Wer sein Geld bei einer ethischen Bank anlegen möchte, beginnt meist mit dem Girokonto. Vier Anbieter empfiehlt Utopia.de ausdrücklich: die Smartphone-Banking-App Tomorrow, die GLS Bank, die EthikBank und die Umweltbank. Sie unterscheiden sich deutlich in Kosten, Funktionsumfang und Zielgruppe. Stand Juni 2026 hat Tomorrow seine Kontomodelle aktualisiert und bietet nun unter anderem Versicherungsschutz und Finanzbildung zu leicht erhöhten Preisen an.
Ein nachhaltiges Girokonto ist kein bloßes Lifestyle-Symbol: Das Geld auf dem Konto vergrößert das Investitionskapital der Bank. Je mehr Kundinnen und Kunden eine grüne Bank wählen, desto mehr Mittel stehen ihr für nachhaltige Kredite und Projekte zur Verfügung. Ethische Banken verpflichten sich vollständig auf ökologische und soziale Kriterien – anders als konventionelle Institute, die zwar gelegentlich mit CO2-Kompensation oder Karten aus Recyclingplastik werben, aber weiterhin ein breites Spektrum konventioneller Finanzprodukte anbieten.
Was nachhaltige Girokonten kosten – und wann sie sich lohnen
Nachhaltige Banken verlangen in der Regel Kontoführungsgebühren von etwa 5 bis 8 Euro pro Monat. Damit können sie mit den günstigsten deutschen Direktbanken, die kostenlose Konten anbieten, nicht mithalten. Im Vergleich zu klassischen Filialbanken und vielen Sparkassen sind die Preise jedoch oft ähnlich hoch oder sogar niedriger. Wer auf jegliche Gebühren verzichten möchte, findet bei Tomorrow unter bestimmten Bedingungen eine kostenlose Option.
Die in diesem Artikel genannten Jahreskosten setzen sich aus Kontoführungsgebühren sowie den Kosten für Debit- und Kreditkarte zusammen. Wer keine Kreditkarte benötigt, kann diese Kosten herausrechnen.
Tomorrow: Das nachhaltige Smartphone-Konto ab 0 Euro

Tomorrow ist keine eigenständige Bank, sondern nutzt die Banklizenz der Solaris Bank. Das Angebot umfasst drei Kontomodelle: Now, Change und Plus. Jedes Modell enthält eine kostenlose Visa-Debitkarte, die weltweite Zahlungen und Bargeldabhebungen ermöglicht. Eine Kreditkarte gibt es nicht. Der Zugang zum Konto ist ausschließlich über die Smartphone-App möglich.
Das Now-Konto ist das günstigste Modell. Wer unter 21 Jahre alt ist oder ein monatliches Einkommen von über 500 Euro nachweist, kann die Gebühren selbst bestimmen – auch 0 Euro sind möglich. Im Gegenzug sind Leistungen eingeschränkt: nur eine kostenlose Bargeldabhebung pro Monat im Inland und lediglich zwei Unterkonten.
- Tomorrow Now: ab 0 € pro Monat (0 bis 48 € im Jahr); 1 kostenlose Inlandsabhebung; 2 Unterkonten
- Tomorrow Change: 8,90 € pro Monat (106,80 € pro Jahr); 5 kostenlose Abhebungen; 6 Unterkonten; Gemeinschaftskonto möglich; Auslandsreise-Krankenversicherung, Notfall- und Ticketschutzversicherung; kostenloser Fondszugang; 1 Finanzbildungs-Webinar pro Quartal
- Tomorrow Plus: 17,90 € pro Monat (214,80 € pro Jahr); unbegrenzte kostenlose Abhebungen; unbegrenzte Unterkonten; ca. 5 € pro Monat für ein Impact-Projekt; umfangreiche Reise- und Handyversicherungen; bessere Zinsen auf das Tomorrow-Tagesgeld
Bargeld lässt sich weltweit an Automaten mit Visa-Symbol sowie in ausgewählten Geschäften (u. a. Rewe, Penny, dm, Rossmann) abheben und einzahlen. Apple Pay und Google Pay werden unterstützt. Weitere Produkte sind ein Tagesgeldkonto, ein Impact-Aktienfonds und Crowdinvestment. Filialen gibt es keine.
Für wen geeignet: Tomorrow ist die beste Wahl für alle, die ihren Zahlungsverkehr bevorzugt per Smartphone abwickeln. Wer Filialen, Online-Banking außerhalb einer App, Festgeld oder Fondssparpläne benötigt, stößt hier an Grenzen.
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GLS Bank: Höchste Nachhaltigkeitsstandards und bester Service

Die GLS Bank bietet das GLS Junge Konto für 18- bis 27-Jährige und das GLS Privatkonto für alle ab 28 Jahren. Alle Kundinnen und Kunden zahlen zusätzlich den GLS Beitrag – unabhängig davon, wie viele Produkte sie nutzen.
- GLS Konto (18–27 Jahre): GLS Beitrag 12 € pro Jahr; Kontoführung kostenlos; Girocard (Holz) 6 € pro Jahr; Kreditkarte 30 € pro Jahr; Grundkosten inkl. Kreditkarte: 48 € pro Jahr
- GLS Konto (ab 28 Jahren): GLS Beitrag 60 € pro Jahr; Kontoführung 3,80 € pro Monat; Girocard (Holz) 15 € pro Jahr; Kreditkarte 30 € pro Jahr; Grundkosten inkl. Kreditkarte: 150,60 € pro Jahr
Zur Wahl stehen eine Visa BasicCard, eine MasterCard sowie eine Mastercard Gold für 81 statt 30 Euro pro Jahr. Wer Mitglied der GLS Genossenschaft wird – Privatpersonen ab 28 Jahren erwerben dafür fünf Anteile à 100 Euro, unter 28-Jährige nur einen –, zahlt keine Karten-Gebühren mehr, die Mastercard Gold kostet als Mitglied nur 36 Euro pro Jahr, und es wird eine jährliche Dividende von bis zu 3 Prozent ausgeschüttet. Mitglieder haben zudem eine Stimme auf der Generalversammlung.
Filialen gibt es in Bochum, Berlin, Frankfurt, Freiburg, Hamburg, München und Stuttgart. Bargeld lässt sich kostenfrei an Automaten der Volks- und Raiffeisenbanken abheben. Apple Pay und mobiles Bezahlen per Android-App sind möglich. Das Produktangebot umfasst Tages- und Festgeld, Sparbriefe, nachhaltige Depots, Fonds, Anleihen, einen Robo-Advisor sowie Baufinanzierung und Bausparen.
Im Fair Finance Guide belegt die GLS Bank regelmäßig den ersten Platz unter den deutschen Banken. Das Deutsche Institut für Service-Qualität (DISQ) zeichnet sie seit Jahren als servicequalitätsstärkste Bank Deutschlands aus – nicht nur unter den nachhaltigen Anbietern.
Für wen geeignet: Die GLS Bank ist die beste Wahl für alle, die mehrere Finanzprodukte bei einer einzigen Bank bündeln möchten. Da der Mitgliedsbeitrag produktunabhängig anfällt, lohnt sich das Konto besonders dann, wenn zusätzlich Spar- oder Anlageprodukte genutzt werden.
EthikBank: Kostenloses Konto bis 27 Jahre, hohe Gebühren danach

Die EthikBank bietet ein Girokonto Start für 18- bis 27-Jährige sowie ein reguläres Girokonto ab 28 Jahren. Beide Varianten enthalten 25 Euro Startguthaben. Im ersten Jahr gelten günstigere Konditionen.
- Girokonto ab 28 Jahren: Kontoführung 2 € pro Monat im 1. Jahr, danach 8,50 € pro Monat; Girocard im 1. Jahr kostenlos, danach 15 € pro Jahr; Mastercard Classic im 1. Jahr kostenlos, danach 35 € pro Jahr (kostenlos ab 4.000 € Jahresumsatz); Grundkosten inkl. Kreditkarte: 24 € im 1. Jahr, danach 117 bis 152 € pro Jahr
- Girokonto Start (18–27 Jahre): Kontoführung kostenlos; Girocard kostenlos; Mastercard Classic 35 € pro Jahr (kostenlos ab 4.000 € Jahresumsatz); Grundkosten inkl. Kreditkarte: 35 € pro Jahr
Alternativ zur Mastercard Classic steht eine Mastercard Basic (Debitkarte auf Guthabenbasis, nutzbar wie eine Kreditkarte) zur Verfügung: im 1. Jahr und für unter 28-Jährige kostenlos, ab 28 Jahren und ab dem 2. Jahr 25 € pro Jahr. Eine Mastercard Gold kostet 85 € pro Jahr.
Die EthikBank ist eine reine Direktbank ohne Filialen. Bargeld lässt sich kostenfrei an Automaten der Volks- und Raiffeisenbanken abheben, im Ausland kostenfrei mit der Kreditkarte an Mastercard-Automaten. Einzahlungen sind gebührenpflichtig in Filialen der Reisebank möglich. Apple Pay und mobiles Bezahlen per Android (Pay App) werden unterstützt. Das Produktangebot umfasst unter anderem Tages- und Festgeld, Bausparen, nachhaltige Fonds, Öko-Kredite sowie Photovoltaik- und Tiny-House-Finanzierungen.
Für wen geeignet: Die EthikBank bietet die attraktivsten Konditionen für Kundinnen und Kunden bis 27 Jahre – sie zahlen keine Kontoführungsgebühren. Ab 28 Jahren steigen die Kosten deutlich an. Die günstigen Einstiegskonditionen für Neukunden im ersten Jahr sind ein Anreiz, sollten aber für eine langfristige Bankentscheidung nicht ausschlaggebend sein.
Umweltbank: Günstiges Gesamtpaket mit eigenem ETF

Die Umweltbank existiert seit 1994 und zählt zu den nachhaltigsten Banken Deutschlands. Lange bot sie kein Girokonto an. Seit Sommer 2025 ist das mit dem Umwelt-Giro anders.
- Umwelt-Giro: Kontoführung 4,90 € pro Monat (gebührenfrei in den ersten 12 Monaten); Girocard 9 € pro Jahr (gebührenfrei bis Ende 2026); Kreditkarte ab 19 € pro Jahr (standardmäßig 49 €, umsatzabhängige Rückerstattung von bis zu 30 €; gebührenfrei in den ersten 12 Monaten); Grundkosten inkl. Kreditkarte: ab 86,80 € pro Jahr
Zur Kontoeröffnung gibt es eine Startprämie: 100 Euro für den Kunden sowie 50 Euro, die die Umweltbank an den Naturschutzbund Deutschland (NABU) für die Renaturierung von Flüssen spendet.
Bargeld mit der Girocard kostet an Automaten des Girocard-Servicenetzes Gebühren; in ausgewählten Geschäften (z. B. Rewe, Edeka, dm, Tegut) ist es bei einem Einkauf ab 10 Euro kostenlos. Mit der Kreditkarte sind Abhebungen in Deutschland, der EU und dem Europäischen Wirtschaftsraum unbegrenzt kostenlos; außerhalb fallen 1,50 Prozent des Umsatzes an. Einzahlungen sind gebührenpflichtig in Filialen der Reisebank möglich. Filialen gibt es keine. Apple Pay und mobiles Bezahlen per Android-App werden unterstützt. Das Produktangebot umfasst Tages- und Festgeld, Depot, Fonds sowie den hauseigenen Umweltbank-ETF und Windkraft-Anleihen.
Für wen geeignet: Die Umweltbank bietet ein kostengünstiges Gesamtpaket aus Girokonto, Sparkonten und Depot inklusive eigenem ETF – als einzige nachhaltige Bank mit diesem Angebot. Wer regelmäßig Bargeld benötigt, muss mit Gebühren rechnen, insbesondere außerhalb der EU.
Welches grüne Girokonto passt zu wem
Alle vier Anbieter zählen zu den nachhaltigsten Banken Deutschlands und unterscheiden sich vor allem in Preis, Funktionsumfang und Zielgruppe:
- Tomorrow ist das einzige nachhaltige Girokonto, das kostenlos geführt werden kann. Als reine Smartphone-App mit eingeschränktem Funktionsumfang eignet es sich am besten für digital-affine Nutzerinnen und Nutzer ohne Filialwunsch.
- GLS Bank bietet das stärkste Gesamtpaket: höchste Nachhaltigkeitsbewertung, beste Servicequalität und die größte Produktvielfalt. Die Gebühren sind entsprechend höher; Rabatte gibt es für unter 28-Jährige und Genossenschaftsmitglieder.
- EthikBank glänzt mit kostenlosen Konditionen für unter 27-Jährige und eignet sich besonders für Studierende und Auszubildende. Ab 28 Jahren steigen die Kosten stark an.
- Umweltbank punktet mit günstigem Gesamtpreis und dem einzigen hauseigenen ETF einer deutschen Nachhaltigkeitsbank – für Bargeld-intensive Nutzerinnen und Nutzer aber weniger geeignet.
Triodos Bank scheidet als Option aus, da sie ihr Deutschlandgeschäft bis 2027 einstellt. Die Pax-Bank für Kirche und Caritas, die 2025 aus der Fusion von Pax-Bank und Bank für Kirche und Diakonie hervorging, ordnet Utopia.de zwar weiterhin als nachhaltige Bank ein, spricht aber vorerst keine Empfehlung aus, da sie beim aktuellen Fair Finance Guide nicht berücksichtigt werden konnte.
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