Kirschlorbeer gilt als pflegeleicht, schnellwachsend und winterhart – doch ökologisch ist er nahezu wertlos, für Menschen und Tiere giftig und breitet sich als invasive Art unkontrolliert aus. Wer im Herbst neu pflanzen möchte, findet unter heimischen Sträuchern deutlich bessere Alternativen.
Was den Kirschlorbeer zum Problem für Garten und Natur macht
Der Kirschlorbeer (Prunus laurocerasus) stammt ursprünglich aus Vorderasien. NABU Berlin erklärt, er könne „bestenfalls als Unterschlupf für Vögel fungieren“, seine Blütenstände und Früchte seien jedoch „für die meisten Vögel und Insekten wertlos“. Corinna Hölzel, Pestizid- und Gartenexpertin beim BUND, ergänzt: „Der ökologische Nutzen von Kirschlorbeer ist gering. Er liefert kaum Nektar oder Pollen für Wildbienen und Schmetterlinge, seine Blätter sind für Raupen oft ungenießbar. Damit leistet er keinen Beitrag gegen das Insektensterben.“
Als invasive Art verdrängt der Kirschlorbeer heimische Sträucher und Kräuter, verhindert die natürliche Verjüngung im Wald und verändert sogar die Bodenchemie. Seine dichten Blätter nehmen anderen Pflanzen das Licht, und er entzieht Bodenorganismen ihre Lebensgrundlage. Da Tiere seine giftigen Blätter und Beeren meiden, hat er kaum natürliche Gegenspieler. Auch achtlos in der Natur entsorgter Heckenschnitt kann die Ausbreitung fördern.
Hinzu kommt die Giftigkeit: Alle Pflanzenteile enthalten cyanogene Glykoside (Blausäure). Besonders Beeren sind für Kinder und Haustiere gefährlich. Schnittarbeiten können reizende Stoffe freisetzen. Der Rückschnitt verrottet schlecht und darf wegen der Blausäure nicht auf dem Kompost entsorgt werden – besser sind Biotonne oder kommunaler Wertstoffhof.
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Die rechtliche Lage in Deutschland und der Schweiz
In der Schweiz ist Kirschlorbeer seit September 2024 verboten. Verkauf, Import, Verschenken und Tausch sind untersagt. Wer die Pflanze bereits besitzt, darf sie stehen lassen. Das Verbot gilt auch für weitere invasive Arten wie den Schmetterlingsstrauch, das Afrikanische Lampenputzergras, den Goldenen Bambus und den Blauglockenbaum.
In Deutschland gibt es bislang kein Verbot. Das Bundesamt für Naturschutz führt den Kirschlorbeer jedoch auf der Beobachtungsliste potenziell invasiver Pflanzen. Auf EU-Ebene ist er nicht gelistet. Das BfN empfiehlt, eine Ausbreitung in die Natur kritisch zu prüfen und bei Gefahr für geschützte Lebensräume gezielte Beseitigungsmaßnahmen vorzunehmen.
10 heimische Sträucher als ökologisch wertvolle Alternative
Wer neu pflanzt oder Kirschlorbeer schrittweise ersetzen möchte, findet unter folgenden heimischen Gehölzen attraktive und pflegeleichte Optionen:
- Liguster (Ligustrum vulgare) – halbimmergrün, schnittverträglich, robust; Blüten für Insekten, Beeren für Vögel; vielseitige Heckenpflanze für Sichtschutz.
- Hainbuche (Carpinus betulus) – dichte, winterharte Hecke; Lebensraum für Vögel und Insekten; perfekt als natürlicher Sichtschutz.
- Berberitze (Berberis vulgaris) – dornenbewehrt, anspruchslos; Nistplätze für Vögel, Lebensraum für Insekten; schönes Herbstlaub.
- Weißdorn (Crataegus monogyna) – dornenbewehrt, pflegeleicht; Nektar- und Pollenlieferant, Raupenfutter, Beeren für Vögel; Frühblüher, gut für Hecken und Naturgärten.
- Feldahorn (Acer campestre) – schnittverträglich, robust; Nahrung für Insekten, Deckung für Kleintiere; ideal für strukturreiche Hecken.
- Roter Hartriegel (Cornus sanguinea) – rote Zweige, weiße Blüten, dunkle Beeren; Früchte für Vögel, Blüten für Insekten; sehr dekorativ und ökologisch wertvoll.
- Schlehe (Prunus spinosa) – dornenbewehrt, Frühblüher; Früchte für Wildtiere, Nektar für Bienen; dornige Zweige bieten Vögeln Schutz.
- Holunder (Sambucus nigra) – schnellwachsend, robust; Früchte für Vögel, Nektar für Insekten; Blüten essbar und vielseitig in der Küche verwendbar.
- Heckenrose (Rosa spp.) – dornig, pflegeleicht, farbige Blüten; Nist- und Schutzplätze für Vögel, Früchte für Wildtiere; Frühblüher, robust und dekorativ.
- Weide (Salix-Arten) – schnellwachsend, frosthart, anpassungsfähig an feuchte Böden; Frühblüher für Bienen, Lebensraum für viele Insekten; ideal für naturnahe Gärten und Feuchtbereiche.
Weitere empfehlenswerte Optionen sind Beerensträucher wie Heidelbeere, Johannisbeere, Brombeere und Himbeere sowie Glanzmispel (Photinia spp., heimische Arten) und Felsenbirne (Amelanchier spp.). Corinna Hölzel (BUND) fasst zusammen: „Wer einen Beitrag zur Artenvielfalt leisten möchte, setzt auf heimische Gehölze und Pflanzen, die Insekten, Vögeln und unserem Ökosystem echten Nutzen bringen.“
Was tun, wenn Kirschlorbeer bereits im Garten steht?
Wer einen Kirschlorbeer im Garten hat, muss nicht sofort zur Motorsäge greifen. NABU Berlin stellt klar: „Ein Strauch ist ein Strauch und auch wenn es ökologisch wertvollere Wildsträucher gibt, muss man nicht gleich zur Motorsäge greifen.“ Die Naturschützer bewerten ihn als Nahrungsquelle noch vor Forsythie, Rhododendron und Zierkirsche. Silvia Teich weist darauf hin, dass einige Insekten die Blüten durchaus mögen. Corinna Hölzel rät zu einem „schrittweisen Ersetzen von Kirschlorbeer durch heimische Pflanzen“.
Wer handelt, sollte folgende Punkte beachten:
- Rückschnitt nicht in der Natur entsorgen, sondern in Biotonne oder Wertstoffhof.
- Beeren vor der Samenreife abschneiden, um unkontrollierte Ausbreitung zu verhindern.
- Rückschnitt und Entfernung nur außerhalb der Brut- und Nistzeit – das heißt nicht zwischen dem 1. März und dem 30. September.
- Blätter und Beeren sind hochgiftig: nicht auf den Kompost und von Haustieren fernhalten.
Da Hecken zwischen dem 1. März und dem 30. September weder stark zurückgeschnitten noch entfernt werden dürfen, ist der Herbst der geeignete Zeitraum, um mit dem schrittweisen Ersetzen zu beginnen.
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