Taschengeld Kinder: Was das Deutsche Jugendinstitut für jedes Alter empfiehlt

Es ist ein Freitagmorgen, das Frühstück ist noch nicht ganz aufgegessen, da kommt die Frage bereits: „Mama, darf ich mir heute das neue Heft kaufen?” Das Taschengeld liegt irgendwo zwischen Wunschliste und Wirklichkeit — und als Elternteil fragt man sich unweigerlich, ob man zu viel gibt, zu wenig, oder ob der Zeitpunkt überhaupt stimmt.

Das Deutsche Jugendinstitut (DJI) hat sich dieser Frage wissenschaftlich angenähert und klare Orientierungswerte entwickelt. Doch die Höhe ist nur ein Teil der Geschichte — entscheidend ist, wie und warum Taschengeld überhaupt funktioniert.

Warum regelmäßiges Taschengeld mehr bewirkt als jede Sparschwein-Lektion

Laut Deutschem Jugendinstitut kommt es weniger auf den genauen Betrag an als darauf, dass Kinder ihr Geld regelmäßig, pünktlich und unaufgefordert erhalten. Nur so entsteht echter Lerneffekt. Wer nie selbst entscheidet, wofür er sein Geld ausgibt, lernt auch nicht, damit umzugehen.

Taschengeld schult vier konkrete Fähigkeiten, die Kinder später als Erwachsene brauchen:

  • Planen und Prioritäten setzen: Reicht das Geld für das große Spielzeug diesen Monat — oder lieber mehrere kleine Wünsche erfüllen?
  • Den Wert von Dingen verstehen: Wer selbst bezahlt, denkt zweimal nach.
  • Konsequenzen tragen: Ist das Geld weg, muss bis zur nächsten Auszahlung gewartet werden. Geduld lernt sich durch Erfahrung, nicht durch Erklärungen.
  • Sparen üben: Wer kein eigenes Geld hat, kann auch nicht lernen, es zurückzulegen.

Diese Kompetenzen bauen sich nicht über Nacht auf. Deshalb empfiehlt das DJI, schon vor dem Schuleintritt mit kleinen wöchentlichen Beträgen zu beginnen — nicht als Belohnung, sondern als festes, bedingungsloses Budget.

Die DJI-Taschengeldtabelle: Orientierung nach Alter

Es gibt in Deutschland keine gesetzliche Pflicht, Kindern Taschengeld zu zahlen. Die Höhe bleibt immer eine familiäre Entscheidung, die auch vom Haushaltseinkommen abhängen darf. Als verlässlicher Anhaltspunkt gelten jedoch die Empfehlungen des DJI:

Für Kinder unter 6 Jahren werden 1 bis 2 Euro pro Woche empfohlen. Im Alter von 6 bis 7 Jahren steigt der Betrag auf 2 bis 3 Euro wöchentlich, bei 8- bis 9-Jährigen auf 3 bis 4 Euro. Ab dem zehnten Lebensjahr wechselt der Rhythmus: 10- bis 11-Jährige erhalten demnach 15 bis 25 Euro im Monat, 12- bis 13-Jährige 20 bis 30 Euro. Für 14- bis 15-Jährige nennt das DJI 25 bis 45 Euro, für 16- bis 17-Jährige 40 bis 60 Euro. Junge Erwachsene ab 18, die noch wirtschaftlich von den Eltern abhängig sind, können bis zu 75 Euro monatlich erhalten.

Der Wechsel vom Wochen- zum Monatsrhythmus ist dabei kein Zufall. Das DJI empfiehlt die monatliche Auszahlung ab 10 Jahren, weil Kinder in diesem Alter beginnen können, über einen längeren Zeitraum vorauszuplanen. Jüngeren Kindern fehlt diese Fähigkeit noch — eine Woche ist für sie eine überschaubare Einheit, ein Monat nicht.

Budgetgeld ab 14: Wenn Taschengeld allein nicht mehr reicht

Ab etwa 14 Jahren empfiehlt das Deutsche Jugendinstitut, das klassische Taschengeld durch ein sogenanntes Budgetgeld zu ergänzen. Dieses Geld ist zweckgebunden und soll Jugendliche an größere, wiederkehrende Ausgaben heranführen — Kleidung, Schulmaterial, Smartphone-Kosten oder Essen außer Haus.

Die DJI-Empfehlungen für das Budgetgeld lauten: 45 bis 60 Euro monatlich für Kleidung und Schuhe, 25 bis 40 Euro für Essen außer Haus, 15 bis 25 Euro für Handy, Internet und Abos sowie jeweils 5 bis 15 Euro für Schulmaterial und Kosmetik beziehungsweise Körperpflege.

Die konkreten Beträge legt jede Familie selbst fest — die Tabelle zeigt nur, in welchen Größenordnungen sich andere orientieren. Wichtig ist, dass das Budgetgeld klar vom Taschengeld getrennt bleibt, damit Jugendliche verstehen, wofür welches Geld gedacht ist.

Was Eltern beim Auszahlen beachten sollten — und was sie besser lassen

Taschengeld als Druckmittel einzusetzen — einbehalten bei schlechten Noten oder als Belohnung für Haushaltsaufgaben — widerspricht dem Grundgedanken. Das DJI betont: Das Geld soll bedingungslos fließen. Hilfe im Haushalt ist eine Frage der Mitverantwortung in der Familie, kein bezahlter Dienst.

Ehrlich gesagt ist es auch verlockend, dem Kind einfach Geld zu leihen, wenn es zu früh ausgegeben wurde. Aber genau das nimmt ihm die wichtigste Lernerfahrung: dass Geld endlich ist und Entscheidungen Folgen haben. Wer einmal zwei Wochen auf den nächsten Betrag warten musste, denkt beim nächsten Mal länger nach.

Praktisch bewährt hat sich außerdem, den Zahlungstag festzuhalten — etwa immer der erste des Monats oder jeder Freitag. Verlässlichkeit schafft Planungssicherheit, und genau die brauchen Kinder, um wirklich zu lernen.

Kleine Fehler gehören dazu: So unterstützen Eltern ohne zu retten

Ein Kind, das sein gesamtes Taschengeld für Sticker ausgibt und danach das Buch nicht kaufen kann, das es wollte — das ist kein Versagen. Das ist Lernen. Eltern tun gut daran, diesen Moment auszuhalten, ohne sofort einzuspringen.

Die entscheidende Frage ist nicht, ob der Betrag exakt mit der DJI-Tabelle übereinstimmt. Es geht darum, dem Kind die Chance zu geben, eigene finanzielle Entscheidungen zu treffen — inklusive der kleinen Fehlkalkulationen, aus denen echtes Verständnis wächst. Ein fester, pünktlicher, diskussionsloser Betrag ist dabei die wichtigste Grundlage.

Wer früh lernt, mit einem Budget umzugehen, muss es als Erwachsener nicht von Grund auf neu erlernen — und das ist vielleicht die wertvollste Investition, die Eltern ohne einen einzigen Euro extra tätigen können.

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