Morgens das Brot aufschneiden, das Glas mit der dunkelbraunen Creme aus dem Schrank holen – und kurz innehalten. Denn wer einmal genauer auf die Zutatenliste von Nutella geschaut hat, kauft nicht mehr so unbekümmert. Palmöl aus nicht zertifizierten Quellen, ein Zuckeranteil, der alles andere in den Schatten stellt, künstliches Vanillin als Aroma: Das Produkt von Ferrero hat echte Schwächen.
Dass es besser geht, zeigen inzwischen neun Alternativen, die ohne fragwürdiges Palmöl auskommen, fair gehandelte Zutaten verwenden und viele davon zusätzlich ein Bio-Siegel tragen. Die entscheidende Frage ist nur: Welche lohnt sich wirklich – und warum ist Nutella überhaupt so problematisch?
Das steckt hinter dem Nutella-Problem: Zucker, Palmöl und fehlende Transparenz
Nutella besteht zum größten Teil aus Zucker. Das ist für sich genommen wenig überraschend, aber der Zuckergehalt ist so hoch, dass Öko-Test den Brotaufstrich im Test 2022 mit „ungenügend“ bewertet hat – ebenso wie die Haselnusscreme von Milka. Hauptkritikpunkte waren die Zuckermenge und der geringe Haselnussanteil von gerade einmal 13 Prozent.
Schwerer wiegt das Palmöl. Ferrero bezieht es nicht aus zertifizierten Quellen wie dem RSPO-Standard oder aus Bio-Anbau. Für Palmölplantagen wird weltweit Regenwald gerodet, Menschen und Tiere werden verdrängt. Beim Kakao hat sich immerhin etwas getan: Laut Ferrero stammt er inzwischen ausschließlich aus Rainforest-Alliance-zertifizierten Farmen. Doch die Lieferkette bei Haselnüssen bleibt problematisch – rund 70 Prozent der weltweiten Haselnüsse kommen aus der Türkei, wo bei der Ernte auf Kinderarbeit zurückgegriffen wird. Ein weiteres Öko-Test-Manko: Kaum ein Hersteller kann eine lückenlose Lieferkette bis zur Kakaoplantage vorweisen.
Was gute Nutella-Alternativen wirklich besser machen
Bio-Schokocremes sind durch ihren Zuckergehalt ebenfalls keine Gesundheitsprodukte – das sollte man klar sagen. Aber Haselnüsse, Kakao und Zucker aus ökologischer Landwirtschaft schonen die Umwelt nachweislich stärker. Künstliche Aromen wie das in Nutella enthaltene Vanillin sind in zertifizierten Bio-Produkten schlicht verboten. Und Fairtrade-Siegel wirken aktiv gegen Ausbeutung und Kinderarbeit in der Kakaoproduktion und Haselnussernte.
Wer zusätzlich Palmöl vermeiden will, findet heute eine wachsende Auswahl: im Bio-Laden schon seit Jahren, inzwischen auch in Drogeriemärkten und großen Supermarktketten. Wer lieber selbst in der Küche experimentiert, kann Nutella auch selbst herstellen – mit wenigen Zutaten und mehr Kontrolle über den Inhalt.
Die 9 besten Nutella-Alternativen ohne Palmöl, bio und vegan
1. Rigoni di Asiago Nocciolata – Bio und ohne Palmöl
Die Nocciolata des italienischen Herstellers Rigoni di Asiago ist eine der wenigen Schokocremes mit Bio-Siegel, die gleichzeitig vollständig auf Palmöl verzichtet. Die Haselnüsse stammen aus Italien und der Türkei, der Kakao ist Fairtrade-zertifiziert. Öko-Test vergab 2022 die Note „ausreichend“ – Kritikpunkte waren der hohe Zuckergehalt und leicht erhöhte Mineralölrückstände.
Ohne Palmöl: ja | Vegan: nur in der milchfreien Version | Geschmack: mild schokoladig, etwas weniger nussig als Nutella | Preis: ab 5,85 Euro für 400 g (18,45 Euro / kg)
2. Franken Genuss Haselnuss-Nougat-Aufstrich – regional und palmölfrei
Wer regionale Zutaten schätzt, wird hier fündig. Der Franken Genuss Aufstrich kommt ohne Palmöl aus und enthält über 55 Prozent fränkische Haselnüsse sowie Kakaobutter ohne Emulgatoren. Bio-zertifiziert ist er nicht, aber der Haselnussanteil toppt Nutella um ein Vielfaches.
Ohne Palmöl: ja | Vegan: in der Vegan-Variante | Geschmack: kräftig nussig, etwas schwer | Preis: 6,90 Euro für 180 g (38,30 Euro / kg)
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3. Nudossi – die DDR-Alternative, heute im Glas
Nostalgie als Brotaufstrich: In der DDR waren Haselnüsse leichter zu beschaffen als künstliche Aromen, weshalb Nudossi bis heute einen überdurchschnittlich hohen Haselnussanteil hat. Die palmölfreie Version ist an der Glasverpackung zu erkennen – die Plastikbecherversion enthält noch Palmöl. Weder Bio-Zutaten noch Fairtrade gibt es hier, der Kakao ist aber nach Rainforest Alliance und UTZ zertifiziert.
Ohne Palmöl: ja (nur im Glas) | Vegan: nein | Geschmack: eigenwillig, leichter Sonnenblumenöl-Eindruck | Preis: 3,79 Euro für 300 g (12,63 Euro / kg)
4. Keimling Vegane Schokocreme – bio, vegan und palmölfrei
Die Keimling Schokocreme erfüllt drei Anforderungen gleichzeitig: Sie ist bio-zertifiziert, vollständig vegan und kommt ohne Palmöl aus. Statt Industriezucker wird Agavendicksaft verwendet, kleine Haselnussstücke sorgen für ein angenehmes Mundgefühl. Der Preis liegt höher als bei anderen Produkten in dieser Liste.
Ohne Palmöl: ja | Vegan: ja | Geschmack: sehr lecker, aber etwas flüssig – eher für Pfannkuchen geeignet | Preis: 8,75 Euro für 350 g (25,57 Euro / kg)
5. Alnatura Nuss-Nougat – Bio aus der Drogerieregalmarke
Alnatura gehört zu den traditionsreichsten Bio-Marken in Deutschland. Die Nuss-Nougat-Creme verwendet Sonnenblumenöl und Kakaobutter statt Palmöl, alle Zutaten tragen das EU-Bio-Siegel. Der Schriftzug „Bio 7 Initiative“ weist auf Anforderungen hin, die über den einfachen Bio-Standard hinausgehen. Öko-Test vergab „befriedigend“ – Zuckergehalt und Mineralölrückstände waren auch hier der Grund für Punktabzug.
Ohne Palmöl: ja | Vegan: nein (enthält Magermilchpulver) | Geschmack: cremig und schokoladig | Preis: 2,99 Euro für 400 g (7,48 Euro / kg)
6. Gepa Cocoba – fair gehandelt und in vielen Supermärkten erhältlich
Gepa ist das bekannteste Unternehmen für fairen Handel in Deutschland. Die Cocoba Schokocreme ist EU-Bio-zertifiziert und trägt das hauseigene Gepa fair+ Zeichen, das auf dem Fairtrade-Standard basiert und eigene Anforderungen hinzufügt. Neben Sonnenblumenöl enthält sie auch RSPO-zertifiziertes Palmöl – das ist kein Freifahrtschein, aber deutlich besser als nicht zertifiziertes. Geschmacklich hält sie mit Nutella problemlos mit.
Fair-Trade: Gepa fair+ Zeichen | Vegan: nur in der Version Cocoba Zartbitter Schoko Crème (die reguläre enthält Honig) | Geschmack: etwas nussiger und cremiger als Nutella | Preis: 4,49 Euro für 400 g (11,23 Euro / kg)
7. Bionella von Rapunzel – vegan, fair und nah am Original
Bionella ersetzt Milchpulver durch Süßlupinenpulver und ist damit vegan und laktosefrei. Das enthaltene Palmöl stammt aus biologischem Anbau, ist fair gehandelt und bis zur einzelnen zertifizierten Plantage rückverfolgbar. Rapunzel pflegt langjährige Direktbeziehungen zu seinen Lieferanten – das schlägt sich im Preis nieder.
Fair-Trade: Fairtrade-Siegel | Vegan: ja | Geschmack: kommt dem Original sehr nah, dabei weniger süß | Preis: 4,49 Euro für 400 g (11,23 Euro / kg)
8. Rewe Bio Nuss-Nougat-Creme – günstig, fair und vegan
Die Eigenmarke von Rewe überzeugt mit einem fairen Preis und einem soliden Siegel-Paket: alle Zutaten aus Bio-Anbau, Fairtrade-zertifiziert bei Kakao, Zucker und Haselnüssen, dazu das V-Label als Vegan-Nachweis. Geschmacklich fehlt ihr das gewisse Etwas – vermutlich, weil kein künstliches Aroma eingesetzt wird. Das ist aber kein Makel, sondern ein Qualitätsmerkmal.
Fair-Trade: Fairtrade-Siegel | Vegan: ja (V-Label) | Geschmack: gut schokoladig, kommt aber nicht ganz an Nutella heran | Preis: 2,99 Euro für 400 g (7,48 Euro / kg)
9. dmBio Schokocreme Nuss-Nougat – Öko-Test-Testsieger
Die Eigenmarke des Drogerimarkts dm hat im Öko-Test als einziges Produkt im Nuss-Nougat-Test ein „gut“ erzielt – die beste Note, die vergeben wurde. Der Haselnussanteil beträgt wie bei Nutella 13 Prozent, die Zutaten stammen aber aus Bio-Anbau. Das enthaltene Palmöl ist RSPO-zertifiziert. Ein Fairtrade-Siegel fehlt leider.
Ohne Palmöl: nein (RSPO-zertifiziert) | Vegan: ja (V-Label) | Geschmack: angenehm schokoladig, aber eigenständiges Profil | Preis: 2,95 Euro für 400 g (7,38 Euro / kg)
Schnellübersicht: Welche Alternative passt zu welchem Anspruch
- Palmölfrei und Bio: Nocciolata von Rigoni di Asiago, Keimling Vegane Schokocreme, Alnatura Nuss-Nougat
- Vegan und palmölfrei: Keimling Vegane Schokocreme, Franken Genuss (Vegan-Variante)
- Günstigste Option: dmBio (2,95 Euro / 400 g), Rewe Bio und Alnatura (je 2,99 Euro / 400 g)
- Bester Öko-Test-Wert: dmBio Schokocreme mit „gut“
- Fair gehandelt und bio: Gepa Cocoba, Bionella von Rapunzel, Rewe Bio
- Höchster Haselnussanteil: Franken Genuss mit über 55 Prozent
- DDR-Nostalgie ohne Palmöl: Nudossi im Glas
Welche Nutella-Alternative lohnt sich am meisten?
Wer auf Palmöl vollständig verzichten will und gleichzeitig Bio kaufen möchte, ist mit der Keimling Veganen Schokocreme oder der Nocciolata von Rigoni di Asiago gut beraten. Erstere ist vegan und besonders rein in den Zutaten, letztere schokoladiger im Profil und auch in der milchfreien Variante erhältlich.
Wer Palmöl nicht grundsätzlich ablehnt, es aber zertifiziert kaufen möchte, findet in der Gepa Cocoba eine faire, Bio-zertifizierte und weit verbreitete Option – mit einem Geschmack, der Nutella in der Direktkomparation standhält. Für ein schmales Budget sind Rewe Bio und dmBio die vernünftigste Wahl: beide unter drei Euro, beide mit Bio-Siegel, beide vegan.
Im Gegensatz zu Nutella kommen alle neun Schokocremes ohne künstliches Aroma aus – und schmecken trotzdem richtig gut.
Wer wissen will, wie viel Zucker in all diesen Produkten steckt, vergleicht am besten direkt die Nährwerttabellen – denn auch bei den Alternativen liegt der Zuckeranteil selten unter 40 Prozent der Gesamtmasse.
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