Die Haferwurzel ist ein fast vergessenes Wurzelgemüse, das sich im Garten mit wenig Aufwand anbauen lässt und bereits nach einem Jahr erntefertig ist. Oberirdisch sieht sie wie gewöhnliches Gras aus, liefert unter der Erde aber aromatische Wurzeln, die sich ähnlich wie Spargel oder Schwarzwurzel in der Küche verwenden lassen.

Was die Haferwurzel so besonders macht
Die Pflanze gehört zur Gattung der Bocksbärte und stammt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum und Nordafrika. Im 16. Jahrhundert gelangte sie nach Europa, wo sie jahrhundertelang als Gemüsepflanze angebaut wurde, bevor ertragreichere Sorten wie die Schwarzwurzel sie verdrängten.
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Neben den milchsafthaltigen Wurzeln sind auch die violetten Korbblüten verwendbar – etwa als essbare Blüten im Salat oder in der Suppe. Die Pflanze enthält Vitamin C sowie Mineralstoffe wie Magnesium, Kalium und Calcium. Besonders wertvoll ist sie wegen ihres Inulingehalts: Inulin ist ein wasserlöslicher Ballaststoff, der das Mikrobiom im Darm fördert und damit Darmgesundheit und Verdauung unterstützt.
Die violetten Blütenstände sind außerdem eine wichtige Nahrungsquelle für Insekten, darunter zahlreiche Wildbienenarten und Schwebfliegen.
Standort, Boden und Zeitpunkt richtig wählen

Die Haferwurzel stellt keine hohen Ansprüche, dennoch lohnt es sich, bei Standort und Bodenvorbereitung auf folgende Punkte zu achten:
- Standort: Ein sonniges oder halbschattiges Beet eignet sich am besten. Da die Pflanze bis zu einem Meter hoch werden kann, sollten lichtbedürftige Nachbarpflanzen nicht in unmittelbarer Nähe wachsen, da sie sonst beschattet werden.
- Boden: Bereits im Jahr vor der Aussaat das Beet mit organischem Dünger versorgen. Die Haferwurzel bevorzugt steinfreie, tiefgründige und leicht feuchte Erde mit hohem Humusgehalt. Auf schweren Böden gedeiht sie ebenfalls, weil ihre kräftigen Wurzeln verhärtete Erdschichten selbst aufbrechen und so die Bodenqualität verbessern.
- Pflanznachbarn: Kartoffeln eignen sich gut als Vorfrucht im Vorjahr. In Mischkulturen verträgt sich die Haferwurzel am besten mit Lauch, Sellerie, Salat oder Kohlrabi.
- Zeitpunkt: Aussaat direkt ins Freiland von März bis Mai; die Wurzeln sind ab Oktober erntereif.
Schritt für Schritt: Haferwurzel aussäen
Sind Standort und Boden vorbereitet, geht die Aussaat so:
- Erde im Beet auflockern, Unkraut und Steine entfernen.
- Pflanzreihen im Abstand von 30 Zentimetern ziehen.
- Saatgut in die vorbereiteten Rillen streuen und zwei bis drei Zentimeter tief in die Erde drücken – die Haferwurzel ist ein Dunkelkeimer.
- Samen nur mit einer sehr dünnen Erdschicht bedecken und in den folgenden Wochen regelmäßig gießen.
- Nach zehn bis 14 Tagen beginnt die Keimung.
- Pflänzchen auf einen Abstand von fünf bis zehn Zentimetern vereinzeln. Überschüssige Exemplare am besten mit einem Messer abschneiden statt ausgraben, damit die Wurzeln der verbleibenden Pflanzen nicht verletzt werden.
Pflege, Ernte und Überwinterung

- Gießen: An heißen Sommertagen regelmäßig gießen, am besten mit kalkarmem Regenwasser. Bei zu trockenem Boden verholzt die Wurzel schnell und stellt das Wachstum ein. Regelmäßiges Unkrautjäten hält das Beet frei.
- Düngen: Wer vor der Aussaat bereits Kompost oder Mist eingearbeitet hat, muss während der Wachstumsphase nicht zusätzlich düngen.
- Ernten: Ab Oktober die Wurzeln mit einer Grabegabel vorsichtig aus der Erde lösen – möglichst nah an der Wurzel einstechen und die Erde lockern, bis sich die Haferwurzel herausziehen lässt. In einer sandbefüllten Kiste, etwa im Keller, lässt sie sich über den Winter lagern.
- Überwintern im Beet: Als winterharte Pflanze kann die Haferwurzel auch bis in den Winter im Boden bleiben und bei Bedarf frisch geerntet werden. In den kalten Monaten sollte sie dafür mit etwas Stroh abgedeckt werden, um sie vor dem Erfrieren zu schützen.
Anders als die Schwarzwurzel muss die helle Haferwurzel vor dem Kochen nicht geschält werden. Gründlich gewaschen und kleingeschnitten lässt sie sich anbraten oder in Salzwasser bissfest garen – und schmeckt auch als Püree gut.
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