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Quitte im Herbst: 6 Gründe, warum dieses Kernobst auf keinen Tisch fehlen sollte

Quitte im Herbst: 6 Gründe, warum dieses Kernobst auf keinen Tisch fehlen sollte

Ende September liegt auf manchen Wochenmärkten und in alten Obstgärten ein Duft in der Luft, der sich schwer beschreiben lässt: zitronig, warm, ein bisschen blumig. Er kommt von goldgelben Früchten, die mit einem feinen Flaum überzogen sind und aussehen wie eine Kreuzung aus Apfel und Birne. Die Quitte. Die meisten gehen achtlos daran vorbei — zu fremd, zu unbekannt, zu umständlich in der Verarbeitung.

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Dabei hat dieses Kernobst so viel mehr zu bieten, als sein etwas angestaubtes Image vermuten lässt. Es schmeckt nicht nur gut in der Herbstküche, sondern liefert Ballaststoffe, B-Vitamine und Kalium — und wird seit Jahrhunderten als Hausmittel geschätzt. Warum die Quitte eine Wiederentdeckung verdient und worauf du beim Umgang damit achten solltest, erfährst du hier.

Was die Quitte eigentlich ist — und wo du sie findest

Die Quitte gehört zur Familie der Rosengewächse und ist eng mit Äpfeln und Birnen verwandt. Je nach Form unterscheidet man zwei Grundtypen: die Birnenquitte und die Apfelquitte. Ursprünglich stammt sie aus dem östlichen Kaukasus und verbreitete sich von dort bis nach China und Griechenland, wo sie schon 650 n. Chr. unter dem Namen „mala cydonia“ — Apfel aus der kretischen Stadt Kydon — kultiviert wurde.

In Deutschland ist sie seit Jahrhunderten heimisch, wächst aber heute vor allem noch auf Streuobstwiesen und in alten Obstgärten. Der kommerzielle Anbau spielt kaum eine Rolle: Laut der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau wurden 2017 bundesweit gerade einmal auf 90 Hektar Quitten angebaut — eine Fläche, die seit dem Zweiten Weltkrieg und der deutschen Wiedervereinigung kontinuierlich geschrumpft ist. Im Supermarkt ist die Quitte deshalb eine Rarität. Wochenmärkte und Hofläden bieten bessere Chancen. Wer regional und kostenlos ernten möchte, wird über das Online-Portal Mundraub fündig. Die Saison läuft von Ende September bis Anfang November.

Süß, säuerlich, vielseitig: Was du mit Quitten in der Küche anfangen kannst

Roh ist die Quitte kein Genuss. Ihr Fruchtfleisch ist hart, fast holzig, der Geschmack herb und bitter. Sobald sie aber gekocht, gedämpft oder gebacken wird, verwandelt sie sich: Das Fruchtfleisch wird weich und saftig, der Geschmack mild und aromatisch süß-säuerlich. Vor der Verarbeitung reibst du den Flaum von der Schale, entfernst das Kerngehäuse und schälst die Frucht — dann lässt sie sich ähnlich wie Äpfel oder Birnen verwenden.

Klassische Zubereitungen sind Quittengelee, Marmelade, Konfitüre, Kompott, Mus, Saft und das traditionelle Quittenbrot. Ehrlich gesagt unterschätzen viele das herzhafte Potenzial der Frucht: Als Chutney zu Käse oder als Beigabe zu Schmorgerichten entfaltet ihr Aroma eine ganz andere Tiefe. Besonders gut harmoniert sie mit Thymian, Zitronenmelisse oder Lavendel.

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Kalorienarm und nährstoffreich: Was in der Quitte steckt

Zu über 80 Prozent besteht die Quitte aus Wasser — sie ist deshalb von Natur aus kalorienarm. Wie kalorienreich ein Gericht mit Quitten letztlich wird, hängt naturgemäß von der Zubereitung ab: Ein stark gezuckertes Gelee ist deutlich gehaltvoller als ein leicht gesüßtes Kompott.

Laut dem Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) enthalten Quitten mehr Vitamin C als Äpfel. Da die Frucht jedoch erhitzt werden muss, wird ein Großteil dieses hitzeempfindlichen Vitamins zerstört. Was bleibt, ist trotzdem beachtlich: Die Quitte liefert B-Vitamine, den Mineralstoff Kalium und ist ein guter Ballaststofflieferant — alles Nährstoffe, die in einer ausgewogenen Ernährung gefragt sind.

Die Quitte als Hausmittel: Was die Volksheilkunde seit Jahrhunderten weiß

Lange galt die Quitte als „Apotheke für arm und reich“. Tatsächlich wurden alle Teile der Pflanze genutzt: Schale, Fruchtfleisch, Blätter und Samen. Quittentee wird traditionell gegen ein breites Spektrum von Beschwerden eingesetzt:

  • Unruhe und Schlaflosigkeit
  • Halsschmerzen, Heiserkeit und Husten
  • Spröde Haut und Hautentzündungen
  • Magenbeschwerden und Verdauungsprobleme
  • Blähungen und Durchfall
  • Periodenkrämpfe

Für den Tee werden Samen, frische oder getrocknete Blätter oder Teile des Fruchtfleischs aufgekocht. Er kann getrunken, aber auch äußerlich wie eine Salbe angewendet werden. Kocht man die Quittensamen länger als fünf Minuten, bildet sich ein Quittenschleim, den man absieben und etwa auf schlecht heilende Wunden auftragen kann.

Wichtig: Die Samen dürfen niemals gekaut, zerdrückt oder zerkleinert werden — dabei wird giftige Blausäure freigesetzt, die laut Verbraucherzentrale zu Vergiftungserscheinungen wie Atemnot, Pupillenerweiterung und Krämpfen führen kann. Bei Vergiftungsverdacht sofort ärztlichen Rat einholen oder die Giftnotruf-Zentrale kontaktieren.

Was die Wissenschaft bisher über die Heilwirkung der Quitte sagt

Die Volksheilkunde hat ihren Ruf nicht ganz zu Unrecht. Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2023 beschreibt für die Quitte potenziell gesundheitsfördernde Eigenschaften, darunter antioxidative, entzündungshemmende, antimikrobielle, antiallergische, blutzuckersenkende und magenschützende Wirkungen. Eine iranische Studie an Kaninchen zeigte außerdem, dass Quittenblattextrakt das Fortschreiten von Arteriosklerose in den Herzkranzgefäßen verringern und Blutfettwerte — darunter Gesamtcholesterin, Triglyceride und LDL-Cholesterin — senken konnte. Die Wirkung war vergleichbar mit dem Cholesterinsenker Atorvastatin.

Ein wissenschaftlicher Artikel aus dem Jahr 2024 beschreibt darüber hinaus, dass Quittensamenschleim antibakterielle Eigenschaften besitzen und die Wundheilung unterstützen könnte. Die entscheidende Einschränkung gilt jedoch für alle diese Befunde: Die meisten Ergebnisse stammen aus Tier- oder Laborstudien. Ob Quitten beim Menschen dieselben Wirkungen entfalten, ist bislang nicht ausreichend untersucht.

Die Risiken nicht vergessen: Was bei der Zubereitung unbedingt zu beachten ist

So überzeugend die Argumente für die Quitte sind — es gibt einen Punkt, der Sorgfalt erfordert. Vor dem Essen müssen die Kerne vollständig und unbeschädigt entfernt werden. Werden sie beim Kauen oder Zerkleinern beschädigt, setzt das gebundene Blausäure frei. Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass Blausäure im schlimmsten Fall tödlich wirken kann.

Wer die Quitte als Hausmittel nutzen möchte — etwa als Quittenschleim für die Wundheilung — kann die Samen zwar aufkochen, aber nicht zerdrücken oder kauen. Solange du diese Regel im Kopf behältst, ist die Quitte ein unkompliziertes, regionales Herbstlebensmittel, das wenig Aufwand erfordert und viel zurückgibt.

Wer jetzt Appetit bekommen hat und keinen Wochenmarkt in der Nähe hat, findet Bio-Quittengelee auch in gut sortierten Naturkostläden — und damit zumindest einen ersten Einstieg in das goldgelbe Herbstfruchtaroma, bevor die Saison Anfang November wieder endet.

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