Saisonkauf im August: 9 Lebensmittel, die du jetzt besser nicht kaufst

Du stehst vor dem Obststand im Supermarkt, der Korb liegt bereit, und ringsum leuchtet es in allen Farben: rote Paprika, goldgelbe Trauben, glänzende Äpfel. August, Hochsommer — da hat doch alles Saison, oder? Der Griff zur Tüte geht fast automatisch.

Was das kleine Herkunftsschildchen verrät, liest kaum jemand. Dabei stehen dort Länder, die weiter weg sind als der nächste Urlaub: Marokko, Ägypten, Neuseeland, Chile. Welche Produkte du im August wirklich meiden solltest — und was du stattdessen bedenkenlos in den Einkaufskorb legen kannst — zeigt dieser Überblick.

Was Supermarktregale im August wirklich verstecken

Eine Stichprobe in verschiedenen deutschen Supermärkten und Discountern förderte Überraschendes zutage: Paprika aus Marokko, Weintrauben aus Ägypten, Bio-Kiwis und Bio-Birnen aus Argentinien sowie konventionelle Birnen aus Südafrika. In der Gemüseabteilung gesellten sich Pfifferlinge aus Litauen, Kartoffeln aus Israel, Süßkartoffeln aus den USA und Knoblauch aus China dazu.

Besonders auffällig: Fast alle Zwiebeln in den Discountern stammten aus Neuseeland, Mexiko oder Ägypten — obwohl Deutschland im August längst eigene Zwiebeln erntet. Lediglich bei Äpfeln lässt sich der Import aus Chile oder Neuseeland noch erklären: Heimische Lagersorten sind erst ab September erhältlich.

Diese 9 Sorten kommen im August oft von weit her

In der Obst- und Gemüseabteilung lohnt es sich immer, kurz auf das Herkunftsschild zu schauen — entweder direkt auf der Verpackung, beim Preisetikett oder an der Obstkiste. Bei diesen Sorten ist im August besondere Vorsicht geboten:

  • Äpfel (Lagersorten aus Übersee)
  • Birnen (frühestens ab Mitte August regional)
  • Weintrauben (deutsche Saison erst im September)
  • Kirschen (Saison endet Juli)
  • Frühkartoffeln und Zwiebeln (oft trotzdem importiert)
  • Knoblauch (überwiegend aus China)
  • Paprika (häufig aus Marokko oder Spanien)
  • Pfifferlinge (vielfach aus Osteuropa)
  • Süßkartoffeln (Hauptlieferant: USA)

Erdbeeren im August und Spargel nach Juni: Warum das ein Warnsignal ist

Die Erdbeersaison in Deutschland dauert von Mai bis Juli. Wer im August noch Erdbeeren kauft, greift fast sicher zu importierter Ware — oft aus Marokko oder Spanien, die per Lkw über tausende Kilometer transportiert wurde. Beim Spargel ist die Lage ähnlich eindeutig: Die heimische Saison endet traditionell am 24. Juni. Grüner Spargel liegt zwar ganzjährig in den Regalen, stammt aber nach dem Johannistag in der Regel aus dem Ausland.

Beide Produkte sind typische Frühjahrssorten, die durch ihren Anbau und Transport außerhalb der Saison eine deutlich schlechtere Klimabilanz aufweisen als regionale Alternativen.

Der Apfel-Mythos: Warum regional nicht automatisch klimafreundlicher ist

Äpfel aus Deutschland gibt es das ganze Jahr im Handel — aber nicht immer frisch geerntet. Der WWF weist ausdrücklich darauf hin: „Äpfel aus der Region sind allerdings nicht pauschal klimafreundlicher als zum Beispiel Äpfel aus Neuseeland.” Der Grund liegt in der energieintensiven Kühllagerung, die gebrauchte Äpfel in den Sommermonaten durchlaufen müssen. Die Klimabilanz eines monatelang gekühlten deutschen Apfels kann dann schlechter ausfallen als die eines frisch eingeflogenen Übersee-Exemplars. „Umweltfreundlich ist der Apfel aus Neuseeland deshalb aber noch lange nicht”, schränkt der WWF ein.

Im August haben folgende Sommerapfelsorten tatsächlich frische Saison: Weißer Klarapfel, James Grieve, Summerred und Pirus. Die klassischen Lagersorten — Elstar, Jonagold, Boskoop — folgen erst im September. Heimische Birnen sind frühestens ab Mitte August regional erhältlich.

Weintrauben und Exoten: Bis September warten, auf Mangos ganz verzichten

Trauben gelten vielen als typisches Sommerobst — tatsächlich beginnt die deutsche Traubensaison erst im September. Im August stammt das Angebot in den Supermärkten fast ausschließlich aus Ägypten oder Marokko, mit entsprechend langen Transportwegen. Selbst im September findet sich kaum eine heimische Tafeltraube: Der Großteil der deutschen Weintrauben wird zu Saft oder Wein verarbeitet, nicht als Tafelware verkauft.

Bei Orangen und Kiwis sieht es ähnlich aus: Im Sommer kommen Orangen vorwiegend aus Südafrika, Kiwis aus Chile oder Neuseeland. Im Winter, wenn keine regionalen Früchte verfügbar sind, sind sie eine wertvolle Vitaminquelle — jetzt sind sie verzichtbar. Mangos, Ananas und Avocados sind saisonal und regional nie verfügbar; in der Hochsommersaison spricht wenig dafür, auf sie zurückzugreifen.

Was du im August stattdessen unbedingt kaufen solltest

Der August ist tatsächlich der stärkste Monat für regionales Obst und Gemüse. Die Auswahl ist so groß wie in kaum einem anderen Monat:

Beeren haben Hochsaison: Himbeeren, Heidelbeeren, Johannisbeeren, Stachelbeeren und Brombeeren sind jetzt regional und frisch. Kirschen, Pflaumen, Mirabellen und Zwetschgen kommen hinzu. Beim Gemüse sind Tomaten, Gurken, Zucchini, Möhren, Auberginen, Blumenkohl, Bohnen und Erbsen aus heimischem Anbau problemlos zu finden. Wer früh sucht, findet bereits die ersten Kürbisse, Frühäpfel und Frühkartoffeln aus Deutschland. Beim Einkauf auf dem Wochenmarkt oder im Bioladen lässt sich die Herkunft meist direkt beim Erzeuger erfragen — und das macht den Unterschied zwischen 15.000 Transportkilometern und 15.

Wer Bio kauft, tut noch etwas Weiteres: In der ökologischen Landwirtschaft sind chemisch-synthetische Pestizide und Düngemittel verboten, was Böden, Wasserqualität und Erntepersonal gleichermaßen schützt.

Die einfachste Regel für den Augusteinkauf

Herkunft prüfen kostet fünf Sekunden. Ein Blick auf das Schildchen an der Obstkiste, auf die Rückseite der Verpackung oder das Preisschild — das reicht, um zu entscheiden, ob ein Produkt aus Bayern stammt oder 14.000 Kilometer zurückgelegt hat. Saisonal einzukaufen ist kein Verzicht, sondern schlicht der Einkauf zur richtigen Zeit: Im August ist die Auswahl regionaler Produkte so groß, dass man weder auf Geschmack noch auf Vielfalt verzichten muss.

Wer den Überblick dauerhaft behalten will, dem hilft ein gedruckter Saisonkalender — aufgehängt in der Küche entscheidet er schon vor dem Einkauf, was in den Korb kommt und was besser noch ein paar Wochen wartet.

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