Der Supermarkt in der Nähe, ein normaler Dienstagabend — und plötzlich streikt das Kartenlesegerät. Wer dann kein Bargeld in der Tasche hat, steht mit vollem Einkaufswagen und leeren Händen da. Es klingt nach einem kleinen Ärgernis, aber Krisen dieser Art können länger dauern als ein paar Stunden.
Der Stromausfall auf der Iberischen Halbinsel im April 2025 hat gezeigt, wie schnell digitale Zahlungssysteme kollabieren: Geldautomaten und Kartenlesegeräte standen in weiten Teilen Spaniens und Portugals stundenlang still. Wie viel Bargeld du zu Hause lagern solltest, damit du im Ernstfall nicht auf dem Trockenen sitzt — und wie du es sicher aufbewahrst — beantwortet dieser Ratgeber.
Warum Bargeld auch im digitalen Zeitalter unverzichtbar bleibt
Digitale Bezahlsysteme funktionieren nur so lange, wie Strom fließt, Server laufen und Netze stabil sind. Sobald eines dieser Glieder reißt, sind Lebensmittel, Medikamente, Tankfüllungen und Zugtickets plötzlich nur noch gegen Münzen und Scheine erhältlich.
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat Bargeld in einer Analyse aus dem Jahr 2025 treffend als „Ersatzreifen” des Zahlungssystems bezeichnet. Solange alles rund läuft, braucht man ihn nicht — doch weil kein System unfehlbar ist, sei Bargeld von „entscheidender Bedeutung”, so die EZB. Ein plattes Reifen trifft einen immer dann, wenn man es am wenigsten erwartet.
Was das BBK empfiehlt — und was andere Behörden konkret raten
Eine gesetzlich festgelegte Menge gibt es nicht. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) empfiehlt, sich im Notfall für mindestens 10 Tage selbst versorgen zu können — nennt aber keine konkrete Eurogrenze für den Bargeldvorrat. Als Orientierung dienen drei Richtwerte aus dem deutschsprachigen Raum:
- 500 Euro pro Haushalt in kleinen Scheinen — so lautet die Empfehlung des Oberösterreichischen Zivilschutzes.
- 100 Euro pro Haushaltsmitglied, aufbewahrt in niedrigen Stückelungen — das rät die Österreichische Nationalbank (OeNB), was in etwa dem doppelten Wocheneinkauf entspricht.
- Individueller Wochenbedarf selbst ausrechnen: Wer seinen regulären Wocheneinkauf und unvermeidliche Ausgaben addiert, weiß genau, wie viel er für ein bis zwei Krisenwochen benötigt.
Alle drei Ansätze führen zu einer ähnlichen Hausnummer. 500 Euro pro Haushalt gelten als solide Untergrenze, mindestens 100 Euro pro Person sollten es in jedem Fall sein.
Was Deutsche tatsächlich zu Hause lagern — und was die Zahlen verraten
Laut einer repräsentativen Befragung der Deutschen Bundesbank aus dem Jahr 2023 tragen Erwachsene in Deutschland im Schnitt 103 Euro im Geldbeutel — ein Wert, der sich seit 2014 kaum verändert hat. Deutlich gestiegen ist hingegen das Bargeld, das die Menschen zu Hause aufbewahren: von 463 Euro im Jahr 2021 auf 573 Euro im Jahr 2023.
Allerdings hält nur jeder zweite Haushalt überhaupt Bargeld zu Hause — genauer gesagt vier von zehn Befragten. Bei denen, die es tun, sind es im Schnitt stattliche 1.417 Euro. Bei solchen Summen kommen Risiken ins Spiel, die man kennen sollte.
Diese Risiken trägst du, wenn du zu viel Bargeld hortierst
Inflation frisst die Kaufkraft
Bargeld im Schuhkarton arbeitet nicht. Was heute 500 Euro wert ist, kauft in einigen Jahren weniger — die Inflation nagt still und kontinuierlich daran. Wer seinen Notgroschen über den empfohlenen Vorrat hinaus anlegen möchte, fährt mit einem Tagesgeld- oder Festgeldkonto besser: Zumindest ein Teil der Inflationsverluste wird dort durch Zinsen abgefedert.
Diebstahl, Feuer und Wasser
Einbrecher kennen die üblichen Verstecke — Matratzen, Schreibtischschubladen, Bücher — und suchen gezielt danach, wie die Allianz-Versicherung in ihren Sicherheitshinweisen betont. Hausratversicherungen ersetzen Bargeldverluste zudem meist nur bis zu einer Höchstgrenze von 1.000 bis 2.000 Euro. Höhere Summen werden in der Regel nur erstattet, wenn sie in einem zertifizierten, fest verankerten Tresor verwahrt wurden.
So lagerst du dein Bargeld sicher — 5 konkrete Maßnahmen
Ehrlich gesagt ist „irgendwo unter der Matratze” keine Strategie. Wer seinen Notgeldvorrat wirklich absichern will, braucht ein paar Minuten Nachdenken und vielleicht eine kleine Investition.
- Verteile das Bargeld auf mehrere originelle Verstecke — nicht auf die bekannten Standardorte, die Einbrecher systematisch absuchen.
- Größere Summen ab rund 1.000 Euro gehören in einen fest verankerten, nach EN 1143-1 zertifizierten Tresor.
- Alternativ eignet sich ein Bankschließfach für Beträge, die den Alltag übersteigen.
- Lagere Scheine wenn möglich feuerfest und wasserdicht — spezielle Dokumententaschen kosten wenige Euro und sind im Baumarkt erhältlich.
- Prüfe die Deckungssumme deiner Hausratversicherung für Bargeld und passe deinen Vorrat daran an.
Die richtige Stückelung: Warum der 20-Euro-Schein im Notfall König ist
Wer 500 Euro ausschließlich in 200-Euro-Scheinen zu Hause hat, wird im Krisenfall kaum Wechselgeld bekommen. Kleinhändler, Marktverkäufer oder Nachbarn können und wollen große Scheine oft nicht wechseln. 20-Euro-Scheine sind in solchen Situationen die praktischste Einheit — flexibel einsetzbar, leicht zu zählen und überall akzeptiert.
Eine gute Faustregel: Den Vorrat zu etwa zwei Dritteln in 10- und 20-Euro-Scheinen halten, den Rest in 50-Euro-Scheinen. Münzen für kleinere Beträge — ein paar Euro in 1- und 2-Euro-Stücken — runden den Vorrat ab, ohne viel Platz zu beanspruchen.
Wer heute noch nicht weiß, was sein eigener Wochenbedarf wirklich kostet, hat damit einen konkreten ersten Schritt vor sich.



