Du stehst an deinem Hochbeet, willst endlich lockern und pflanzen — und dann liegt da wieder dieser Erdhügel. Ameisen haben sich mitten in deinen Gartenplänen einquartiert, die Ameisenstraße zieht sich quer durch den Gemüsestreifen, und irgendjemand hat dir geraten, Backpulver mit Zucker zu mischen. Das klingt nach einer schnellen Lösung. Ist es auch. Nur eben einer qualvollen.
Backpulver tötet Ameisen — das stimmt. Aber Naturschutzorganisationen wie die Ameisenschutzwarte Bayern stufen die Methode als grausam ein, weil der Tod der Tiere durch die chemische Reaktion im Körper langsam und schmerzhaft verläuft. Dabei gibt es zwei deutlich schonendere Alternativen: das vollständige Ausgraben des Nestes oder die sogenannte Blumentopfmethode. Beide funktionieren, wenn man sie konsequent durchzieht.
Warum Ameisen im Garten nützlicher sind, als sie wirken
Bevor du zur Schaufel greifst, lohnt ein kurzer Blick auf das, was du da eigentlich vor dir hast. Ameisen lockern den Boden, bekämpfen Blattläuse und andere Pflanzenschädlinge und verbreiten Samen mancher Wildpflanzen. Im Wald sind sie laut Bundesamt für Naturschutz unverzichtbar für das Ökosystem.
Im Garten verschieben sich die Gewichte etwas. Nester unter Pflanzenwurzeln, Ameisenstraßen über die Terrasse oder Erdaufwürfe in Beeten sind lästig — das ist verständlich. Umsiedeln statt töten ist deshalb keine romantische Naturschutzgeste, sondern schlicht die praktischere Lösung ohne Folgeschäden im Boden.
Nest finden und richtig vorbereiten
Der erste Schritt ist so simpel wie effektiv: Verfolge die Ameisenstraße bis zu ihrem Ende. Wo sie endet, liegt das Nest. Weitere Hinweise sind Erdhügel, kleine Holzspäne-Ansammlungen oder aufgelockerter Boden direkt unter einem Stein oder Baumstumpf. Ziehe unbedingt Gartenhandschuhe an — nicht wegen der Ameisensäure allein, sondern weil Ameisenbisse bei längerem Kontakt unangenehm brennen.
Wichtig: Halte beim Ausgraben Ausschau nach der Ameisenkönigin. Sie ist deutlich größer als die Arbeiterinnen und hat auffällige Flügelnarben auf dem Rücken. Bekommst du sie zu Gesicht, kommt sie in einen separaten, kleinen Behälter — wird sie verletzt, zerfällt das Volk innerhalb weniger Wochen, und die ganze Mühe war umsonst.
Ameisennest ausgraben: So gehst du Schritt für Schritt vor
Diese Methode eignet sich für alle Nestgrößen, erfordert aber zwei bis drei Stunden Zeit und etwas Geduld. Bereite mehrere Behälter vor — Eimer, Kisten oder Blumenkübel, je nach Nestgröße.
- Hebe mit der Schaufel einen Graben rund um das Nest aus, ohne das Nest selbst zu beschädigen. Ziel ist, es freizulegen, nicht zu zerstören.
- Trage die Nestkuppel — das lockere Nistmaterial an der Oberfläche — ab. Sie macht etwa zwei Drittel des Nestes aus. Trenne dabei leichteres Material (Nadeln, Halme) von schwereren Bestandteilen und fülle beides mit den Ameisen in getrennte Behälter. Mit den behandschuhten Händen richtest du am wenigsten Schaden an.
- Darunter liegt der Nestkern, meist ein fester Baumstumpf mit Kammern. Diesen vorsichtig ausgraben und in einen separaten Behälter legen. Je tiefer das Nest reicht, desto mehr Zeit brauchst du hier — rechne mit mindestens 30 Minuten für ein mittelgroßes Nest.
- Warte nach dem Ausgraben noch 10 bis 15 Minuten an der Stelle. Tauchen weitere Ameisen auf, hebe sie mit etwas Erde auf und gib sie zu den anderen Behältern. So sicherst du möglichst das gesamte Volk.
Den neuen Standort aufbauen und das Volk einsetzen
Der neue Platz sollte dem alten ähneln: sonnig bis halbschattig, lockerer Boden, möglichst nah an Waldrand oder Hecke. Mindestens 5 Meter Abstand vom alten Standort sind ratsam, damit die Tiere nicht zurückfinden.
Lege zunächst den alten Nestkern auf den Boden und schichte kurze Äste und Zweige kegelförmig darüber, um Hohlräume zu schaffen. Dann kommen die Materialien der Nestkuppel in umgekehrter Reihenfolge: erst das schwere, dann das leichte Material. Zwischen den Schichten kannst du etwas Reisig einfügen, um das Nest zu stabilisieren. Die Ameisenkönigin setzt du in eine der Zwischenschichten oder ganz zum Schluss ins fertige Nest. Abschließend häufst du das lockere Erdmaterial rund um das neue Nest auf. Ein dünner Ring aus normalem Haushaltszucker rund um den neuen Nestplatz hilft den Ameisen, ihren neuen Standort anzunehmen.
Die Blumentopfmethode: einfacher, aber langsamer
Ehrlich gesagt ist diese Methode die bequemere der beiden — vorausgesetzt, das Nest ist nicht zu groß. Du brauchst einen unglasierten Tontopf, der sich über den Nesteingang stülpen lässt. Glasierte Töpfe funktionieren nicht, weil die Luftfeuchtigkeit innen stimmen muss.
So geht es: Wässere den Topf rund eine Stunde lang in einem Eimer, lass ihn abtropfen und bestreiche den Topfboden innen mit Zucker, Marmelade oder Honig. Stopfe dann den Topf dicht mit Holzwolle oder Stroh aus. Setze ihn mit der offenen Seite nach unten auf das Nest, sodass alle Ausgänge abgedeckt sind. Die Kombination aus Lockstoff, hoher Luftfeuchtigkeit und warmem Nistmaterial zieht die Ameisen von selbst an — gib ihnen 3 bis 7 Tage Zeit. Danach schiebst du ein dünnes Holzbrett oder einen Spaten unter den Topf, transportierst ihn an den neuen Standort und ziehst das Brett weg. Lockere die Erde am Zielort vorher auf und streue etwas Zucker aus, damit sich die Ameisen schneller eingraben.
Was nach dem Umsiedeln passiert — und wann du nachbessern musst
Ameisen sind territorial, aber nicht unbedingt stur. Haben sie Königin, Nestkern und ausreichend Futter am neuen Standort, bleiben sie in aller Regel dort. Kritisch wird es, wenn die Königin beim Transport zu Schaden gekommen ist oder ein zu großer Teil des Volkes nicht umgesiedelt wurde — dann können Restgruppen versuchen, zum alten Standort zurückzuwandern.
Beobachte den alten Nestplatz deshalb noch zwei bis drei Tage lang. Zeigen sich nennenswerte Mengen an Ameisen, lohnt ein zweiter Durchgang mit dem Blumentopf. Das alte Nest selbst kannst du auffüllen und festtreten, damit es nicht wieder besiedelt wird.
Wer den Umzug Ende April oder Anfang Mai durchführt — also bevor die Königin mit der Eiablage der Sommergeneration beginnt — trifft das Volk in einer Phase an, in der es deutlich einfacher zu bewegen ist.



