Es ist ein vertrautes Bild Anfang Oktober: Der Laubsauger brummt, die Stauden werden bis auf den Stumpf zurückgeschnitten, und im Gartencenter wandern bunte Töpfe mit Knospenheide in den Einkaufswagen. Der Garten sieht aufgeräumt aus. Für Igel, Wildbienen und Schmetterlinge sieht er in diesem Moment allerdings wie eine Einöde aus.
Denn gerade im Herbst entscheidet sich, ob dein Garten Tieren durch den Winter hilft oder sie im Stich lässt. Welche zehn Gewohnheiten jetzt mehr schaden als nützen – und was du stattdessen tun kannst – zeigt dieser Überblick.
Knospenheide und gefüllte Blüten: Farbe ohne Nutzen für Bestäuber
Herbstliche Töpfe mit Knospenheide sehen dekorativ aus, sind für Insekten aber nahezu wertlos. Bei dieser Sorte bleiben die Blüten geschlossen – Nektar und Pollen sind für Bienen schlicht nicht erreichbar. Ähnliches gilt für stark gefüllte Chrysanthemen: Die zusätzlichen Blütenblätter versperren den Weg zu Staubblättern und Nektarien.
Besser: Greif zu Besenheide mit geöffneten Blüten, ungefüllten Herbstastern oder einfach blühenden Chrysanthemen. Achte außerdem auf regionale oder ökologische Anzucht – das schont Ressourcen und stärkt lokale Gärtnereien.
Blumenzwiebeln nur nach Optik wählen schadet den Frühjahrsbienen
Der Herbst ist Pflanzzeit für Blumenzwiebeln, und wer jetzt die richtigen wählt, legt den Grundstein für das erste Insektenfrühstück des nächsten Jahres. Krokusse, Winterlinge, Schneeglöckchen und Wildtulpen gehören zu den frühesten Nahrungsquellen, wenn nach dem Winter noch kaum etwas blüht.
Auch hier gilt: Gefüllte Sorten eher meiden. Die üppigen Blütenblätter machen es Bestäubern schwer, an Pollen und Nektar zu kommen. Naturnahe, ungefüllte Sorten sind die verlässlichere Wahl – für die Tiere und letztlich auch für das Erscheinungsbild des Beetes.
Laubsauger: laut, energiehungrig und tödlich für Kleintiere
Geräte mit Verbrennungsmotor stoßen Abgase aus, Elektrovarianten fressen Strom – und beide saugen ungebremst Insekten, Spinnen, Regenwürmer und Frösche ein. In Modellen mit Häckselfunktion überleben diese Tiere den Einsatz nicht.
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Besser: Rechen oder Besen erledigen die Arbeit geräuschlos und ohne Kollateralschäden. Laub unter Bäumen und Sträuchern darf ruhig liegen bleiben – es ist Winterquartier und Nahrungsquelle zugleich. Wege und stark genutzte Rasenflächen kannst du bei Bedarf gezielt freiräumen.
Mähroboter im Herbst: lebensgefährliche Begegnung für Igel
Mähroboter arbeiten lautlos – und genau das macht sie so gefährlich. Igel sind nachtaktiv und hören das Gerät nicht rechtzeitig. Statt zu flüchten, rollen sie sich ein und erstarren. Die rotierenden Messer können die Tiere schwer oder tödlich verletzen.
Besser: Im Herbst den Mähroboter so selten wie möglich einsetzen oder ganz abstellen. Wer einen Garten unter 200 Quadratmetern hat, kommt mit einem einfachen Handrasenmäher aus. Noch besser: eine wilde Ecke oder eine Wildblumenwiese anlegen, die gar nicht gemäht werden muss.
Der gründliche Herbstputz schadet mehr als er nützt
Ein penibel aufgeräumter Garten sieht ordentlich aus, bietet Tieren aber kaum Lebensraum. Laub, verblühte Stauden und Reisighaufen sind im Winter für viele Arten unverzichtbar: Igel suchen darin Unterschlupf, Wildbienen überwintern in hohlen Stängeln, und Vögel lesen Samen von Blumenständen ab.
Besser: Heimische Stauden erst im späten Winter oder frühen Frühjahr zurückschneiden. Einen Reisighaufen in einer ruhigen Gartenecke aufschichten. Samenstände stehen lassen – sie sind hervorragendes Vogelfutter, das nichts kostet.
Torfhaltige Blumenerde, Kunstdünger, Chemie und Schottergärten: vier Gewohnheiten, eine Richtung
Torferde: Moore bezahlen den Preis
Für Blumenerde mit Torfanteil werden Moore trocken gelegt. Das zerstört seltene Lebensräume und setzt erhebliche Mengen gespeichertes CO₂ frei. Torffreie Erden sind inzwischen überall erhältlich und erkennbar am entsprechenden Hinweis auf der Verpackung. Noch besser: eigener Kompost.

Kunstdünger: nicht vorsorglich streuen
Synthetische Stickstoffdünger sind energieintensiv in der Herstellung. Wer zu großzügig düngt, riskiert, dass überschüssige Nährstoffe ins Grundwasser ausgewaschen werden – ohne dem Boden organische Substanz zurückzugeben. Besser: nur düngen, wenn Pflanzen tatsächlich Mangelsymptome zeigen, und auf reifen Kompost, Mulch oder Gründüngung setzen.

Chemische Unkrautvernichter: Gift für die Artenvielfalt
Was Wildkräuter abtötet, schadet oft auch Bienen, Schmetterlingen und Bodenlebewesen – selbst in kleinen Dosen. Löwenzahn, Gänseblümchen und viele andere sogenannte Unkräuter sind wichtige Nahrungspflanzen für Wildbienen. Besser: jäten statt spritzen, Schädlinge von Hand absammeln, Neemöl oder Brennnesseljauche als natürliche Mittel einsetzen.

Schottergärten: pflegeleicht ist ein Mythos
Schotterflächen heizen sich im Sommer auf bis zu 70 Grad Celsius auf, speichern kein Wasser und bieten weder Nahrung noch Nistmöglichkeiten für Tiere. Unkraut wächst trotzdem – und ist zwischen Steinen schwerer zu entfernen als im Beet. Besser: trockenheitsverträgliche heimische Pflanzen wie Sand-Thymian, Scharfer Mauerpfeffer, Weiße Fetthenne oder Zierlauch.
Rasen als Monokultur: warum zweimal Mähen pro Jahr mehr bringt als wöchentliches Kürzen
Kurzgeschnittener Einheitsrasen bietet Insekten weder Nahrung noch Nistmöglichkeiten. Je seltener gemäht wird, desto mehr Arten profitieren. „Wenn Wiesen nur zweimal im Jahr gemäht werden, kommt das vor allem Wildbienen, Schmetterlingen und Wanzen zugute“, erklärt Jens Rolff, Biologe an der Freien Universität Berlin.
Zwei Mahden im Jahr – eine im Juni nach der ersten Blüte, eine im September – reichen für die meisten Gärten völlig aus. Wer keinen ganzen Rasen umwandeln möchte, lässt einfach einen Streifen oder eine Ecke dauerhaft stehen: Das kostet nichts und bringt sofort etwas.
Wer jetzt im Herbst ein paar dieser Gewohnheiten ändert, wird im nächsten Frühjahr den Unterschied hören – an der Zahl der Hummeln, die durch den Garten summen.
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