Wärmepumpe kühlen: Passive vs. aktive Kühlung – was Ihr Haus wirklich braucht

Die Augusthitze drückt seit Tagen auf über 35 Grad, die Wohnung hat sich tagsüber auf fast 30 Grad aufgeheizt, und der Ventilator im Schlafzimmer schiebt nur warme Luft von einer Wand zur anderen. Wer gerade über eine Klimaanlage nachdenkt, übersieht dabei möglicherweise eine Technologie, die schon im Keller oder vor der Hauswand steht: die Wärmepumpe.

Denn die Heizung, die im Winter Wärme aus Erde, Grundwasser oder Außenluft ins Haus bringt, kann diesen Prozess im Sommer schlicht umdrehen. Ob das wirklich funktioniert, wie viel Strom das kostet und wann die klassische Split-Klimaanlage trotzdem die bessere Wahl ist — das hängt von drei Faktoren ab, die die meisten Hauseigentümer beim Kauf nie abgefragt haben.

Welche Wärmepumpe kühlen kann — und welche nicht

Grundsätzlich gilt: Fast jede Wärmepumpe kann kühlen. Aber der Unterschied zwischen den Modellen ist erheblich. Besonders energiesparend kühlen Erdwärme- und Grundwasserwärmepumpen, also Geräte, die mittels tiefer Bohrungen die konstant kühlen Temperaturen des Untergrunds nutzen — in Deutschland liegen diese in etwa 10 Metern Tiefe dauerhaft bei rund 10 bis 12 Grad Celsius.

Im Winter holen diese Pumpen Wärme aus der Erde und führen sie ins Heizsystem. Im Sommer kehren sie diesen Kreislauf einfach um: Wärme aus den Wohnräumen wandert in die Erde, Kälte kommt zurück. Reinhard Loch, ehemaliger Leiter des Bereichs Energie bei der Verbraucherzentrale NRW, bringt die Bedingung auf den Punkt: „Das macht Sinn, wenn man die geeigneten Rahmenbedingungen dafür hat.”

Die wichtigste dieser Rahmenbedingungen ist das Heizsystem im Haus. Loch erklärt: „Die Wärmepumpe kann man dann zum Kühlen einsetzen, wenn man große Flächen hat.” Gemeint sind Fußboden-, Wand- oder Deckenheizungen. Klassische Heizkörper scheiden aus: Um über sie zu kühlen, müsste das Wasser so kalt werden, dass die Luftfeuchtigkeit kondensiert und der Heizkörper anfängt zu tropfen.

Passive Kühlung: Warum sie so wenig Strom verbraucht

Wer eine Erdwärmepumpe mit Flächenheizung besitzt, kann im Sommer von der sogenannten passiven Kühlung profitieren — und die ist in der Betriebskostenrechnung kaum zu schlagen. Bei dieser Methode läuft nicht die Wärmepumpe selbst, sondern nur eine kleine Umwälzpumpe, die kühles Wasser aus dem Erdreich durch die Fußbodenheizungsrohre schickt. Der Verdichter, der im Heizbetrieb den meisten Strom frisst, bleibt komplett aus.

Loch beschreibt das Prinzip so: Die passive Kühlung „setzt nur den Kreislauf in Gang zwischen kühlem Erdreich und dem warmen Raum.” Der Effekt ist spürbar, aber nicht dramatisch. Die Raumtemperatur sinkt langsam und gleichmäßig — vergleichbar mit dem Gefühl, das eine gut gedämmte Massivwand im Sommer erzeugt. Wer erwartet, dass die Wohnung binnen einer Stunde von 29 auf 22 Grad fällt, wird enttäuscht sein.

Aktive Kühlung mit der Luft-Wasser-Wärmepumpe: mehr Leistung, mehr Strom

Die Mehrzahl der heute neu installierten Wärmepumpen sind Luft-Wasser-Wärmepumpen. Sie können ebenfalls kühlen, allerdings läuft dabei die gesamte Technik — inklusive Verdichter. Die Richtung des Wärmekreislaufs ist im Vergleich zum Heizbetrieb einfach umgekehrt: Innen wird Wärme entzogen, außen abgegeben. Der Stromverbrauch liegt in etwa auf dem Niveau des Winterbetriebs.

Der Vorteil gegenüber der passiven Variante: Die aktive Kühlung bringt mehr Leistung und kann Räume stärker herunterkühlen. Der Nachteil: Mit steigendem Stromverbrauch sinkt der Effizienzvorsprung gegenüber einer klassischen Klimaanlage. Wer ohnehin eine Photovoltaikanlage auf dem Dach hat, kann diesen Mehrbedarf zumindest an Sommertagen günstig aus dem Eigenverbrauch decken.

Ein Hinweis, den Fachleute bei der aktiven Kühlung ausnahmslos geben: Eine Taupunktüberwachung ist Pflicht. Ohne sie kann Kondensation in den Fußbodenheizungsrohren und an Wandflächen entstehen, was Schimmelbefall begünstigt.

Wann die Split-Klimaanlage die bessere Wahl ist

„Wenn es darum geht, einen Raum möglichst schnell und für einen bestimmten Zeitraum herunterzukühlen, sind klassische Klimaanlagen effektiver”, sagt Energieexperte Loch. Der Grund liegt im Aufbau: Eine Split-Klimaanlage gibt Wärme direkt über ein Innen- und Außengerät ab, ohne den Umweg über einen wassergeführten Heizkreis. Das macht den Prozess direkter und bei gezielter Raumkühlung effizienter.

Split-Klimaanlagen lassen sich zudem vergleichsweise günstig nachrüsten. Ihre Schwäche liegt woanders: „Luft kann man nicht so gut in der ganzen Wohnung verteilen”, erklärt Loch. Ein Gerät kühlt in der Regel nur einen einzigen Raum wirkungsvoll. Wer mehrere Zimmer kühlen will, braucht mehrere Geräte.

Dazu kommt ein stadtplanerisches Problem: In dicht bebauten Gebieten verstärken Klimaanlagen den Hitzeinsel-Effekt, weil sie warme Luft direkt an die Umgebung abgeben. Was für den einzelnen Haushalt kühlt, heizt die Straße nebenan weiter auf.

Was wirklich ohne Strom kühlt — und was trotzdem zuerst gehört

Bevor irgendeine Technik zum Einsatz kommt, lohnt sich der Blick auf die kostenfreien Maßnahmen. Folgende Punkte sollten im Sommer konsequent umgesetzt werden:

  • Fensterläden, Rollos und Vorhänge tagsüber vollständig geschlossen halten — außenliegende Beschattung ist wirksamer als innenliegende
  • Intensiv lüften: morgens früh, abends ab etwa 21 Uhr und nachts, sobald die Außentemperatur unter die Innentemperatur fällt
  • Fenster tagsüber ab etwa 9 Uhr konsequent geschlossen halten, sobald die Außentemperatur steigt
  • Energieeffiziente Ventilatoren nutzen: Sie verbrauchen nur einen Bruchteil des Stroms einer Klimaanlage und heizen die Außenluft nicht zusätzlich auf

Erst wenn diese Maßnahmen ausgeschöpft sind, macht die Investition in aktive Kühltechnik wirklich Sinn — und selbst dann empfiehlt Loch eine kluge Vorausinvestition: „Wenn jemand eine neue Wärmepumpe einbaut, dann ist es sinnvoll, darauf zu achten, dass man eine Wärmepumpe wählt, die auch kühlen kann.”

Was Neubauten ab sofort bedenken sollten

Loch geht davon aus, dass die Kühlfunktion bei Wärmepumpen künftig — besonders in Neubauten — systematisch mitgeplant wird. Die Mehrzahl neuer Eigenheime wird bereits heute mit Wärmepumpen ausgestattet; Flächenheizungen sind im Neubau Standard. Die Voraussetzungen für passive oder aktive Kühlung sind also bei Neubauten häufig bereits erfüllt, ohne dass die Eigentümer das wissen.

Ob die Wärmepumpe die klassische Klimaanlage in deutschen Haushalten langfristig verdrängen kann, wird auch davon abhängen, ob Installateure und Hersteller die Kühlfunktion künftig genauso selbstverständlich kommunizieren wie die Heizleistung — was bislang kaum geschieht.

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