Wer sein Geld bei einer ethischen Bank anlegt, verhindert, dass es in Rüstung, Atomkraft oder Nahrungsmittelspekulation fließt – und finanziert stattdessen erneuerbare Energien, soziale Projekte und nachhaltige Immobilien. Die vier empfehlenswertesten Anbieter für Deutschland sind die GLS Bank, die Ethikbank, die Umweltbank und die Banking-App Tomorrow.
Hinweis: Die Triodos Bank hat im September 2025 angekündigt, sich aus dem deutschen Markt zurückzuziehen. Bis 2027 soll das Bankgeschäft in Deutschland eingestellt werden. Ein neues Konto dort zu eröffnen ergibt daher keinen Sinn mehr. Wer noch ein Konto bei der Triodos Bank hat, sollte sich nach einer der unten genannten Alternativen umsehen.
Was ethische Banken von Sparkassen und Privatbanken unterscheidet
Große Privatbanken wie die Deutsche Bank, Commerzbank, ING-DiBa oder Unicredit stehen wegen Investitionen in Rüstung, Atom- und Kohlestrom sowie Verbindungen zu korrupten Regimes in der Kritik. Sparkassen, Volksbanken und Sparda-Banken gehen zwar oft verantwortungsvoller mit Kundengeldern um, zählen aber ebenfalls nicht zu den ethischen Banken: Soziale und ökologische Kriterien spielen bei ihren Finanzaktivitäten nur eine untergeordnete Rolle.

Ethische Banken arbeiten dagegen mit verbindlichen Positiv- und Ausschlusskriterien. Ausgeschlossen sind typischerweise Investitionen in Unternehmen, die Gewinne mit Gentechnik, Tierversuchen, Suchtmitteln, Kinderarbeit oder Menschenrechtsverletzungen erzielen. Darüber hinaus finanzieren sie gezielt erneuerbare Energien, sozial-ökologische Immobilienprojekte und ähnliche Vorhaben. Die genauen Kriterien veröffentlichen die Banken auf ihren Webseiten.
GLS Bank: Deutschlands größte nachhaltige Genossenschaftsbank
Die GLS Bank bezeichnet sich selbst als „Deutschlands größte nachhaltige Bank“ und hat ihren Sitz in Bochum, mit weiteren Filialen in Berlin, Frankfurt, Freiburg, Hamburg, München und Stuttgart. Rund 378.000 Kund:innen (davon 143.000 Mitglieder, Stand: Dezember 2024) nutzen ihre Dienste.
Das Girokonto kostet für Kund:innen ab 28 Jahren 3,80 Euro pro Monat, zuzüglich eines GLS-Beitrags von 5 Euro. Bargeld lässt sich an rund 15.000 Geldautomaten der Volks- und Raiffeisenbanken sowie vieler Sparda-Banken kostenlos abheben. Alle Einlagen sind über das Einlagensicherungssystem der Volks- und Raiffeisenbanken bis zu 100.000 Euro abgesichert.
Wer Anteile für mindestens 500 Euro zeichnet, wird GLS-Mitglied (unter 28 Jahren reichen 100 Euro). Mitglieder zahlen keine Jahresgebühren für Bank- und Kreditkarte, erhalten die Mastercard Gold zu günstigeren Konditionen und bekommen eine Dividende von bis zu 3 Prozent auf ihre Anteile.
Hinweis: Einige zivilgesellschaftliche Akteure werfen der GLS Bank derzeit Debanking vor – also den gezielten, politisch motivierten Ausschluss demokratischer Organisationen aus dem Finanzsystem. Diese Vorwürfe ändern nach Einschätzung der Redaktion nichts an der jahrzehntelangen Pionierarbeit der GLS Bank für nachhaltiges Banking in Deutschland. Die Vorgänge werden weiterhin kritisch beobachtet.
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Produkte: Girokonto, Sparanlagen, Wertpapiere, Altersvorsorge, Geschäftskonto (auch für gemeinnützige Organisationen und Stiftungen), Baufinanzierung, Crowdinvesting, Robo-Advisor.
Ethikbank: Die gläserne Direktbank mit strengen Anlagekriterien
Die Ethikbank gehört zur Volksbank Eisenberg eG und versteht sich als „ethisch-ökologische Direktbank“. Sie finanziert mit ihren Krediten ausschließlich ökologische und soziale Maßnahmen – etwa Passiv- und Energiesparhäuser, Tiny Houses, erneuerbare Energien, Elektromobilität und kulturelle Projekte.
Neukund:innen zahlen im ersten Jahr nur 2 Euro pro Monat (sogenannter Klimarabatt), die Gebühren für Girocard und Kreditkarte entfallen in diesem Zeitraum ebenfalls. Kostenlose Bargeldabhebungen sind an rund 15.000 Geldautomaten der deutschen Genossenschaftsbanken möglich. Alle Anleger:innen sind über die BVR Institutssicherung GmbH und die Sicherungseinrichtung des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken abgesichert.
Die Anlagekriterien der Ethikbank schließen Unternehmen und Staaten aus, die mit Waffenherstellung, Atomkraftwerken oder Kinderarbeit Gewinne erzielen. Zusätzlich müssen Positivkriterien erfüllt sein, darunter eine umfassende Umweltpolitik, die Einhaltung der Menschenrechte und die Förderung von Vielfalt und Gleichberechtigung. Die Ethikbank legt ihre Investitionen und Kredite vollständig offen und nennt sich deshalb selbst „gläserne Bank“.
Produkte: Girokonto, Tagesgeld, Investmentfonds, Depot, Baufinanzierung, Verbraucherkredite, Tiny-House-Kredit, Geschäftskredit, Geschäftskonto (auch für NGOs).
Umweltbank: Seit 2025 auch mit Girokonto
Die 1997 gegründete Umweltbank aus Nürnberg nennt sich „Deutschlands grüne Bank“ und richtet ihre Geschäftstätigkeit satzungsgemäß an den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen aus. Lange war sie eine reine Anlage- und Finanzierungsbank – seit 2025 bietet sie aber auch ein Girokonto an.
Seit ihrer Gründung hat die Umweltbank nach eigenen Angaben insgesamt über 25.000 ökologische und soziale Projekte finanziert (Stand: Juli 2025). Allein im Jahr 2023 habe sie 1,34 Millionen Tonnen CO2 vermieden und 500 Menschen mit bezahlbarem Wohnraum unterstützt. Als bislang einzige nachhaltige Bank bietet die Umweltbank zudem eigene ETFs an.
Produkte: Girokonto, Sparanlagen, Wertpapiere, Altersvorsorge, Finanzierungen, nachhaltiger ETF.
Tomorrow: Nachhaltige Banking-App für Smartphone-Nutzer:innen
Tomorrow ist streng genommen keine Bank, sondern ein Banking-Dienstleister, der seit 2018 existiert und im Juli 2024 rund 120.000 Kund:innen hatte. Die App richtet sich vor allem an eine jüngere Zielgruppe und ist ausschließlich über das Smartphone nutzbar.
Es gibt verschiedene Girokonto-Varianten für 0 bis 17 Euro pro Monat. Bei der günstigsten Variante kann man selbst entscheiden, ob man Kontoführungsgebühren zahlt – allerdings nur, wenn man ein monatliches Einkommen von über 500 Euro nachweist oder unter 21 Jahre alt ist. Wer keines dieser Kriterien erfüllt, zahlt den Standardpreis von 4 Euro monatlich.
Da Tomorrow ein FinTech-Unternehmen ist, arbeitet es mit der Solarisbank zusammen: Das Geld der Kund:innen wird von der Solarisbank verwahrt, Tomorrow betreibt die App. Tomorrow verpflichtet sich, das Geld ausschließlich in nachhaltige Branchen und Projekte zu finanzieren, und orientiert sich dabei an den Zielen für nachhaltige Entwicklung (SDGs) der Vereinten Nationen. Ein Teil der Gebühren aus Kartenzahlungen fließt in weltweite Klimaschutzprojekte.
Produkte: Drei Girokonto-Modelle mit Unterkonten, Tagesgeldkonto, nachhaltiger Aktienfonds, Crowdinvesting.
Bankwechsel: So funktioniert der Umstieg zur ethischen Bank
Seit 2016 verpflichtet das Zahlungskontengesetz Banken, Kund:innen beim Kontowechsel aktiv zu unterstützen. Alle empfohlenen ethischen Banken und Banking-Anbieter bieten einen Kontowechselservice an. Der Ablauf ist folgender:
- Du erteilst der neuen ethischen Bank den Auftrag zur Hilfe beim Kontowechsel.
- Die neue Bank fordert die notwendigen Daten (Daueraufträge, Lastschriftmandate, Überweisungen) bei der alten Bank an.
- Die alte Bank muss diese Daten innerhalb von fünf Tagen übermitteln.
- Die neue Bank übernimmt die Daten ins neue Girokonto und informiert relevante Dritte über den Wechsel.
- Die alte Bank schließt das bisherige Konto zum festgelegten Zeitpunkt und informiert ihrerseits über den Wechsel.
Wer aktuell noch ein Konto bei der Triodos Bank hat, sollte diesen Wechselprozess nutzen, um rechtzeitig vor der Schließung des deutschen Geschäfts bis 2027 zu einer der oben genannten Alternativen zu wechseln.
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