Draußen knackt das Thermometer die 35-Grad-Marke, der Asphalt flimmert, und drinnen staut sich die Hitze unter der Decke. Wer keine Klimaanlage hat, greift zum Ventilator oder öffnet verzweifelt alle Fenster – und macht es damit oft noch schlimmer. Die Nachfrage nach Kühlgeräten ist in Deutschland in diesem Sommer so hoch wie selten.
Dabei übersehen viele Hausbesitzer eine Möglichkeit, die bereits vorhanden sein könnte: ihre eigene Wärmepumpe. Denn viele Geräte können nicht nur heizen, sondern im Sommer auch kühlen – manche davon mit erstaunlich wenig Strom. Ob das wirklich funktioniert und wann eine klassische Split-Klimaanlage die bessere Wahl ist, hängt von drei entscheidenden Faktoren ab.
Welche Wärmepumpen kühlen können – und welche besonders gut
Grundsätzlich gilt: Fast alle Wärmepumpen sind technisch in der Lage zu kühlen. Der Unterschied liegt darin, wie effizient sie das tun. Erdwärme- und Grundwasserwärmepumpen sind dabei klar im Vorteil, weil sie auf die relativ konstanten Temperaturen tief unter der Erdoberfläche zurückgreifen können – im Sommer liegen diese typischerweise bei 8 bis 12 Grad Celsius.
Der Kreislauf kehrt sich im Vergleich zum Winterbetrieb einfach um: Statt Wärme aus der Erde ins Haus zu pumpen, wird Wärme aus den Wohnräumen ins Erdreich abgeleitet. Das klingt elegant – und ist es auch, sofern die restliche Haustechnik mitspielt.
Die weitaus häufiger installierten Luft-Wasser-Wärmepumpen können ebenfalls kühlen, benötigen dafür aber deutlich mehr Strom. Ihr Wirkungsgrad beim Kühlen ist schlechter, weil sie im Sommer gegen heiße Außenluft arbeiten müssen, statt die konstante Kühle des Erdreichs zu nutzen.
Passive Kühlung: Warum sie so wenig Strom braucht
Bei der sogenannten passiven Kühlung läuft die Wärmepumpe selbst gar nicht. Stattdessen wird nur eine kleine Umwälzpumpe betrieben, die kühles Wasser aus dem Erdreich durch die Leitungen des Heizsystems zirkulieren lässt. Reinhard Loch, ehemals Leiter des Bereichs Energie bei der Verbraucherzentrale NRW, erklärt es so: Die passive Kühlung „setzt nur den Kreislauf in Gang zwischen kühlem Erdreich und dem warmen Raum.”
Der Stromverbrauch ist entsprechend gering. Der Kühleffekt ist dafür etwas schwächer als bei aktiven Systemen oder klassischen Klimaanlagen – die Raumtemperatur sinkt langsam und gleichmäßig, nicht schlagartig. Für viele Haushalte ist das im Alltag vollkommen ausreichend. In Wien läuft sogar ein Pilotprojekt, das mittels passiver Kühlung die Oberflächentemperatur von Straßenasphalt senken soll.
Aktive Kühlung: Mehr Leistung, aber auch mehr Verbrauch
Bei der aktiven Kühlung schaltet sich die Wärmepumpe mit ihrer gesamten Technik zu – lediglich die Richtung des Wärmekreislaufs ist gegenüber dem Heizbetrieb umgekehrt. Das kühlere Wasser wird durch die Rohre der Fußboden- oder Wandheizung geleitet und entzieht den Räumen Wärme. Das Ergebnis ist spürbar stärker als bei der passiven Variante.
Der Stromverbrauch ist dabei in etwa so hoch wie beim Heizen im Winter. Wer eine Photovoltaikanlage auf dem Dach hat, kann die Kühlung im Sommer gut mit dem selbst erzeugten Solarstrom betreiben und so den Eigenverbrauch erhöhen. Fachleute empfehlen bei der aktiven Kühlung unbedingt eine Taupunktüberwachung, damit sich keine Kondensation an den Leitungen bildet und Schimmelbildung verhindert wird.
Die entscheidende Voraussetzung: Ohne Flächenheizung geht es nicht
Hier liegt der häufigste Haken. Loch formuliert es klar: „Die Wärmepumpe kann man dann zum Kühlen einsetzen, wenn man große Flächen hat.” Gemeint sind damit Fußboden-, Wand- oder Deckenheizungen. Wer dagegen klassische Heizkörper verbaut hat, wird mit der Kühlung über die Wärmepumpe scheitern – zumindest auf diesem Weg.
Der Grund ist physikalisch: Um über einen herkömmlichen Heizkörper einen Kühleffekt zu erzielen, müsste das Wasser so stark abgekühlt werden, dass Luftfeuchtigkeit an der Metalloberfläche kondensiert. Der Heizkörper würde buchstäblich anfangen zu tropfen. Die Voraussetzungen auf einen Blick:
- Erdwärme- oder Grundwasserwärmepumpe (für passive Kühlung)
- Fußboden-, Wand- oder Deckenheizung im gesamten Gebäude
- Guter Dämmstandard des Hauses
- Taupunktüberwachung bei aktiver Kühlung
- Optional: Photovoltaikanlage zur Deckung des Strombedarfs
Wann die Split-Klimaanlage die bessere Wahl ist
Für alle, bei denen die oben genannten Voraussetzungen nicht zutreffen, bleibt die Split-Klimaanlage eine ernsthafte Option. Sie funktioniert im Prinzip wie eine Luft-Luft-Wärmepumpe: Ein Außengerät und ein Innengerät tauschen Wärme direkt über die Luft aus, ohne den Umweg über einen Wasserkreislauf. Das macht das System effizienter beim schnellen Kühlen eines einzelnen Raums.
„Wenn es darum geht, einen Raum möglichst schnell und für einen bestimmten Zeitraum herunterzukühlen, sind klassische Klimaanlagen effektiver”, bestätigt Energieexperte Loch. Nachteil: Sie kühlen in der Regel nur den Raum, in dem das Innengerät hängt. Außerdem geben sie die abgeführte Wärme direkt an die Außenluft ab – in dicht bebauten Stadtvierteln verschärft das den Hitzeinsel-Effekt messbar.
Wenn gar keine Technik hilft: Die stromlose Kühlung zuerst ausschöpfen
Bevor über Investitionen nachgedacht wird, lohnt ein Blick auf die Maßnahmen ohne Stromkosten. Außenliegende Rollläden und Jalousien halten bis zu 75 Prozent der solaren Wärmeeinstrahlung ab – deutlich mehr als innen liegende Vorhänge. Die Strategie beim Lüften ist genauso wichtig: Frühmorgens und spätabends kräftig durchlüften, tagsüber ab etwa 9 Uhr die Fenster geschlossen halten.
Reicht das nicht, sind Ventilatoren die nächste Stufe: Sie verbrauchen im Vergleich zu Klimaanlagen nur einen Bruchteil des Stroms und heizen die Außenluft nicht zusätzlich auf. Und wer ohnehin gerade eine neue Wärmepumpe plant, sollte laut Loch von Anfang an darauf achten, ein Gerät mit Kühlfunktion zu wählen – diese Weitsicht kostet bei der Anschaffung kaum Aufpreis und spart im nächsten Hitzesommer bares Geld.
Ob sich die Kühlfunktion bei bestehenden Wärmepumpen nachrüsten lässt, hängt vom jeweiligen Modell und der verbauten Regelungstechnik ab – eine Frage, die der Heizungsfachbetrieb vor Ort mit einem Blick auf die Anlage klären kann.



