Du erntest gerade die letzten Zucchini, die Tomatenpflanzen hängen schwer, und an einer Ecke des Beets hat sich eine Lücke aufgetan, wo der Salat schon längst gerupft wurde. Genau diese Lücke ist kein Problem — sie ist eine Chance.
Der August ist der letzte ernsthafte Aussaatmonat des Jahres. Wer jetzt zögert, schaut im Oktober auf leere Beete. Doch welche Sorten schaffen es tatsächlich noch bis zur Ernte, bevor der erste Frost kommt — und was läuft sich selbst bei mildem Herbst tot?
Warum der August die letzte echte Aussaatgelegenheit ist
Mit jedem Tag im August sinkt die Sonne ein Stück tiefer, die Nächte werden merklich kühler. Was bis Ende August nicht im Boden steckt, wird in den meisten Regionen Deutschlands nicht mehr ausreifen, bevor die ersten Fröste kommen. Das gilt vor allem für frostempfindliche Arten.
Einige Sorten allerdings — Feldsalat, Spinat, Winterportulak — überstehen leichte Minusgrade problemlos. Andere wie Winterzwiebeln und Lauchzwiebeln überwintern sogar vollständig im Beet und liefern bereits im März eine frühe Ernte. Das entscheidende Kriterium beim Saatkauf: die Kulturdauer. Nur Sorten mit kurzer Entwicklungszeit sind im August noch realistisch. Spät reifende Lagergemüse lohnen sich schlicht nicht mehr.
Diese Gemüsesorten kannst du im August direkt ins Beet säen
Für die Direktsaat braucht das Beet zunächst etwas Vorbereitung: Boden auflockern, Unkraut entfernen, bei Trockenheit gut vorwässern. Wenn für die nächsten Tage leichte Niederschläge vorhergesagt sind, ist das der ideale Zeitpunkt. Ein Einarbeiten von organischem Dünger vor der Aussaat verbessert die Startbedingungen deutlich.
Folgende Sorten sind für die Direktsaat im August geeignet:
- Feldsalat — bis Ende August, in milden Lagen sogar noch bis September
- Spinat — bevorzugt Herbst- oder Wintersorten wählen
- Rucola — wächst schnell, kann auch als Baby-Leaf geerntet werden
- Radieschen — nur frühreifende Sorten wie etwa ‘Rudi’
- Rettich — ausschließlich frühe Sorten wie ‘Neckarruhm’
- Winterportulak (auch Postelein genannt) — frosthart und genügsam
- Asia-Salate wie Mizuna, Tatsoi oder Blattsenf — wachsen rasch und eignen sich als Baby-Leaf
- Pflück- und Schnittsalat — mehrfach erntbar
- Pak Choi — möglichst bis Anfang August säen, danach werden die Pflanzen oft zu klein oder schießen vorzeitig
- Endivie — ebenfalls möglichst Anfang August; wer den Zug verpasst hat, setzt lieber Jungpflanzen
- Möhren — nur sehr frühe Sorten, und auch dann nur bei einem besonders milden Herbst erfolgversprechend
- Herbstrüben und Mairüben — frühe Sorten, Aussaat möglichst bis Mitte August
- Buschbohnen — nur frühe Sorten und unbedingt bis Anfang August; wer Mitte oder Ende August liest, ist für Freilandsaat bereits zu spät dran
- Petersilie — Keimung dauert 3 bis 4 Wochen, eine Freilandernte vor dem ersten Frost ist kaum realistisch; besser im Topf auf der Fensterbank ziehen
- Schnittlauch — kann noch im Topf ausgesät werden, wächst aber langsam
Auf der Fensterbank oder im Gewächshaus vorziehen
Wer nicht direkt ins Freiland säen will oder kann, hat mit dem Vorziehen noch etwas mehr Spielraum. Auf der Fensterbank oder im Gewächshaus lassen sich auch im August noch einige Sorten ankeimen, bevor die Jungpflanzen ins Beet kommen.
Geeignet zum Vorziehen sind Mangold (frosthart und sehr ertragreich), Winterzwiebeln und Lauchzwiebeln, Kohlrabi in schnellwüchsigen Sorten für die Spätherbsternte sowie Dill und Koriander. Blumenkohl und Brokkoli sind nur noch Anfang August und ausschließlich in sehr frühen Sorten sinnvoll — wer jetzt startet, kauft besser fertige Jungpflanzen, statt selbst auszusäen.
Was du nur noch als Jungpflanze setzen solltest
Für einige Kulturen ist die Zeit zur Aussaat endgültig abgelaufen. Hier lohnt sich der Weg zur Gärtnerei oder der Griff zu fertigen Jungpflanzen aus dem Gartencenter. Das spart Zeit und erhöht die Erntechancen erheblich.
Als Jungpflanzen setzen — nicht mehr aussäen — empfiehlt sich ab Mitte August: Grünkohl, Chinakohl, Rote Beete, Winterporree, Winterkopfsalat, Winterblumenkohl und Endivie, wenn die Aussaat Anfang August verpasst wurde. Diese Kulturen brauchen schlicht zu lange, um aus dem Samen noch rechtzeitig erntereif zu werden.
Zweijährige Blumen: Auch sie können jetzt noch in die Erde
Gemüse ist nicht alles. Der August ist für einige zweijährige Blumen noch ein möglicher Aussaattermin — auch wenn die optimale Zeit eigentlich Juni und Juli waren. Diese Arten bilden zunächst Blätter und Wurzeln und blühen erst im kommenden Jahr. Ehrlich gesagt ist die Aussaat jetzt eine Wette auf gute Startbedingungen: feuchter, nährstoffreicher Boden, Halbschatten, keine Trockenphasen.
Noch aussäen lassen sich Bartnelke, Goldlack, Stiefmütterchen, Hornveilchen, Glockenblume, Stockrose, Fingerhut, Vergissmeinnicht und Akelei. Sie alle überstehen den Winter als Rosette und belohnen die Geduld im Frühjahr mit Blüten.
Schnecken, Trockenheit und der Klimawandel: Worauf du bei der Spätsaat achten solltest
Junge Keimlinge im August haben zwei Hauptfeinde: Trockenheit und Schnecken. Keimende Pflanzen müssen regelmäßig und reichlich gegossen werden — der Boden darf in dieser Phase nie vollständig austrocknen. Schneckenzäune rund um die frisch bepflanzten Beete sind keine Vorsichtsmaßnahme, sondern eine Notwendigkeit, denn das zarte Blattgrün junger Pflanzen ist für Nacktschnecken schlicht unwiderstehlich. Wer auf dem Balkon anbaut, hat dieses Problem nicht.
Einen Hinweis verdient auch der Klimawandel: Die Herbste werden in vielen Regionen milder, die erste Frostnacht rückt im Durchschnitt nach hinten. Arten wie Spinat, Feldsalat oder Winterportulak können deshalb je nach Wetterlage auch noch im September erfolgreich ausgesät werden. Das ändert aber nichts an der Grundregel: Früher säen erhöht die Erntechancen deutlich — wer jetzt sofort handelt, liegt immer vorn.
Wer beim nächsten Saatkauf auf Bio-Saatgut achtet, tut dem Beet und der Vielfalt im Garten langfristig einen Gefallen — im Fachhandel und in spezialisierten Online-Shops ist die Auswahl an samenfesten, regionsgerechten Sorten oft deutlich größer als im Supermarkt.



