Jedes Jahr im Herbst nutzen bis zu zehn Millionen Zugvögel das Wattenmeer als Zwischenstopp auf ihrer Reise in die Winterquartiere in Südeuropa oder Afrika. Wer die Tiere beobachten möchte, hat jetzt die beste Gelegenheit – entweder auf eigene Faust oder im Rahmen des „Westküsten-Vogelkieks“.
Warum das Wattenmeer für Zugvögel so wichtig ist
Das Wattenmeer liegt an der Ostatlantischen Zugroute und bietet laut WWF einen außergewöhnlichen Nahrungsreichtum sowie ungestörte Rastmöglichkeiten. Wenn es im Norden Europas zu kalt und nahrungsarm wird, machen sich die Vögel auf den Weg – viele davon über tausende Kilometer. Das Wattenmeer ist als Nationalpark und Weltnaturerbe geschützt, auch wegen seiner einzigartigen Bedeutung für den Vogelzug.
Zweimal im Jahr findet diese Massenwanderung statt: im Herbst Richtung Süden, im Frühjahr zurück in die Brutgebiete.
Welche Vogelarten sind zu sehen
Watvögel, Gänse, Enten, Möwen und Seeschwalben zählen zu den häufig zu beobachtenden Arten. Nach WWF-Angaben hat das Wattenmeer für mindestens 52 Populationen aus 41 Arten internationale Bedeutung – von manchen Populationen kommen nahezu alle weltweit existierenden Individuen hierher.
Mehr zum Lesen
Besonders auf das Wattenmeer angewiesen sind unter anderem die Dunkelbäuchige Ringelgans, der Knutt, der Kiebitzregenpfeifer, die Pfuhlschnepfe und der Alpenstrandläufer.
Westküsten-Vogelkiek: geführte Exkursionen vom 26. September bis 4. Oktober
Der Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer veranstaltet den „Westküsten-Vogelkiek“ mit zahlreichen Führungen und Exkursionen entlang der gesamten Westküste. Fachleute geben dabei Einblicke in das Leben der Vögel und ihre Zugroute. Die Veranstaltungen finden an verschiedenen Orten statt: auf Sylt, Amrum, Föhr und Hallig Hooge, in Dagebüll, im Beltringharder Koog, auf Nordstrand, im Katinger Watt und im Dithmarscher Speicherkoog.
Für Berufstätige und Besucher mit wenig Zeit gibt es außerdem kurze Feierabendtouren. Das vollständige Programm ist unter www.nationalpark-wattenmeer.de/wkvk abrufbar. Auch die Schutzstation Wattenmeer, der Verein Jordsand und der Nabu bieten eigene Veranstaltungen an.
Selbst beobachten: die besten Zeiten und Orte
Wer ohne geführte Tour unterwegs ist, sollte laut Nationalparkverwaltung früh aufstehen: Der Vogelzug ist in der Regel am frühen Morgen am intensivsten, lässt tagsüber etwas nach und lebt am Abend wieder auf – dann brechen zum Beispiel viele Singvögel erneut auf.
Rastende Vögel, insbesondere Watvögel, lassen sich den ganzen Tag über beobachten. Dabei spielt die Gezeit eine wichtige Rolle: Bei Niedrigwasser verteilen sich die Tiere im Watt und sind nur aus großer Entfernung zu sehen. Bei Hochwasser sammeln sie sich dagegen in den Salzwiesen oder an Stränden – dann sind sie aus nächster Nähe zu erleben.
Nationalparkranger Kühn empfiehlt Fuhlehörn auf Nordstrand für Einzelbesucher: „Einfach mit dem Tidenplan, etwas Zeit, und einem Fernglas an den Deich setzen – schon ist man ‚mittendrin‘!“ Ornithologe David Fleet nennt die Brösumer Spätinge in St. Peter-Ording als einen seiner Lieblingsplätze, wo sich viele Arten aus der Nähe beobachten lassen. Umweltpraktikantin Katharina Schulenburg schätzt die Hamburger Hallig wegen ihrer vielfältigen Lebensräume – Salzwiesen, Wattflächen bei Ebbe und offene Nordsee bei Flut.
Verhaltensregeln beim Vogelbeobachten
- Ausreichend Abstand halten, damit sich die Vögel sicher fühlen
- Nistplätze keinesfalls stören
- Fernglas mitbringen, um Tiere aus der Distanz gut beobachten zu können
- Ausgeschilderte Wege nicht verlassen
- Hunde an der Leine führen
- Keinen Müll hinterlassen, nicht rauchen und offenes Feuer vermeiden
Wer Watvögel bei Hochwasser beobachten möchte, sollte vorab den aktuellen Tidenplan für den jeweiligen Ort prüfen.
Ihre Meinung hilft uns







Das Gespräch geht weiter
Kommentare