Wärmepumpe kühlen: Wie passive und aktive Kühlung bis zu 3°C Unterschied machen

Ende Juli, 34 Grad draußen, die Wohnung hat sich seit dem Vormittag auf über 28 Grad aufgeheizt. Wer in diesem Moment an eine Klimaanlage denkt, liegt nahe – doch wer bereits eine Wärmepumpe besitzt oder gerade eine plant, übersieht möglicherweise eine Funktion, die ihm der Installateur nie erklärt hat.

Denn viele Wärmepumpen können im Sommer kühlen – manche sogar mit erstaunlich wenig Strom. Ob das bei der eigenen Anlage funktioniert, hängt von zwei entscheidenden Faktoren ab: der Art der Wärmepumpe und dem verbauten Heizsystem. Was dahintersteckt und wann eine klassische Klimaanlage doch die bessere Wahl ist, erklärt dieser Beitrag.

Wärmepumpe als Klimaanlage: Welche Voraussetzungen im Haus vorhanden sein müssen

Grundsätzlich können fast alle Wärmepumpen kühlen. Der entscheidende Unterschied liegt aber beim Heizsystem: Klassische Heizkörper scheiden aus. Um einen spürbaren Kühleffekt zu erzeugen, müsste das Wasser in ihnen so stark abgekühlt werden, dass die Feuchtigkeit aus der Raumluft kondensiert – der Heizkörper würde buchstäblich anfangen zu tropfen.

Was stattdessen gebraucht wird: großflächige Systeme wie Fußboden-, Wand- oder Deckenheizungen. Reinhard Loch, ehemaliger Leiter des Bereichs Energie bei der Verbraucherzentrale NRW, bringt es auf den Punkt: „Die Wärmepumpe kann man dann zum Kühlen einsetzen, wenn man große Flächen hat.” Nur über diese Flächen lässt sich kühles Wasser so sanft und gleichmäßig verteilen, dass sich die Raumtemperatur ohne Kondensationsprobleme senkt.

Passive Kühlung: Warum Erdwärmepumpen hier besonders günstig arbeiten

Den geringsten Stromverbrauch beim Kühlen erreichen Erdwärme- oder Grundwasserwärmepumpen. Diese Anlagen nutzen tiefe Bohrungen, um die relativ konstanten Temperaturen unter der Erdoberfläche anzuzapfen – im Winter holen sie Wärme herauf, im Sommer drehen sie den Kreislauf um und leiten Wärme aus den Wohnräumen in die Tiefe ab.

Bei dieser sogenannten passiven Kühlung läuft nicht die gesamte Wärmepumpe mit ihrem energieintensiven Verdichter. Loch beschreibt es so: Sie „setzt nur den Kreislauf in Gang zwischen kühlem Erdreich und dem warmen Raum” – dafür reicht eine kleine Umwälzpumpe mit geringem Strombedarf. Der Abkühleffekt ist etwas moderater als bei aktiver Kühlung oder einer klassischen Klimaanlage, dafür aber ausgesprochen kosteneffizient. In Wien läuft sogar ein Pilotprojekt, das mittels passiver Kühlung die Temperatur des Straßenasphalts senken will.

Aktive Kühlung: Was Luft-Wasser-Wärmepumpen leisten – und was sie kosten

Die heute am häufigsten eingebauten Wärmepumpen sind Luft-Wasser-Wärmepumpen. Sie können ebenfalls kühlen, benötigen dafür aber annähernd so viel Strom wie im Heizbetrieb im Winter. Der Grund: Bei der aktiven Kühlung läuft die gesamte Technik der Wärmepumpe – lediglich die Richtung des Wärmekreislaufs ist umgekehrt. Kühles Wasser wird durch die Rohre der Fußboden- oder Wandheizung geschickt und senkt so die Raumtemperatur.

Der Kühleffekt ist etwas stärker als bei passiver Kühlung, der Stromverbrauch aber merklich höher. Wer eine Photovoltaikanlage auf dem Dach hat, kann hier geschickt kombinieren: Im Sommer produziert die Solaranlage am meisten Strom – genau dann, wenn der Kühlbedarf am größten ist. So lässt sich der Eigenverbrauch erhöhen und die Betriebskosten drücken.

Ein wichtiger Hinweis aus der Praxis: Fachleute empfehlen bei aktiver Kühlung zwingend eine Taupunktüberwachung. Ohne sie kann sich durch Kondensation zu viel Feuchtigkeit bilden und Schimmelwachstum begünstigen.

Wann die klassische Split-Klimaanlage effizienter kühlt als die Wärmepumpe

Für bestimmte Situationen bleibt die klassische Split-Klimaanlage die effektivere Lösung. Sie entzieht der Raumluft direkt Wärme und gibt diese über ein Außengerät ab – ohne den Umweg über einen wasserführenden Heizkreis. Das macht sie zum schnelleren Kühlgerät. „Wenn es darum geht, einen Raum möglichst schnell und für einen bestimmten Zeitraum herunterzukühlen, sind klassische Klimaanlagen effektiver”, sagt Energieexperte Loch.

Allerdings hat die Split-Anlage auch klare Grenzen:

  • Sie kühlt in der Regel nur einen einzelnen Raum wirkungsvoll – Luft lässt sich nicht so gleichmäßig durch eine ganze Wohnung verteilen wie Wasser durch ein Leitungssystem.
  • In dicht bebauten Städten verstärkt sie den Hitzeinsel-Effekt, weil sie warme Abluft direkt an die Umgebung abgibt.
  • Sie kann vergleichsweise günstig nachgerüstet werden, braucht aber ebenfalls Strom – und im Winter heizt sie das Haus nicht mit.

Technisch gesehen ist auch eine Split-Klimaanlage eine Wärmepumpe – nämlich eine Luft-Luft-Wärmepumpe. Der Unterschied zur Luft-Wasser-Wärmepumpe liegt darin, dass kein Wasser als Wärmeträger dazwischengeschaltet ist, was das System beim reinen Kühlen effizienter macht.

Ohne Strom kühlen: Was vor jeder technischen Lösung kommt

Bevor Technik ins Spiel kommt, sollte man die kostenlosen Maßnahmen ausschöpfen. Tagsüber Rollläden, Fensterläden und Vorhänge geschlossen halten – außen liegende Beschattungen sind dabei wirksamer als innen liegende. Lüften nur am frühen Morgen, am späten Abend und nachts, wenn die Außentemperatur unter die Raumtemperatur fällt; sobald die Tageshitze einsetzt, Fenster lieber geschlossen lassen.

Reicht das nicht aus, sind energieeffiziente Ventilatoren die nächste Stufe: Sie brauchen deutlich weniger Strom als jede Klimaanlage und heizen die Außenluft nicht zusätzlich auf. Erst wenn auch das nicht mehr genügt, lohnt sich der Blick auf aktive Kühltechnik.

Loch fasst zusammen, was bei einer Neuinstallation zählt: „Wenn jemand eine neue Wärmepumpe einbaut, dann ist es sinnvoll, darauf zu achten, dass man eine Wärmepumpe wählt, die auch kühlen kann.” Wer das beim Kauf berücksichtigt, erspart sich später eine teure Zusatzinvestition in eine separate Klimaanlage.

Was beim Neubau und bei Sanierungen jetzt schon mitgedacht wird

Im Neubaubereich gehört die Wärmepumpe längst zum Standard – und damit rückt die Kühlfunktion automatisch ins Blickfeld von Planern und Bauherren. Loch geht davon aus, dass sich die Wärmepumpe mit Kühloption mittelfristig auch als ernsthafte Alternative zur klassischen Klimaanlage etablieren wird, besonders in gut gedämmten Gebäuden mit Flächenheizungen.

Ob sich bei einem Bestandsgebäude der Umstieg lohnt, hängt stark von Dämmstandard, vorhandenem Heizsystem und persönlichem Komfortanspruch ab – eine Beratung durch die zuständige Verbraucherzentrale im eigenen Bundesland kann hier eine erste belastbare Einschätzung liefern, bevor Handwerkerangebote eingeholt werden.

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