Draußen klettert das Thermometer auf 35 Grad Celsius, die Wohnung verwandelt sich bis zum Nachmittag in eine Backröhre. Wer dann im Baumarkt nach einer Klimaanlage greift, bemerkt schnell, dass die Nachfrage das Angebot deutlich übersteigt — Wartelisten, hohe Preise, manchmal wochenlange Lieferzeiten.
Dabei steckt in vielen deutschen Häusern bereits eine Technologie, die im Sommer kühlen kann: die Wärmepumpe. Doch ob das wirklich funktioniert — und wie viel Strom es kostet — hängt von einigen entscheidenden Faktoren ab, über die kaum jemand spricht.
Welche Wärmepumpe kühlen kann — und welche nicht
Grundsätzlich können fast alle Wärmepumpen auch kühlen. Der Unterschied liegt jedoch darin, wie energieeffizient sie dabei arbeiten. Erdwärme- und Grundwasserwärmepumpen sind hier klar im Vorteil, weil sie die konstant kühlen Temperaturen tief unter der Erdoberfläche nutzen.
Im Winter holen sie Wärme aus dem Erdreich ins Haus. Im Sommer dreht sich das Prinzip um: Wärme aus den Wohnräumen wird in die Tiefe abtransportiert, während Kühle aus dem Boden in die Heizflächen fließt. Reinhard Loch, ehemaliger Leiter des Bereichs Energie bei der Verbraucherzentrale NRW, beschreibt die Grundvoraussetzung klar: „Das macht Sinn, wenn man die geeigneten Rahmenbedingungen dafür hat.”
Die zentrale Bedingung laut Loch: „Die Wärmepumpe kann man dann zum Kühlen einsetzen, wenn man große Flächen hat.” Gemeint sind Fußboden-, Wand- oder Deckenheizungen. Klassische Heizkörper scheiden aus — sie müssten so stark heruntergekühlt werden, dass die Luftfeuchtigkeit an ihnen kondensiert und sie zu tropfen beginnen.
Passive Kühlung: Warum sie so wenig Strom braucht
Bei der sogenannten passiven Kühlung läuft die Wärmepumpe selbst gar nicht. Statt des energieintensiven Verdichters genügt eine kleine Umwälzpumpe, die das kühle Wasser aus dem Erdreich durch die Fußbodenheizung zirkulieren lässt. Loch erklärt, die passive Kühlung „setzt nur den Kreislauf in Gang zwischen kühlem Erdreich und dem warmen Raum.” Der Stromverbrauch ist dabei minimal.
Der Haken: Der Kühleffekt ist etwas schwächer als bei aktiver Kühlung oder einer konventionellen Klimaanlage. Wer auf schnelle, intensive Abkühlung einzelner Räume angewiesen ist, wird damit allein nicht immer auskommen. Wenn jedoch Wärmepumpentyp, Heizsystem und Dämmstandard des Gebäudes zusammenpassen, lässt sich damit ein angenehmes Raumklima an heißen Sommertagen halten — mit sehr geringem Energieeinsatz.
Aktive Kühlung: Mehr Leistung, aber auch mehr Stromverbrauch
Die Mehrheit der heute eingebauten Geräte sind Luft-Wasser-Wärmepumpen. Sie können ebenfalls kühlen — allerdings über die sogenannte aktive Kühlung, bei der die gesamte Wärmepumpentechnik läuft und der Wärmekreislauf schlicht umgekehrt wird. Das bedeutet: Der Stromverbrauch ist ähnlich hoch wie beim Heizen im Winter.
Die aktive Kühlung kann Gebäude etwas stärker abkühlen als die passive Variante, weil kühleres Wasser durch die Rohre der Fußboden- oder Wandheizung gepumpt wird. Wer eine Photovoltaikanlage auf dem Dach hat, kann dabei im Sommer den selbst erzeugten Solarstrom sinnvoll nutzen und den Eigenverbrauch erhöhen. Ein wichtiger Hinweis von Fachleuten: Bei aktiver Kühlung ist eine Taupunktüberwachung unbedingt notwendig, um Kondensation auf den Heizflächen und damit Schimmelbildung zu verhindern.
Wann eine klassische Split-Klimaanlage die bessere Wahl ist
Für gezielte, schnelle Kühlung einzelner Räume sind klassische Split-Klimaanlagen oft effizienter als Wärmepumpen. Sie funktionieren im Prinzip wie eine Luft-Luft-Wärmepumpe: Ein Außengerät und ein Innengerät entziehen der Raumluft direkt Wärme und geben sie nach draußen ab — ohne den Umweg über einen wasserführenden Kreislauf. Das macht den Vorgang kompakter und bei kurzfristigem Kühlbedarf kostengünstiger. „Wenn es darum geht, einen Raum möglichst schnell und für einen bestimmten Zeitraum herunterzukühlen, sind klassische Klimaanlagen effektiver”, bestätigt Energieexperte Loch.
Allerdings haben Split-Klimaanlagen zwei nennenswerte Nachteile. Erstens kühlen sie in der Regel nur den Raum, in dem das Innengerät hängt — Luft lässt sich eben nicht so leicht durch die ganze Wohnung verteilen wie Wasser in einem Rohrsystem. Zweitens verschärfen sie in dicht bebauten Städten den sogenannten Hitzeinsel-Effekt, indem sie warme Abluft in die Straßenschlucht blasen.
Diese Voraussetzungen müssen stimmen, damit die Wärmepumpe im Sommer kühlt
Wer neu baut oder saniert, sollte die Kühlfunktion von Anfang an einplanen. Folgende Bedingungen müssen zusammenkommen:
- Eine Erdwärme- oder Grundwasserwärmepumpe (für passive Kühlung mit minimalem Stromverbrauch)
- Flächenheizung im Haus — Fußboden-, Wand- oder Deckenheizung
- Guter Dämmstandard des Gebäudes, damit die Kühle lange gespeichert bleibt
- Taupunktüberwachung bei aktiver Kühlung, um Kondensation zu verhindern
- Optionale Kombination mit einer Photovoltaikanlage für günstigen Eigenstromverbrauch im Sommer
Wer bereits eine Luft-Wasser-Wärmepumpe betreibt, kann aktiv kühlen — muss aber den höheren Stromverbrauch einkalkulieren. Loch fasst zusammen: „Wenn jemand eine neue Wärmepumpe einbaut, dann ist es sinnvoll, darauf zu achten, dass man eine Wärmepumpe wählt, die auch kühlen kann.”
Ohne Strom auskommen: Was Beschattung und Lüften wirklich bringen
Bevor überhaupt eine technische Kühllösung nötig wird, lohnt sich ein Blick auf die kostengünstigsten Maßnahmen. Rollos, Fensterläden und Vorhänge tagsüber geschlossen zu halten, hält erstaunlich viel Hitze draußen — außen liegende Beschattungen wirken dabei deutlich besser als innen liegende. Morgens früh und abends ab etwa 21 Uhr lohnt sich kräftiges Durchlüften; sobald die Außentemperatur tagsüber steigt, bleiben die Fenster besser geschlossen.
Reicht das nicht, sind Ventilatoren die nächste sinnvolle Stufe. Sie verbrauchen einen Bruchteil des Stroms einer Klimaanlage und heizen die Außenluft nicht zusätzlich auf. Erst wenn auch das nicht mehr genügt, kommen technische Kühllösungen ins Spiel — und dann, so Loch, wird die Wärmepumpe mit Kühlfunktion zunehmend auch für Neubauten zur ernsthaften Alternative zur separaten Klimaanlage werden.
Gerade bei Neubauten, von denen inzwischen die große Mehrheit mit Wärmepumpen ausgestattet wird, dürfte die integrierte Kühlfunktion in den nächsten Jahren zu einem Standardmerkmal werden, das beim Kauf schlicht mit abgefragt wird.



