Der Airfryer steht auf der Arbeitsplatte, die Pommes sind in zwanzig Minuten knusprig – und irgendwo in der Küche summt das Versprechen, damit Strom zu sparen. Seit einigen Jahren boomt die Heißluftfritteuse unter ihrem englischen Markennamen, und das Argument ist verlockend: Warum den großen Backofen anwerfen, wenn ein kompaktes Gerät dieselbe Arbeit erledigt?
Doch ob sich der Airfryer tatsächlich lohnt – ökonomisch und ökologisch –, hängt von mehreren Faktoren ab, die die meisten Kaufratgeber unterschlagen. Wer hier pauschal mit Ja antwortet, lässt die entscheidenden Zahlen außer Acht.
Stromverbrauch im direkten Vergleich: Was Labortests wirklich zeigen
Die britische Verbraucherorganisation Which hat im Juni 2026 einen kontrollierten Labortest durchgeführt und dabei gemessen, wie viel Strom ein Airfryer im Vergleich zu einem herkömmlichen Backofen für vier verschiedene Gerichte benötigte: Hähnchen, Pommes, Backkartoffeln und Kuchen. Das Ergebnis war eindeutig. Bei allen vier Speisen verbrauchte der Airfryer weniger als die Hälfte des Stroms des Backofens.
Getestet wurde ein älteres Airfryer-Modell (Morphy Richards Health Fryer 480003) gegen einen ebenfalls älteren Haushaltsbackofen (Bosch Serie 2 HHF113BR0B). Den größten Unterschied zeigte die Zubereitung von Backkartoffeln: Der Airfryer sparte gegenüber dem Backofen bis zu 0,69 Kilowattstunden pro Garvorgang. Das entspricht rund 21 Cent – ein bescheidener, aber messbarer Betrag.
Zu einem ähnlichen Befund kommt auch der ARD-Marktcheck des SWR. Backöfen verbrauchen je nach Modell rund 2.500 Watt, hinzu kommt der Energieaufwand beim Aufheizen. Der SWR-Bericht hält fest: „Der Airfryer dagegen kommt mit weniger Strom aus – und braucht zudem weniger Zeit zum Aufwärmen. Durch den kleineren Garraum zirkuliert die heiße Luft besser.” Das Essen sei schneller fertig, der Airfryer damit die effizientere Option.
Warum Portionsgröße alles verändert
Hier liegt der Haken, den die schönen Laborergebnisse verdecken. Im Which-Test wurden bewusst kleine Portionen zubereitet – passend für den Korb der Heißluftfritteuse. Wer für eine vierköpfige Familie kocht, muss den Airfryer zwei- oder dreimal hintereinander befüllen. Die Stromersparnis schmilzt dabei proportional.
Rechnet man den Which-Test mit verdoppelter Portionsmenge durch, wäre der Airfryer nur noch beim Kuchen knapp im Vorteil. Bei Pommes, Hähnchen und Kartoffeln wäre der Backofen dann die günstigere Option. Für Mehrpersonenhaushalte ist der Energievorteil also oft kleiner als gedacht – oder kehrt sich sogar um.
Anschaffungskosten: Wann rechnet sich der Airfryer?
Marktübliche Airfryer kosten zwischen rund 60 und 300 Euro. Die Ersparnis pro Garvorgang liegt im einstelligen Cent-Bereich. Das macht eine nüchterne Rechnung notwendig.
- Selbst ein günstiger 60-Euro-Airfryer amortisiert sich laut Which-Testdaten erst nach rund 286 Zubereitungen von Backkartoffeln.
- Bei teureren Modellen ab 150 Euro verschiebt sich diese Schwelle entsprechend weiter nach oben.
- Wer den Airfryer nur gelegentlich nutzt – etwa für besonders knusprige Pommes am Wochenende –, wird die Anschaffungskosten über Jahre nicht einspielen.
- Geschmacklich gab es laut Which bei Hähnchen, Pommes und Kuchen keine Nachteile gegenüber dem Backofen; beim Lachs schnitt der Backofen durch schonenderes Garen besser ab.
Was ein Airfryer nicht kann: Die Grenzen des kleinen Geräts
Technisch funktioniert der Airfryer ähnlich wie die Umluftfunktion eines Backofens: Heizelemente wärmen die Luft auf, ein Ventilator lässt sie zirkulieren. Im Airfryer sind Luftgeschwindigkeiten von bis zu 70 km/h möglich, das Gargut liegt in einem luftdurchlässigen Korb – das macht Kartoffeln und Gemüse besonders knusprig. Einen herkömmlichen Backofen erreicht diese Zirkulationsgeschwindigkeit nicht.
Dafür bietet der Backofen Funktionen, die der Airfryer nicht liefert: Ober-Unterhitze, Grillfunktion, mehrere Einschubebenen für größere Mengen. Wer regelmäßig Blechkuchen backt, ein ganzes Hähnchen gart oder für mehr als zwei Personen kocht, wird auf den Backofen nicht verzichten können. Der Airfryer ist kein Ersatz – er ist eine Ergänzung.
Für wen sich der Airfryer wirklich lohnt – und wann nicht
Die ehrliche Einschätzung fällt differenziert aus. Singlehaushalte, die selten oder gar nicht über einen eigenen Backofen verfügen, profitieren am stärksten: Sie garen kleine Portionen schnell und effizient, ohne einen großen Ofen vorheizen zu müssen. Auf lange Sicht können sie damit tatsächlich relevant Strom und Geld sparen.
Wer dagegen bereits einen funktionierenden Backofen besitzt und den Airfryer als zusätzliches Küchengerät anschafft, sollte die Umweltbilanz mitdenken. Herstellung und spätere Entsorgung des Geräts verbrauchen Ressourcen und belasten die Umwelt. Wer den Airfryer nur selten benutzt, spart unter dem Strich kaum Energie – und hat ein weiteres Gerät in der Schublade.
Ein Hinweis am Rande: Bei einem sehr alten Backofen ist der Effizienzunterschied zum Airfryer zwar am größten. Doch in diesem Fall kann es sinnvoller sein, statt einer Heißluftfritteuse einen neuen, sparsamen Backofen anzuschaffen. Außerdem lässt sich auch beim vorhandenen Backofen Energie sparen – zum Beispiel, indem man ihn bei vielen Gerichten nicht vorheizen muss; nur bestimmte Teige wie Biskuitboden oder Brandteig erfordern zwingend den bereits heißen Ofen.
Das Ergebnis: Strom sparen ja – aber nur unter bestimmten Bedingungen
Der Airfryer verbraucht pro Garvorgang nachweislich weniger Strom als ein Backofen – das belegen sowohl der Which-Labortest vom Juni 2026 als auch der SWR-Marktcheck. Der Vorteil liegt je nach Gericht zwischen einigen Cent und maximal rund 21 Cent pro Zubereitung. Das klingt wenig, summiert sich aber über Jahre – vorausgesetzt, man nutzt das Gerät regelmäßig und für kleine Portionen.
Wer als Mehrpersonenhaushalt mehrere Durchgänge benötigt, neutralisiert den Vorteil schnell. Und wer einen 60-Euro-Airfryer kauft und ihn nur ab und zu benutzt, wartet rechnerisch sehr lange auf den Break-even.
Ob sich die Anschaffung lohnt, hängt also weniger vom Gerät ab als von der eigenen Kochgewohnheit – und diese Frage sollte man sich ehrlich beantworten, bevor man den Kassenbon unterschreibt.



