Du stehst im Keller, hältst dein altes Deck in der Hand und merkst: Es reicht. Das Holz splittert an der Nose, die Trucks sitzen schief, und irgendwo zwischen dem zwanzigsten Ollie und dem dritten Sturz hat das Brett seinen Dienst quittiert. Ein neues muss her — aber diesmal soll es kein Board sein, das nach wenigen Monaten wieder auf dem Sperrmüll landet.
Skateboarden erlebt gerade eine breite Welle der Begeisterung: Väter fahren mit ihren Kindern, Frauen shredden Halfpipes, und Menschen, die das Skaten längst vergessen hatten, greifen wieder zum Deck. Wer dabei nicht auf Nachhaltigkeit verzichten will, stößt schnell auf eine unbequeme Wahrheit: Die meisten Boards sind aus Tropenholz, mit lösungsmittelbasierten Farben lackiert und kommen per Frachtschiff aus Übersee. Es geht aber auch anders — und die folgenden Marken beweisen das.
Woran du ein wirklich nachhaltiges Board erkennst
Brett ist nicht gleich Brett. Form, Breite und Länge bestimmen den Fahrstil — aber Material, Herkunft und Verarbeitung entscheiden darüber, wie viele Ressourcen dein neues Board verbraucht. Eine Marke kann sich leicht als „grün“ bezeichnen; die substanzielle Frage ist, ob sie mindestens zwei der folgenden Kriterien erfüllt:
- Verwendung von regionalem Holz oder schnell nachwachsenden Rohstoffen wie Bambus
- FSC-zertifiziertes Holz aus nachweislich nachhaltiger Forstwirtschaft
- Einsatz von recyceltem Holz oder recyceltem Plastik
- Herstellung in Deutschland mit kurzen Transportwegen
- Hohe Verarbeitungsqualität, die das Board deutlich länger nutzbar macht
Alle Marken in diesem Artikel erfüllen mindestens zwei davon. Einige davon kommen dem Ideal erheblich näher.
Nachhaltige Longboards: drei deutsche Manufakturen, die es ernst meinen
Wer das ruhige, elegante Gleiten auf einem Longboard schätzt, hat in Deutschland eine wachsende Auswahl an Anbietern, die Nachhaltigkeit nicht als Marketingversprechen, sondern als Produktionsprinzip verstehen.
Layback aus Freiburg: Restholz mit Charakter
Der Freiburger Skate-Shop Layback und seine zugehörige Manufaktur Hackbrett setzen auf Restholzstücke und regionales Eschenholz. Die Verarbeitung ist ressourcenschonend; für die Decks greift Hackbrett außerdem auf schnell nachwachsende Rohstoffe wie Bambus zurück. Ein fertiges Longboard von Layback ist ab etwa 139 Euro erhältlich.

Treibholz aus Stralsund: handgefertigt, ausschließlich regional
Treibholz aus Stralsund geht einen konsequenten Schritt weiter: Die hauseigene „Boardwerft“ verwendet ausschließlich regionales Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft, jedes Board wird in Handarbeit gefertigt. Lange Transportwege fallen damit schlicht weg. Ein komplettes Longboard beginnt bei 299 Euro — ein Preis, der die handwerkliche Arbeit widerspiegelt.
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Langbrett aus Berlin: Esche aus dem Erzgebirge
Die Berliner Marke Langbrett setzt auf schlichtes Design und heimische Materialien, vor allem auf Esche, die in Deutschland gewachsen ist. Hergestellt werden die Bretter im Erzgebirge — kurze Wege von der Rohware bis zum fertigen Deck. Ein Longboard von Langbrett kostet ab rund 149 Euro.
Bastl Boards aus Leipzig: das Deck, das nicht bricht
Nachhaltigkeit beginnt nicht erst bei der Produktion, sondern bei der Frage, wie lange ein Board überhaupt hält. Wer alle paar Monate ein neues Deck kauft, weil das alte gebrochen ist, produziert kontinuierlich Abfall — und Kosten.
Die Longboards von Bastl Boards lösen dieses Problem mit einer Kombination aus Carbon und Bambus: Die Decks gelten als nahezu unmöglich zu zerbrechen. Hergestellt werden sie in der eigenen Manufaktur in Leipzig, verkauft im dazugehörigen Ladencafé Shredderei sowie online. Ein Deck — ohne Rollen und Achsen — beginnt bei etwa 170 Euro.

Nachhaltige Skateboards für Bordstein und Halfpipe
Ein Skateboard ist kompakter als ein Longboard, aber der Anspruch an Material und Herkunft kann derselbe sein. Vier Marken zeigen, wie unterschiedlich die Ansätze dabei sein können.
Arbor: Bambus-Kollektion aus den USA
Die amerikanische Firma Arbor verbindet nachhaltige Produktion mit anspruchsvollem Design. Neben einem breiten Longboard-Sortiment bietet sie eine eigene Bambus-Kollektion für Skateboards an. Ehrlichkeitshalber sei gesagt: Die Boards müssen den langen Transportweg aus den USA nach Deutschland zurücklegen, was die Ökobilanz spürbar belastet. Ein Skateboard von Arbor beginnt ab ca. 100 US-Dollar.

Egal Skateboards: FSC-zertifiziert, komplett in Deutschland gefertigt
Egal Skateboards produziert ausschließlich in Deutschland und verwendet FSC-zertifiziertes Holz. Die Farben für die Decks werden auf Wasserbasis hergestellt — ein Detail, das selten erwähnt wird, aber umweltrelevant ist. Lange Transportwege entfallen vollständig. Ein Deck ohne Rollen und Achsen gibt es ab 59 Euro — der günstigste Einstieg in dieser Übersicht.
Iris Skateboards: über 20 alte Bretter für ein neues Unikat
Das kalifornische Label Iris Skateboards hat sich auf einen konsequenten Recycling-Ansatz spezialisiert: Für jedes handgefertigte Skateboard werden mehr als 20 ausgediente Bretter verwendet, die andernfalls im Müll landen würden. Das Ergebnis sind Unikate mit farbigen Schichten, die optisch ausgesprochen attraktiv sind. Nachteil: Auch hier ist der Transportweg aus Kalifornien lang. Ein Deck kostet ab rund 150 US-Dollar.

Bureo: Fischernetze werden zu Cruisern
Bureo verfolgt einen anderen Recycling-Weg: Die Boards bestehen aus recyceltem Plastik, das überwiegend aus der Fischereiindustrie und aus dem Meer stammt — allen voran aus alten Fischernetzen. Die kompakten Cruiser punkten neben ihrem Konzept auch stilistisch: Die Rollen aus recyceltem Plastik werden in Handarbeit mit Mustern verziert.

Auch Bureo produziert in Kalifornien, der Transportweg nach Deutschland ist entsprechend weit. Ein komplettes Board beginnt bei etwa 149 US-Dollar.
Was du beim Kauf wirklich abwägen solltest
Kein Board in dieser Liste ist ohne Kompromisse. Die deutschen Hersteller — Layback, Treibholz, Langbrett, Bastl Boards und Egal Skateboards — punkten mit kurzen Transportwegen und regionalen Materialien, aber ihre Preise spiegeln den höheren handwerklichen Aufwand wider. Die amerikanischen Labels Arbor, Iris und Bureo haben interessante Materialansätze, aber ihre Klimabilanz leidet unter dem langen Seeweg.
Für die meisten Käuferinnen und Käufer in Deutschland sind die drei wesentlichen Kaufkriterien: nachhaltige Materialien wie FSC-Holz oder Recyclingrohstoffe, möglichst lokale Produktion mit kurzen Wegen und hohe Verarbeitungsqualität, die das Board deutlich länger nutzbar macht. Ein Board, das fünf Jahre hält, ist in fast jeder Hinsicht nachhaltiger als zwei billigere, die nach je zwei Jahren im Müll landen.
Wer mit einem kleinen Budget einsteigen möchte, findet bei Egal Skateboards einen deutschen Einstieg ab 59 Euro — wer ein Board kaufen will, das buchstäblich nicht bricht, schaut sich die Decks von Bastl Boards in Leipzig an.
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