Mitte Juli, 38 Grad im Schatten, die Wohnung hat sich seit Tagen aufgeheizt wie ein Backofen. Der Ventilator schiebt lediglich heiße Luft durch den Raum, und die Nachbarin hat gerade eine Split-Klimaanlage einbauen lassen – der Installateur war bis Ende August ausgebucht. Wer in dieser Situation feststellt, dass seine Wärmepumpe möglicherweise schon eine Kühlfunktion besitzt, ärgert sich, diese nie aktiviert zu haben.
Denn viele Wärmepumpenbesitzer wissen gar nicht, dass ihr Gerät im Sommer auch in die Gegenrichtung arbeiten kann. Ob das wirklich funktioniert, wie effizient es ist und wann die klassische Klimaanlage trotzdem besser abschneidet – das hängt von drei entscheidenden Faktoren ab.
Welche Wärmepumpen tatsächlich kühlen können – und welche nicht
Im Prinzip können fast alle Wärmepumpen kühlen. Der entscheidende Unterschied liegt aber in der Effizienz. Besonders sparsam arbeiten dabei Erdwärme- und Grundwasserwärmepumpen, die sich über tiefe Bohrungen die gleichmäßigen Temperaturen im Erdreich zunutze machen – in Deutschland liegen diese in zehn Metern Tiefe das ganze Jahr über bei etwa 10 bis 12 Grad Celsius.
Im Winter transportieren sie Wärme aus dem Boden ins Heizsystem. Im Sommer kehren sie diesen Prozess um: Wärme aus den Wohnräumen wird abgeleitet, Kühle aus der Tiefe in die Fußbodenheizung eingespeist. Luft-Wasser-Wärmepumpen, die heute den Großteil der neu installierten Anlagen ausmachen, können ebenfalls kühlen – verbrauchen dabei aber deutlich mehr Strom.
Fußboden- oder Wandheizung: Warum das Heizsystem über Erfolg oder Misserfolg entscheidet
Das Kühlen mit der Wärmepumpe funktioniert nur dann zuverlässig, wenn das Haus über großflächige Heizflächen verfügt. Reinhard Loch, ehemaliger Leiter des Bereichs Energie bei der Verbraucherzentrale NRW, erklärt dazu: „Die Wärmepumpe kann man dann zum Kühlen einsetzen, wenn man große Flächen hat.” Gemeint sind Fußboden-, Wand- oder Deckenheizungen.
Klassische Heizkörper scheiden aus einem schlichten physikalischen Grund aus: Um einen spürbaren Kühleffekt zu erzielen, müsste man das Wasser darin so weit herunterkühlen, dass die Luftfeuchtigkeit an den Metallflächen kondensiert – der Heizkörper würde buchstäblich anfangen zu tropfen. Das ist weder praktikabel noch gesund, da Schimmelbildung droht.
Passive Kühlung vs. aktive Kühlung: Der Unterschied im Stromverbrauch
Passive Kühlung: günstig, aber begrenzt
Bei Erdwärmepumpen in Kombination mit Fußbodenheizung lässt sich die sogenannte passive Kühlung nutzen. Loch beschreibt sie so: Sie „setzt nur den Kreislauf in Gang zwischen kühlem Erdreich und dem warmen Raum” – der eigentliche Verdichter der Wärmepumpe läuft dabei gar nicht. Stattdessen reicht eine kleine Umwälzpumpe, die nur wenige Watt verbraucht. Der Kühleffekt ist angenehm, aber moderat: Räume werden auf 24 bis 26 Grad gehalten, nicht schlagartig heruntergekühlt.
Aktive Kühlung: stärker, aber stromintensiver
Bei der aktiven Kühlung arbeitet die Wärmepumpe mit ihrer gesamten Technik – lediglich die Richtung des Kältekreislaufs ist umgekehrt. Sie kühlt spürbar stärker als die passive Variante, verbraucht dabei aber etwa so viel Strom wie im Heizbetrieb im Winter. Fachleute empfehlen hier dringend eine Taupunktüberwachung, damit keine Feuchtigkeit an den Rohren der Flächenheizung kondensiert und Schimmel begünstigt wird.
Wer eine Photovoltaikanlage auf dem Dach hat, kann die aktive Kühlung im Sommer sinnvoll mit dem selbst erzeugten Solarstrom betreiben – der Eigenverbrauch steigt, die Kosten sinken.
Wann die Split-Klimaanlage effizienter kühlt als die Wärmepumpe
Für das schnelle Herunterkühlen einzelner Räume hat die klassische Split-Klimaanlage einen technischen Vorteil. Da sie Wärme direkt über ein Innen- und ein Außengerät überträgt – ohne den Umweg über einen Wasserkreislauf –, arbeitet sie als reines Kühlgerät effizienter. „Wenn es darum geht, einen Raum möglichst schnell und für einen bestimmten Zeitraum herunterzukühlen, sind klassische Klimaanlagen effektiver”, bestätigt Loch.
Allerdings hat die Split-Klimaanlage zwei nennenswerte Schwächen:
- Sie kühlt in der Regel nur einen einzigen Raum wirksam – Luft lässt sich schlecht durch eine ganze Wohnung verteilen.
- In dicht besiedelten Stadtgebieten verstärkt sie den Hitzeinsel-Effekt, weil sie erwärmte Luft direkt an die Außenumgebung abgibt.
Günstiger in der Anschaffung und flexibler nachzurüsten ist sie trotzdem – gerade für Mieter oder Altbauten ohne Fußbodenheizung bleibt sie oft die einzig machbare Option.
Ohne Strom auskommen: Was Rollos und richtiges Lüften wirklich bringen
Bevor man überhaupt über Technik nachdenkt, lohnt sich ein Blick auf die einfachsten Maßnahmen. Tagsüber geschlossene Fensterläden, Rollos und Vorhänge halten erheblich mehr Hitze draußen, als viele erwarten – außen liegende Beschattungen sind dabei deutlich effektiver als Vorhänge auf der Innenseite. Kräftiges Durchlüften ist morgens vor 7 Uhr und abends nach 21 Uhr sinnvoll, sobald die Außentemperatur unter die Raumtemperatur fällt.
Energieeffiziente Ventilatoren verbrauchen nur 20 bis 50 Watt, heizen die Außenluft nicht auf und kosten im Betrieb kaum etwas. Sie ersetzen keine Klimaanlage, überbrücken aber kurze Hitzephasen gut.
Wer jetzt eine neue Wärmepumpe plant, sollte eine Frage unbedingt stellen
Für alle, die gerade eine Wärmepumpe einbauen oder ersetzen lassen, hat Loch einen klaren Rat: „Wenn jemand eine neue Wärmepumpe einbaut, dann ist es sinnvoll, darauf zu achten, dass man eine Wärmepumpe wählt, die auch kühlen kann.” Diese Funktion kostet bei vielen Modellen keinen oder nur geringen Aufpreis, wird aber bei der Anschaffung häufig nicht erwähnt.
Loch geht davon aus, dass die Kühlfunktion vor allem bei Neubauten – von denen heute ohnehin die Mehrheit mit Wärmepumpen ausgestattet wird – künftig als selbstverständlicher Standard mitgeplant wird und die Wärmepumpe sich langfristig als ernsthafte Alternative zur Klimaanlage durchsetzen könnte.
Ob das gelingt, wird auch davon abhängen, wie sich die Förderkonditionen für Wärmepumpen in Deutschland in den nächsten Jahren entwickeln – und wie stark die Sommer noch werden.



