Wer mit dem E-Bike unterwegs ist, macht häufiger Fehler, als ihm bewusst ist – und das gilt nicht nur für Einsteiger. Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) beobachtet, dass auch routinierte Pedelec-Fahrer beim Überholen, Bremsen und auf langen Touren regelmäßig Risiken eingehen.
Fehler beim Anfahren und Beschleunigen
Viele Neulinge unterschätzen, wie kraftvoll der Elektromotor reagiert. Wer beim Anfahren sofort viel Druck auf die Pedale gibt, wird vom plötzlichen Vortrieb überrascht und verliert leicht die Kontrolle. Der DVR empfiehlt, mit einer niedrigen Unterstützungsstufe zu starten – am besten auf sicherem, verkehrsarmem Gelände. „Beschleunigen Sie bewusst langsam und steigern Sie Tempo und Motorleistung erst, wenn Sie sich mit dem Fahrverhalten vertraut fühlen“, rät der DVR.
Eng damit verbunden ist ein zweiter Anfängerfehler: das falsche Einschätzen der eigenen Geschwindigkeit. Der elektrische Antrieb vermittelt ein Gefühl von Leichtigkeit und Kontrolle, weil die Beschleunigung mühelos erfolgt. Die tatsächliche Geschwindigkeit wird dadurch oft unterschätzt. Wer das Tempo bewusst an Umgebung, Verkehrsdichte und eigene Erfahrung anpasst, senkt das Unfallrisiko erheblich.
Bremsen und Kurvenfahren richtig lernen
Pedelecs sind schwerer als herkömmliche Fahrräder, was die Bremswege verlängert. Unerfahrene ziehen laut DVR häufig zu spät oder nur eine Bremse. Besser ist es, Vorder- und Hinterradbremse gleichzeitig und frühzeitig dosiert zu betätigen. Auf nassen oder rutschigen Wegen sollte die Bremskraft besonders vorsichtig aufgebaut werden.
Mehr zum Lesen
Auch in Kurven passieren typische Fehler: Anfänger fahren zu schnell hinein und richten den Blick geradeaus statt in den Kurvenverlauf. Das Tempo sollte bereits vor der Kurve reduziert werden. Den Blick auf die Kurveninnenseite richten, ruhig und gleichmäßig lenken – und möglichst nicht erst in der Kurve bremsen.
Bergabfahrten unterschätzen
Bergab werden viele Fahrer schneller als geplant, während das Abbremsen deutlich mehr Zeit benötigt als erwartet. Masse und Trägheit des Pedelecs spielen dabei eine größere Rolle als bei einem normalen Fahrrad. Sinnvoll ist es, früh Schwung herauszunehmen, gleichmäßig mit beiden Bremsen zu verzögern und das Körpergewicht leicht nach hinten zu verlagern.
Fehler, die sich bei Fortgeschrittenen einschleichen
Wer das E-Bike gut kennt, radelt oft schneller – manchmal zu schnell für die Verkehrssituation. Laut DVR wird gerade an bekannten Strecken, Kreuzungen oder bei schlechter Sicht die Geschwindigkeit nicht immer ausreichend reduziert. Auch auf vertrauten Wegen sollte das Tempo konsequent an Verkehr, Wetter und Sichtverhältnisse angepasst werden.
Riskante Überholmanöver sind ein weiteres Problem bei erfahrenen Fahrern: zu knapper Abstand, zu wenig Sicht. Das erhöht das Unfallrisiko und gefährdet andere Verkehrsteilnehmer. Überholen sollte nur mit ausreichend Abstand und guter Sicht erfolgen – im Zweifel lieber darauf verzichten.
Häufig missachtet wird auch die Verkehrsinfrastruktur: Fahren gegen die Fahrtrichtung oder das Benutzen von Gehwegen ohne ausdrückliche Freigabe führt laut DVR oft zu Konflikten mit Fußgängern und Kraftfahrzeugen. Radwege sind korrekt zu benutzen, Gehwege nur bei ausdrücklicher Freigabe – und der Abstand zu Fußgängern und parkenden Autos sollte stets ausreichen.
Handy am Lenker und Erschöpfung auf langen Touren
Das Smartphone während der Fahrt in die Hand zu nehmen ist – wie beim Auto – verboten. Selbst erfahrene Radfahrer lassen sich davon ablenken. Die geteilte Aufmerksamkeit verlängert Reaktionszeiten erheblich, warnt der DVR. Telefonieren per Freisprechanlage ist zwar erlaubt, aber auch dann können Gespräche ablenken. Das Smartphone sicher bedienen lässt sich nur im Stand.
Lange Strecken, hohe Durchschnittsgeschwindigkeiten und zu wenige Pausen führen zu Ermüdung – Konzentration und Reaktionsfähigkeit lassen nach, was besonders beim Bremsen und in Kurven gefährlich werden kann. Wer regelmäßige Pausen einplant, ausreichend trinkt und Tempo sowie Streckenlänge an die eigene Fitness anpasst, sollte außerdem bewusst auf Ermüdungsanzeichen achten und die Belastung rechtzeitig reduzieren.
Ihre Meinung hilft uns










Das Gespräch geht weiter
Kommentare