Hühnersuppe bei Erkältung: Was eine 2025er Studie mit 342 Teilnehmenden wirklich belegt

Hühnersuppe bei Erkältung: Was eine 2025er Studie mit 342 Teilnehmenden wirklich belegt

Es ist kurz nach Mittag, die Nase läuft ununterbrochen, der Hals brennt — und irgendwo im Hinterkopf meldet sich die Erinnerung an Omas dampfende Suppenschüssel. Der Gedanke, dass Hühnersuppe bei Erkältungen hilft, ist so tief in der Alltagskultur verankert, dass kaum jemand ihn ernsthaft hinterfragt. Doch was genau passiert dabei im Körper?

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Die ehrliche Antwort lautete lange: Man weiß es nicht genau. Laborstudien gaben zwar Hinweise auf entzündungshemmende Effekte, aber Belege am lebenden Menschen fehlten jahrzehntelang. Seit Anfang 2025 sieht das etwas anders aus — und die neuen Daten sind differenzierter, als viele Fans des Hausmittels hoffen dürften.

Entzündungshemmende Wirkung: Was das Labor schon 2000 zeigte

Den wissenschaftlichen Grundstein legte eine Laborstudie aus dem Jahr 2000, auf die die Stiftung Gesundheitswissen bis heute hinweist. Demnach könnte Hühnersuppe die sogenannten Neutrophile hemmen — eine Unterart weißer Blutkörperchen, die an Entzündungsprozessen beteiligt ist. Eine gedämpfte Neutrophilen-Aktivität könnte theoretisch Entzündungen abmildern.

Das Problem: Diese Ergebnisse stammen aus dem Reagenzglas, nicht aus dem menschlichen Körper. Zwischen einer Petrischale und einem erkälteten Menschen liegen Welten. Zudem macht die schiere Vielfalt der Zutaten — Hühnerfleisch mit verschiedenen Fettsäuren, Sellerie, Karotten, Porree — es schwierig, einzelne Wirkstoffe zu isolieren und zu untersuchen.

Die 2025er Übersichtsarbeit: 342 Teilnehmende, vier Studien, vorsichtiges Ergebnis

Eine im Jahr 2025 veröffentlichte Übersichtsarbeit hat erstmals systematisch vier Humanstudien zusammengefasst, die den Effekt von Hühnersuppe auf Atemwegserkrankungen untersucht haben. Insgesamt nahmen 342 Teilnehmende aus den USA und Asien teil. Die Studiendesigns sahen jeweils eine Gruppe vor, die mit Gemüse angereicherte Hühnersuppe aß, sowie eine Kontrollgruppe, die nur Wasser oder Tee trank.

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Die verwendeten Suppen enthielten neben Hühnerfleisch unter anderem Getreide wie geschälten Weizen und Reis, Hülsenfrüchte sowie Gemüse wie Karotten, Zwiebeln, Spinat und Rüben. Hinzu kamen Kräuter und Gewürze — darunter Petersilie, Koriander, Minze und Selleriesamen — denen entzündungshemmende und antioxidative Eigenschaften zugeschrieben werden.

Die Ergebnisse im Überblick:

  • Drei der vier Studien zeigten eine leichte Verringerung von Symptomen wie verstopfter Nase, Halsschmerzen und Husten.
  • Eine Studie wies eine Verkürzung der Krankheitsdauer um einen bis zweieinhalb Tage nach.
  • Zwei Studien dokumentierten eine messbare Senkung von Entzündungsmarkern im Blut.
  • Rückschlüsse auf krankheitsbedingte Fehlzeiten oder das allgemeine Wohlbefinden ließen die Studien nicht zu.

Die Forschenden schlussfolgern vorsichtig, dass Hühnersuppe zu einer leichten Linderung von Symptomen bei Atemwegserkrankungen beitragen kann. Gleichzeitig betonen sie, dass weitere, methodisch robustere Studien notwendig sind, bevor sich das Hausmittel wissenschaftlich endgültig bewerten lässt.

Welche Zutat wirkt? Das bleibt vorerst offen

Genau hier liegt die eigentliche Schwäche der bisherigen Forschung. Die untersuchten Suppen enthielten so viele verschiedene Komponenten, dass sich nicht sagen lässt, welche Zutat welchen Effekt auslöst. Ist es das Hühnerfleisch selbst? Die Kräuter? Die warme Flüssigkeit an sich?

Letzteres ist tatsächlich gut dokumentiert. Eine kleine, bereits 1978 veröffentlichte Studie zeigte, dass Hühnersuppe den Nasenschleim kurzfristig verflüssigen kann, sodass er besser abfließt — ein ähnlicher Effekt ließ sich aber auch mit heißem Wasser erzielen. Suppen regen zudem die Durchblutung des Gewebes an, was viele Erkältete als deutlich wohltuend empfinden.

Warme Flüssigkeit hilft — mit oder ohne Huhn

Wer kein Fleisch isst, muss auf den wärmenden Effekt nicht verzichten. Eine vegane Variante mit reichlich Gemüse, Kräutern und Gewürzen dürfte aufgrund ihrer hohen Temperatur und der pflanzlichen Inhaltsstoffe einen vergleichbaren wohltuenden Effekt haben. Der Schlüssel ist die Wärme und die Flüssigkeitszufuhr — beides hilft dabei, die Schleimhäute feucht zu halten und Sekret zu lösen.

Entscheidend ist also weniger, ob Huhn im Topf schwimmt, als dass überhaupt warm und ausreichend getrunken wird. Tee, Brühe oder eine kräftige Gemüsesuppe erfüllen diese Grundbedingung ebenfalls.

Was das Hausmittel kann — und was nicht

Hühnersuppe ersetzt keine ärztliche Behandlung bei schweren Infekten, sie verkürzt keine Erkältung auf Knopfdruck, und sie ist kein Ersatz für ausreichend Schlaf oder das Meiden weiterer Ansteckungsrisiken. Was sie leisten kann, ist bescheidener und gleichzeitig real: eine moderate Linderung einzelner Symptome, eine möglicherweise leicht verkürzte Krankheitsdauer und — ganz ohne wissenschaftlichen Beweis nötig — schlicht das Gefühl, gut versorgt zu sein.

Für die Stiftung Gesundheitswissen gilt weiterhin, dass der Beleg für eine klinisch relevante Wirkung beim Menschen noch aussteht. Die 2025er Übersichtsarbeit ist ein erster, ermutigender Schritt — aber eben nur ein erster.

Ob künftige Studien zeigen werden, welche Zutat den größten Anteil am Effekt hat, dürfte auch darüber entscheiden, ob das Hausmittel eines Tages medizinisch empfohlen wird oder ein wohltuendes Ritual ohne formale Zulassung bleibt.

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