Du räumst die Jacke aus, die seit dem letzten Winter im Schrank hing, und plötzlich fällt ein verknitterter Pfandbon auf den Boden. Ausgestellt vor Monaten, vielleicht sogar vor über einem Jahr. Der erste Gedanke: längst abgelaufen und wertlos. Der zweite, einen Moment später: oder doch nicht?
Pfandbons verschwinden in Geldbeuteln, Jackentaschen und Schubladen — und werden dort oft monatelang vergessen. Ob du das Geld trotzdem noch bekommst, hängt von drei Faktoren ab, die die meisten Menschen nicht kennen.
Wie lange gilt ein Pfandbon wirklich: Die 3-Jahres-Regel des BGB
Die gute Nachricht zuerst: Ein Pfandbon verfällt nicht nach wenigen Wochen. Laut den Paragrafen 195 und 199 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) gilt für Pfandbons dieselbe Verjährungsfrist wie für Gutscheine — drei Jahre ab dem Ende des Ausstellungsjahres. Das ist eine gesetzlich verankerte Frist, die für alle Discounter und Supermärkte in Deutschland verbindlich gilt: für Aldi, Lidl, Rewe, Edeka und alle anderen.
Konkret bedeutet das: Ein Pfandbon, der am 30. Mai 2023 ausgestellt wurde, läuft erst am 31. Dezember 2026 ab. Wer also einen alten Bon findet, sollte kurz nachrechnen, bevor er ihn wegwirft. Oft ist noch mehr Zeit als gedacht.
Aldi, Lidl, Rewe: Warum du den Bon nur in einer einzigen Filiale einlösen kannst
Hier liegt die erste Falle, in die viele tappen. Selbst wenn der Pfandbon noch gültig ist, kannst du ihn ausschließlich in der Filiale einlösen, in der er ausgestellt wurde — und zwar in keiner anderen, auch nicht in einer anderen Filiale derselben Kette.
Der Grund ist technischer Natur: Der Pfandautomat erzeugt beim Ausstellen des Bons einen Datensatz, der direkt mit der Kasse dieser einen Filiale verknüpft ist. Andere Filialen haben auf diese Daten keinen Zugriff und können die Echtheit des Bons deshalb nicht prüfen. Manche Märkte nehmen einen Fremdbon aus Kulanz trotzdem an — ein rechtlicher Anspruch darauf besteht jedoch nicht.
Thermopapier altert schnell: Wann dein Bon trotz gültiger Frist wertlos wird
Die zweite und häufig übersehene Falle ist der Zustand des Bons. Fast alle Pfandbons werden auf Thermopapier gedruckt, das empfindlich auf Wärme, Licht und Feuchtigkeit reagiert. Schon nach wenigen Monaten in der Hosentasche oder auf einer sonnigen Fensterbank kann der Aufdruck so stark ausbleichen, dass Strichcode und Betrag nicht mehr lesbar sind.
Ein mitgewaschener Pfandbon ist in den meisten Fällen verloren. Ohne lesbaren Strichcode kann die Kasse den Bon nicht mit der Filialdatenbank abgleichen — und eine Auszahlung ist damit praktisch ausgeschlossen. Der physische Zustand des Bons entscheidet also genauso über seine Einlösbarkeit wie das Ablaufdatum.
Was tun, wenn die Filiale einen gültigen Bon ablehnt
Ist der Bon noch lesbar, die Frist nicht abgelaufen und wurde er in der richtigen Filiale abgegeben — und die Kasse verweigert trotzdem die Annahme? Dann hast du klare Rechte. Die Filiale ist in diesem Fall verpflichtet, den Bon einzulösen.
Als erster Schritt empfiehlt sich das direkte Gespräch mit der Filialleitung. Oft klärt sich die Situation unkompliziert. Hilft das nicht, gibt es zwei weitere Wege:
- Kontakt zum Kundenservice der jeweiligen Supermarktkette aufnehmen und den Vorfall schildern
- Die Verbraucherzentrale einschalten, die kostenlose Erstberatung zu Verbraucherrechten anbietet
So bewahrst du Pfandbons richtig auf und verlierst kein Geld mehr
Der beste Schutz gegen ausgeblichene oder verlegte Bons ist eine feste Routine. Wer den Pfandbon direkt nach dem Einkauf an einem kühlen, lichtgeschützten Ort aufbewahrt — etwa in einem Umschlag in der Küchenschublade oder im Innenfach der Einkaufstasche — verlängert die Lesbarkeit des Thermopapiers deutlich.
Noch besser: den Bon beim nächsten Einkauf in derselben Filiale sofort mitbringen und an der Kasse abgeben, anstatt ihn auf eine separate Rückgabe zu vertagen. Wer sehr selten in die gleiche Filiale geht, sollte sich zumindest den Filialnamen und das Ausstellungsdatum notieren — beides steht auf dem Bon — damit beim Wiederfinden klar ist, wohin er gehört.
Ein beschädigter Bon ist eine Sache; eine verbeulte oder eingedrückte Flasche eine andere: Viele Supermärkte nehmen beschädigte Einwegflaschen und Dosen auch dann zurück, wenn der Pfandautomat sie ablehnt — das ist ein gesonderter Anspruch, der unabhängig vom Bonthema gilt.
Das Datum auf deinem alten Pfandbon bestimmt, ob du heute noch Geld bekommst
Bevor du den nächsten alten Bon wegwirfst, lohnt sich ein kurzer Blick auf das Datum: Alles ab dem 1. Januar 2024 läuft frühestens am 31. Dezember 2026 ab; ein Bon vom Dezember 2022 war hingegen bereits zum Jahresende 2025 verfallen. Die 3-Jahres-Frist beginnt immer am 31. Dezember des Ausstellungsjahres — nicht am genauen Datum auf dem Bon.
Wer diese Rechnung kennt, gibt keinen gültigen Bon mehr versehentlich in den Müll.



