Du stehst vor dem Gemüseregal, der Einkaufszettel in der Hand, und greifst ganz selbstverständlich nach der Tüte Zwiebeln. Das kleine Schildchen an der Kiste fällt dir kaum auf — dabei verrät es, dass diese Zwiebeln aus Neuseeland stammen und gut 20.000 Kilometer zurückgelegt haben, bevor sie in deinem Supermarkt in Köln oder Leipzig gelandet sind. Ausgerechnet jetzt, im August, wenn Deutschland erntefreudig ist wie in kaum einem anderen Monat.
Der Hochsommer lässt uns glauben, dass alles auf dem Markt automatisch frisch und regional ist. Das ist ein Trugschluss. Wer beim Einkaufen nicht genau hinschaut, kauft im reichsten Obst- und Gemüsemonat des Jahres trotzdem Produkte, die mit langen Transportwegen und einer schlechten Ökobilanz belastet sind — und das, obwohl die heimische Alternative oft nur wenige Tage entfernt ist.
9 Sorten im August: Bei diesen Lebensmitteln lohnt der Blick aufs Schild
Eigene Recherchen in mehreren deutschen Supermärkten und Discountern haben ergeben, dass selbst vermeintlich selbstverständliche Produkte im August regelmäßig aus Übersee kommen. Gefunden wurden unter anderem Paprika aus Marokko, Trauben aus Ägypten, Bio-Kiwis und Bio-Birnen aus Argentinien sowie konventionelle Birnen aus Südafrika. Dazu gesellten sich Pfifferlinge aus Litauen, Kartoffeln aus Israel, Süßkartoffeln aus den USA und Knoblauch aus China.
Bei folgenden Sorten ist im August besondere Vorsicht geboten — die Herkunftsangabe findet sich entweder auf dem Produkt selbst, beim Preisschild oder auf einem Schild an der Auslagekiste:
- Äpfel
- Birnen
- Kirschen
- Frühkartoffeln
- Knoblauch
- Paprika
- Pfifferlinge
- Süßkartoffeln
- Zwiebeln
Zwiebeln, Paprika, Knoblauch: Warum ausgerechnet diese Klassiker so oft von weit her kommen
Zwiebeln gelten als deutsches Grundnahrungsmittel, und doch kamen fast alle Exemplare in den besuchten Discountern aus Neuseeland, Mexiko oder Ägypten. Das überrascht, weil Zwiebeln in Deutschland durchaus angebaut werden — die Ernte liegt jedoch erst im Herbst vor. Bis dahin füllen Importware die Regale.
Ähnliches gilt für Knoblauch: Der stammt im deutschen Einzelhandel zu einem großen Teil aus China, das weltweit mehr als drei Viertel der gesamten Knoblauchproduktion verantwortet. Auch bei Paprika lohnt der Blick, denn obwohl deutsche Paprika-Ernten im August möglich sind, liefern Marokko und Spanien konstant günstige Ware, die viele Handelsketten bevorzugen.
Äpfel und Birnen: Wann heimische Sorten wirklich erhältlich sind
Äpfel aus Deutschland sind das ganze Jahr im Supermarkt präsent — aber zwischen April und August stammen die meisten aus Kühllagern oder aus Chile und Neuseeland. Der WWF weist darauf hin, dass Äpfel aus der Region nicht pauschal klimafreundlicher sind als importierte Früchte, weil die Kühllagerung deutscher Äpfel in den Sommermonaten sehr energieintensiv ist und die Klimabilanz sogar schlechter ausfallen kann als bei einem gut organisierten Seetransport. Vollständig umweltfreundlich ist der neuseeländische Apfel deshalb trotzdem nicht.
Im August haben konkret diese Sommersorten Saison: Weißer Klarapfel, James Grieve, Summerred und Pirus. Die länger lagerfähigen Herbst- und Wintersorten gibt es erst ab September. Heimische Birnen haben frühestens Mitte August Saison — alles davor kommt meist aus Argentinien oder Südafrika.
Trauben, Erdbeeren, Spargel: Diese 3 Sorten haben ihren Sommer hinter sich
Die Erdbeersaison in Deutschland läuft von Mai bis Juli. Was im August noch im Handel angeboten wird, ist fast ausnahmslos importiert. Beim Spargel ist die Lage noch klarer: Die heimische Saison endet am 24. Juni — Johannistag — und ist damit seit Wochen vorbei. Grüner Spargel im Supermarkt kommt derzeit oft aus Peru oder Mexiko und hat nichts mit der deutschen Ernte zu tun.
Trauben haben ihre heimische Saison erst im September. Derzeit kommen die meisten aus Ägypten und Marokko, was längere Transportwege und eine schlechtere Ökobilanz bedeutet. Selbst im September findet man deutsche Tafeltrauben im Supermarkt kaum — am ehesten auf dem Wochenmarkt, beim Biohändler oder in einer Biokiste regionaler Erzeuger.
Exotische Früchte im August: Was die schlechte Klimabilanz konkret bedeutet
Orangen und Kiwis sind im Winter eine wertvolle Vitaminquelle, weil europäische Anbaugebiete — Spanien, Portugal, Italien — dann ernten. Im August dagegen kommen Orangen häufig aus Südafrika, Kiwis aus Chile und Neuseeland. Der Transportweg beträgt dann nicht Hunderte, sondern Zehntausende Kilometer.
Mangos, Ananas und Avocados haben zu keiner Jahreszeit eine regionale Alternative. In den Sommermonaten, wenn heimische Früchte im Überfluss vorhanden sind, spricht wenig dafür, sie zu kaufen. Wer sie dennoch nicht missen möchte, findet in Crowdfarming-Modellen eine etwas bessere Option: Sammelbestellungen reduzieren Verpackung, verkürzen Lieferketten und ermöglichen direkten Kontakt zu den Erzeugern.
Was du im August stattdessen kaufen solltest: Das volle regionale Angebot
Wer sich an die Saison hält, muss im August auf gar nichts verzichten — das Gegenteil ist der Fall. Kein anderer Monat bietet in Deutschland eine solche Fülle an frischem, regionalem Obst und Gemüse. Himbeeren, Heidelbeeren, Stachelbeeren, Johannisbeeren und Brombeeren sind jetzt auf dem Höhepunkt ihrer Saison. Dazu kommen Kirschen, Pflaumen und Mirabellen, außerdem Tomaten, Gurken, Zucchini, Möhren, Auberginen, Blumenkohl, Bohnen und Erbsen.
Wer früh genug sucht, findet außerdem bereits erste Kürbisse, Frühäpfel und Frühkartoffeln aus regionalem Anbau — mit dem entscheidenden Unterschied, dass diese keine 20.000 Kilometer auf dem Buckel haben. Wer zusätzlich auf Bio-Zertifizierung achtet, schützt damit nicht nur Böden und Grundwasser, sondern auch die Menschen, die das Gemüse anbauen: Chemisch-synthetische Düngemittel und viele Pflanzenschutzmittel sind im ökologischen Landbau verboten.
Einen verlässlichen Überblick über alle Sorten, die in einem bestimmten Monat in Deutschland Saison haben, bieten gedruckte oder digitale Saisonkalender — wer einmal drin ist in der Logik der Erntezeiträume, braucht wenig Zeit, um am Regal die richtigen Entscheidungen zu treffen.



