Im Kühlregal eines deutschen Supermarkts, irgendwo zwischen Haferdrinks und Sojajoghurt, stehen seit Kurzem zwei neue Produkte mit einem vertrauten Logo: Müller. Nicht die Müllermilch in ihrer klassischen Form, sondern ein pflanzlicher Drink und ein Reisdessert ohne jede tierische Zutat. Wer zum ersten Mal darauf stößt, reibt sich vielleicht kurz die Augen.
Die Molkerei Müller, 1896 in Aretsried gegründet und inzwischen zu einer europaweit tätigen Unternehmensgruppe gewachsen – zu der unter anderem Weihenstephan und Naturfarm gehören –, hat sich jahrzehntelang ausschließlich mit konventionellen Milchprodukten einen Namen gemacht. Dass ausgerechnet dieses Unternehmen nun eine rein pflanzliche Linie auf den Markt bringt, wirft eine naheliegende Frage auf: Was steckt wirklich dahinter, und was steckt in den Produkten selbst?
Warum Müller jetzt plötzlich vegane Produkte anbietet
Auf der eigenen Website erklärt das Unternehmen, dass pflanzenbasierte Produkte sich als „ein anhaltender Trend“ erwiesen hätten und dass man der entsprechenden Zielgruppe passende Angebote machen wolle. Von tierethischen oder ökologischen Beweggründen ist in der offiziellen Kommunikation keine Rede. Die Motivation klingt klar wirtschaftlich.
Das ist keine Besonderheit von Müller. Viele Lebensmittelhersteller, die ihr Geschäft klassisch mit tierischen Produkten aufgebaut haben, entdecken den wachsenden Markt für pflanzliche Alternativen. Bio-Produkte hat Müller bislang nicht im Sortiment – und daran ändert auch die neue vegane Linie nichts. Die neuen Artikel tragen kein Bio-Siegel, genau wie alle anderen Müller-Produkte.
Was im Vegan Drink tatsächlich drin ist
Der Vegan Drink von Müller funktioniert ähnlich wie ein handelsüblicher Haferdrink: Die Hauptzutaten sind Wasser und Hafer. Dazu kommt Zucker als weiterer wesentlicher Bestandteil. Je nach Geschmacksrichtung werden Aromen ergänzt – etwa Vanille –, außerdem Rapsöl, Stärke und ein färbendes Pflanzenkonzentrat aus Karotte.
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Wie bei vielen verarbeiteten veganen Produkten sind dem Drink Vitamine zugesetzt, darunter B1, B6 und B12. Das ist üblich, weil pflanzliche Produkte bestimmte Nährstoffe, die sonst aus Milch stammen, nicht von Natur aus in gleicher Konzentration liefern. Wer also zum Vegan Drink greift, bekommt ein angereichertes Fertigprodukt – kein schlichtes Haferwasser.
Was im Vegan Reis steckt – und der Unterschied zur Milchreis-Version
Das vegane Reisdessert kommt ohne Hafer aus. Stattdessen bildet Kokosmilch die pflanzliche Basis, die mit Wasser, Reis und Zucker kombiniert wird. Je nach Variante kommen Kirschen, Äpfel oder andere Früchte hinzu, ergänzt durch Aromen, färbende Pflanzenkonzentrate sowie Zusätze zur Verdickung und Säureregulation.
Interessant ist der direkte Vergleich mit dem klassischen Milchreis von Müller: Auch das tierische Original enthält ähnliche Zusatzstoffe. Wer Fertigprodukte mit langen Zutatenlisten grundsätzlich meiden will, findet bei beiden Varianten keinen echten Vorteil gegenüber der anderen. Der entscheidende Unterschied liegt nicht in der Verarbeitungstiefe, sondern in der Herkunft der Zutaten.
Vegan ja – aber was fehlt im Vergleich zu reinen Vegan-Marken?
Wer die Müller-Neuheiten mit dem Angebot etablierter Vegan-Marken vergleicht, stößt auf zwei wesentliche Unterschiede:
- Kein Bio-Siegel: Die Zutaten der veganen Müller-Produkte stammen nicht aus ökologischer Landwirtschaft.
- Kein rein veganes Sortiment: Müller bleibt ein Milchverarbeitungsunternehmen, das zusätzlich pflanzliche Produkte anbietet – eine andere Ausgangslage als Hersteller, die sich ausschließlich auf vegane Lebensmittel spezialisiert haben.
- Plastikverpackung: Wer das Reisdessert selbst herstellt – aus Kokosmilch, Reis, Zucker und wenigen weiteren Zutaten –, vermeidet Einwegplastik und kann Zuckermenge und Zusätze selbst bestimmen.
- Keine Transparenz zu ökologischen Zielen: Die Unternehmenskommunikation enthält keine Aussagen zu Klimawirkung, Lieferketten oder Nachhaltigkeitszielen im Zusammenhang mit der neuen Linie.
Das bedeutet nicht automatisch, dass die Produkte schlecht sind. Es bedeutet, dass die Kaufentscheidung von den eigenen Prioritäten abhängt: Wer einfach weniger Tierprodukte konsumieren will und konventionelle Supermärkte nutzt, findet mit dem Vegan Drink und dem Vegan Reis eine zugängliche Option. Wer Wert auf Bio-Qualität oder ein konsequent veganes Unternehmenskonzept legt, wird bei spezialisierten Herstellern besser fündig.
Was die Müller-Neuheit über den veganen Lebensmittelmarkt aussagt
Der Schritt von Müller steht stellvertretend für eine breitere Entwicklung im deutschen Lebensmittelhandel. Vegane Joghurts, pflanzliche Aufstriche, milchfreie Desserts – was vor wenigen Jahren noch schwer zu finden war, gehört heute in vielen Supermärkten zur Standardausstattung. Dass nun auch Molkereiunternehmen diesen Bereich besetzen, macht pflanzliche Produkte für mehr Menschen erreichbar.
Dass Müller dabei nicht auf Bio setzt und die Motivation offen wirtschaftlicher Natur ist, lässt sich kaum als Kritik am Produkt selbst formulieren – es ist schlicht ehrlich. Wer ein Bio-zertifiziertes veganes Dessert sucht, wird es inzwischen ebenfalls im Regal finden, vor allem in Bio-Supermärkten, wo das Angebot in den letzten Jahren deutlich gewachsen ist.
Ob Müller das vegane Sortiment langfristig ausbaut oder es bei diesen ersten Produkten bleibt, dürfte vor allem davon abhängen, wie die Verbraucherinnen und Verbraucher im Kühlregal abstimmen.
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