Im Herbst und Winter bei offenem oder gekipptem Fenster zu schlafen ist nicht grundsätzlich ungesund. Ob es sinnvoll ist, hängt von der Schlafzimmertemperatur, Zugluft, Luftfeuchtigkeit, Lärm und der persönlichen Wohnsituation ab.
Diese Vorteile hat nächtliches Lüften
Frische Luft strömt die ganze Nacht ins Zimmer, wenn das Fenster offen bleibt. Dadurch sinkt der CO2-Gehalt der Raumluft – ein zu hoher CO2-Gehalt kann laut Verbraucherzentrale zu Kopfschmerzen beim Aufwachen führen.
Außerdem gibt ein Mensch pro Nacht bis zu einem halben Liter Wasser ab. Schlafen mehrere Personen in einem Raum, kann ein gekipptes Fenster helfen, die Feuchtigkeit im Zimmer zu senken. Im Sommer kommt hinzu, dass die kühle Nachtluft überhitzte Räume abkühlt.
Wer nachts nicht bei offenem Fenster schlafen möchte, kann das Schlafzimmer stattdessen gründlich vor dem Zubettgehen und direkt nach dem Aufstehen stoßlüften.
Die Nachteile im Herbst und Winter
Wird ein Zimmer die ganze Nacht belüftet und gleichzeitig geheizt, geht dabei viel Energie verloren. Läuft die Heizung bei geöffnetem Fenster, sollte der Heizkörper heruntergedreht oder abgestellt werden – sonst wird ein Teil der Heizwärme direkt nach draußen abgegeben.
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Wird nicht geheizt, kann das Zimmer so stark auskühlen, dass man friert. In diesem Fall ist kurzes Stoßlüften vor dem Einschlafen die sinnvollere Lösung als Dauerlüften.
Wer im Sommer bei offenem Fenster schläft, sollte beachten: Allergiker sollten das Fenster bei starkem Pollenflug geschlossen halten.
Kann ein offenes Fenster Schimmel begünstigen?
Ein offenes Fenster verursacht nicht automatisch Schimmel. Problematisch wird es, wenn das Schlafzimmer über viele Stunden stark auskühlt und sich an kalten Bauteilen Feuchtigkeit sammelt. Besonders gefährdet sind schlecht gedämmte Außenwände, Fensterlaibungen, Rollladenkästen und Raumecken.
Die Verbraucherzentrale empfiehlt, die relative Luftfeuchtigkeit mit einem Thermo-Hygrometer zu kontrollieren. Sie sollte 60 Prozent möglichst nicht dauerhaft überschreiten. Große Möbel sollten in schlecht gedämmten Wohnungen nicht direkt an Außenwänden stehen, damit die Wand ausreichend von der Raumluft erwärmt wird.
Beschlagene Fensterscheiben, feuchte Stellen an Außenwänden oder ein muffiger Geruch können auf zu viel Feuchtigkeit hinweisen. In diesem Fall hilft kein längeres Kipplüften, sondern gezieltes Stoßlüften – und eine Prüfung der Feuchtigkeitsursache.
Straßenlärm als unterschätzter Risikofaktor
Wer an einer viel befahrenen Straße wohnt, sollte bedenken, dass Lärm durch ein gekipptes Fenster ungehindert eindringen kann. Die WHO weist in ihren Lärm-Richtlinien darauf hin, dass ein hoher Geräuschpegel nachts den Schlaf beeinträchtigen kann. Tagsüber bringt die Organisation Lärm unter anderem mit erhöhten Risiken für Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung.
Eine 2020 veröffentlichte Studie der Johannes Gutenberg-Universität Mainz kam zu dem Ergebnis, dass nächtlicher Verkehrslärm einen negativen Einfluss auf Wohlbefinden und Gesundheit hat. Wer durch Außengeräusche regelmäßig aufwacht, schläft mit geschlossenem Fenster wahrscheinlich besser – und lüftet dafür morgens und abends.
Welche Temperatur ist im Schlafzimmer sinnvoll?
Die Energieberatung der Verbraucherzentrale empfiehlt 18 Grad Celsius im Schlafzimmer für einen angenehmen Schlaf. Nachts oder bei Abwesenheit könne die Temperatur weiter gesenkt werden.
Das ist jedoch nur ein grober Richtwert. Welche Temperatur als angenehm empfunden wird, hängt auch von der verwendeten Bettwäsche und der Schlafbekleidung ab. Entscheidender als eine feste Gradzahl ist, ob du nachts weder frierst noch schwitzt. Wachst du wegen kalter Füße, Zugluft oder einer ausgekühlten Decke auf, solltest du das Fenster schließen oder nur kurz vor dem Einschlafen lüften.
Zwei Ausnahmen, bei denen das Fenster besser geschlossen bleibt
- Sturm und starker Regen: Ein geschlossenes Fenster verhindert, dass Feuchtigkeit in die Wohnung gelangt oder das Fenster durch den Wind plötzlich zuschlägt.
- Babys und Kleinkinder: Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit empfiehlt für Babys eine Raumtemperatur von etwa 18 Grad Celsius und kurzes Lüften für wenige Minuten bei vollständig geöffnetem Fenster. Das Bett sollte nicht direkt im Luftzug oder unmittelbar am offenen Fenster stehen. Dauerlüften bei gekipptem Fenster kann bei Babyzimmern Schimmel begünstigen; kurzes Stoßlüften ist in der Regel die bessere Wahl.
Eine pauschale Empfehlung für oder gegen das Schlafen bei offenem Fenster gibt es nicht – weder für eine bestimmte Jahreszeit noch für alle Menschen. Solange du nachts nicht frierst und kein Lärm deinen Schlaf stört, spricht grundsätzlich nichts dagegen, auch im Herbst und Winter das Fenster offen zu lassen.
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