in Sekunden fertig, aber nur bei größeren Mengen

Mit einem Standmixer lassen sich Leinsamen innerhalb weniger Sekunden sehr fein schroten. Der Nachteil: Die meisten Mixermodelle brauchen eine Mindestfüllmenge, damit die Klingen überhaupt greifen können. Für eine einzelne Portion ist das Gerät also oft unpraktisch. Wer täglich Leinsamen isst — etwa ins Joghurt gemischt — für den lohnt sich das schnelle Durchmixen einer etwas größeren Menge. Wichtig: nicht länger mixen als nötig, da die Samen durch die schnelle Bewegung verstärkt mit Sauerstoff in Kontakt kommen.

Kaffeemühle: die schonendste elektrische Methode

Eine elektrische Kaffeemühle ist die wohl praktischste Variante für regelmäßiges Schroten. Sie arbeitet schnell, schonend und mahlt die Samen auf Wunsch sehr fein. Der einzige Haken: Ein vorhandenes Kaffeearoma kann sich auf die Leinsamen übertragen. Wer die Mühle also auch für Kaffee nutzt, sollte sie vorher gründlich reinigen — am besten mit einem trockenen Tuch oder einem kleinen Pinsel auswischen, nicht mit Wasser. Eine Handkaffeemühle funktioniert ebenfalls, braucht aber merklich mehr Zeit.

Gewürzmühle und Flachsmühle: praktisch, aber mit Grenzen

Eine Gewürzmühle — also die Art, die man auch für Pfefferkörner verwendet — kann Leinsamen schroten, liefert das Ergebnis aber in der Regel nur relativ grob. Für größere Mengen dauert der Prozess außerdem spürbar länger. Auch hier gilt: Wer die Mühle zuvor mit aromatischen Gewürzen befüllt hatte, sollte sie zuerst gründlich säubern, sonst landet Kümmelgeschmack im Müsli.

Wer keines dieser Geräte besitzt oder ein eigens dafür ausgelegtes Werkzeug bevorzugt, kann sich eine sogenannte Flachsmühle besorgen. Sie funktioniert ähnlich wie eine Kaffeemühle, ist aber ausschließlich auf Leinsamen und ähnliche Ölsaaten ausgelegt — damit entfällt die Frage nach Fremdgeschmack von vornherein. Hersteller wie Peugeot bieten Leinsamenmühlen aus PEFC-zertifiziertem Holz und Edelstahl an.

Was du mit dem Schrot anfangen kannst

Geschrotete Leinsamen lassen sich vielfältig einsetzen. Ins Joghurt oder Müsli einrühren ist die einfachste Variante — aber lange nicht die einzige. Beim Backen funktionieren sie als veganes Bindemittel: 1 Esslöffel geschrotete Leinsamen mit 3 Esslöffeln Wasser verrührt und kurz quellen lassen ersetzt ein Ei. Für Leinsamenbrot, Leinsamenbrei oder einen Leinsamenpudding gegen Verstopfung eignet sich frischer Schrot ebenfalls bestens.

Wer täglich eine kleine Menge Leinsamen in seinen Alltag einbaut, merkt schnell, welche Methode zum eigenen Rhythmus passt — und greift dann fast automatisch zum richtigen Gerät.

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