Es ist kurz nach 23 Uhr. Du hast den Fernseher mit der Fernbedienung ausgeschaltet, die Kaffeemaschine steht stumm in der Ecke, das Ladekabel hängt noch in der Steckdose – obwohl das Smartphone längst voll ist. Das Haus scheint zu schlafen. Aber hinter den kleinen roten und orangefarbenen Leuchtpunkten läuft der Stromzähler still weiter.
Der sogenannte Stand-by-Modus ist in deutschen Haushalten allgegenwärtig: Geräte, die nicht wirklich aus, aber auch nicht wirklich an sind, verbrauchen permanent Strom – und damit Geld. Die entscheidende Frage ist nicht, ob man Geräte nachts trennen sollte, sondern welche man bedenkenlos ausstecken kann und bei welchen das ein Fehler wäre.
Was Stand-by wirklich kostet – und warum Unterhaltungselektronik fast ein Drittel ausmacht
Fernseher, Computer und Spielekonsolen machen laut der Verbraucherzentrale Deutschland fast ein Drittel des gesamten Haushaltsstromverbrauchs aus – und das schließt den Betrieb im Stand-by-Modus ausdrücklich ein. Kein marginales Problem also, sondern eine der größten Stellschrauben im Haushalt.
Besonders unterschätzt werden Ladekabel für Smartphones und Notebooks, die ungenutzt in der Steckdose stecken. Sobald der Ladevorgang abgeschlossen ist, solltest du das Kabel nicht nur vom Gerät, sondern auch von der Steckdose trennen. Einfacher geht es mit einer schaltbaren Steckerleiste: Ein einziger Handgriff abends, und die gesamte Unterhaltungselektronik ist wirklich vom Netz.
Diese Küchengeräte kannst du nachts problemlos ausstecken
Die Mikrowelle ist ein gutes Beispiel: Sie benötigt keine permanente Stromzufuhr, um einwandfrei zu funktionieren. Am besten schließt du sie grundsätzlich nur dann ans Netz an, wenn du sie tatsächlich nutzen möchtest. Das gilt ebenso für eine ganze Reihe weiterer Küchengeräte.
Folgende Geräte kannst du abends ohne Bedenken ausstecken:
- Kaffeevollautomat – verbraucht im Stand-by messbar Strom, braucht keine Dauerverbindung
- Mikrowelle – das Display läuft sonst dauerhaft
- Toaster – hat keine sinnvolle Stand-by-Funktion
- Wasserkocher – komplett unnötig am Netz, wenn er nicht genutzt wird
- Brotbackmaschine – selten genutztes Gerät, das trotzdem permanent Strom zieht
Bad und Waschraum: Kleine Geräte, unnötige Dauerbelastung
Auch im Badezimmer schlummern stille Stromfresser. Die Waschmaschine verbraucht selbst im Leerlauf Strom – wer sie längere Zeit nicht nutzt, sollte sie ausstecken oder an eine schaltbare Zwischensteckdose anschließen, die das automatisch erledigt.
Föhn und Glätteisen gehören ohnehin nicht dauerhaft ans Netz. Hier gilt eine einfache Regel: nach jedem Gebrauch Stecker ziehen. Das ist auch aus Sicherheitsgründen sinnvoll – Hitzeschäden durch versehentlich liegengelassene Geräte sind kein Einzelfall.
Diese 4 Geräte solltest du nachts niemals trennen
Nicht alles, was wie ein Stromfresser wirkt, darf nachts vom Netz. Bei einigen Geräten wäre das ein kostspieliger oder sogar gefährlicher Fehler.
Der Kühlschrank muss rund um die Uhr laufen. Die Verbraucherzentrale empfiehlt für die oberen Fächer eine Temperatur von 7 Grad Celsius, für den Gefrierschrank minus 18 Grad Celsius – wer ihn nachts trennt, riskiert verdorbene Lebensmittel. Beim Tintenstrahldrucker sieht es anders aus, als man vermuten würde: Wird er vom Netz getrennt, startet er beim nächsten Einschalten einen Druckkopfreinigungslauf, der deutlich mehr Energie verbraucht, als das Gerät im Stand-by gezogen hätte. Ihn einfach nur auszuschalten – ohne den Stecker zu ziehen – ist die effizientere Lösung. Backofen und Spülmaschine lassen sich bei den meisten Modellen ohnehin nur über die Hauptsicherung vom Netz trennen und sollten deshalb angeschlossen bleiben.
Sonderfall Urlaub: Was wirklich am Netz bleiben muss
Wer für mehrere Wochen verreist, kann wesentlich mehr abschalten als sonst. Laut der Energieberatung der Verbraucherzentrale dürfen dann auch Router und Festnetztelefone vom Netz – sie müssen nicht im Dauerbetrieb sein, wenn niemand zu Hause ist. Den Geräten schadet das nicht.
Kühlgeräte bleiben angeschlossen, sofern sie noch Lebensmittel enthalten. Eine Alternative: das Gefrierfach vorher abtauen, Vorräte aufbrauchen und dann auch den Kühlschrank abstecken. Achtung beim Abschalten der Sicherungen: Wer die Hauptsicherungen dreht, trennt damit unweigerlich auch die Gefriertruhe und eine eventuell vorhandene Alarmanlage. Besser ist es, nur einzelne Stromkreise zu kappen oder auf Minimalversorgung zu setzen – das spart während der Reise ebenfalls spürbar Strom, ohne unangenehme Überraschungen bei der Rückkehr.
Elektrosmog: Ein Argument, das die Entscheidung leichter macht
Neben dem reinen Stromverbrauch gibt es noch einen weiteren Grund, Geräte nachts zu trennen: Elektrosmog. Laut aktuellem Wissensstand ist die im Alltag entstehende elektromagnetische Strahlung durch Haushaltsgeräte nicht gesundheitsgefährdend. Dennoch empfiehlt es sich, unnötige Strahlenquellen im Schlafbereich zu vermeiden – insbesondere für Menschen, die empfindlich auf elektromagnetische Felder reagieren.
Den WLAN-Router muss man deshalb nicht zwingend ausstecken. Sinnvoller ist es, das WLAN-Signal selbst abzuschalten – an vielen Geräten funktioniert das per Knopfdruck – und den Router an einem Ort zu platzieren, an dem man sich nachts nicht aufhält. So sinkt die Strahlenbelastung im Schlafzimmer, ohne dass der Router morgens einen aufwendigen Neustart braucht.
Wer abends konsequent fünf Stecker zieht, hat damit schon die größten Hebel betätigt – was das über ein Jahr hinweg auf der Jahresstromrechnung bedeutet, lässt sich mit einem einfachen Strommessgerät in wenigen Tagen selbst herausfinden.



