Der Krisenchat bietet Kindern und Jugendlichen bis 25 Jahre rund um die Uhr psychologische Unterstützung per WhatsApp oder Webchat – kostenlos, anonym und ohne Voranmeldung. Wer sich in einer Krise befindet, schreibt einfach eine Nachricht und wird von ausgebildeten Fachkräften betreut.
Was der Krisenchat ist und wie er entstanden ist
Den Krisenchat gibt es seit dem Frühjahr 2020. Drei Berliner Abiturient:innen gründeten ihn zu Beginn der Corona-Pandemie, während des ersten Lockdowns. Damals hatten Kinder und Jugendliche kaum Möglichkeiten, Freund:innen oder Beratungsstellen zu erreichen – Sport- und Freizeiteinrichtungen waren geschlossen, Mindestabstand und Maskenpflicht stellten für viele eine zusätzliche Belastung dar.
Die Gründer:innen wählten bewusst WhatsApp, weil der Messengerdienst unter jüngeren Generationen am bekanntesten ist. Telefonieren empfinden viele Betroffene als unangenehm oder es ist in bestimmten Situationen schlicht nicht möglich. Der Weg zu einer Therapie kostet noch mehr Überwindung. Das Chatformat soll diese Hürden abbauen und das Angebot so niedrigschwellig wie möglich halten.
Auch nach dem Ende der Pandemie wendet man sich an den Krisenchat bei Isoliertheit, Einsamkeit, Liebeskummer, häuslicher Gewalt, Alkohol- und Drogenkonsum, Streit oder Suizidgedanken – die Organisation ist für Krisen jeder Art da.
Krisenchat: So holst du dir Hilfe

Um die Beratung zu nutzen, schreibst du der Organisation einfach eine Nachricht. Die Nummer findest du auf der Website von Krisenchat. Eine Registrierung ist nicht erforderlich, das Angebot ist vollständig kostenlos. Du solltest allerdings unter 25 Jahre alt sein, um die vorhandenen Kapazitäten nicht zu überlasten.
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Anschließend meldet sich eine Krisenberaterin oder ein Krisenberater bei dir. Das Team besteht überwiegend aus Kinder- und Jugendpsychotherapeut:innen, Sozialpädagog:innen, Sozialarbeiter:innen und Erzieher:innen. Alle arbeiten ehrenamtlich und sind rund um die Uhr erreichbar – also zu jeder Tages- und Nachtzeit. Der Chat läuft so lange, wie du es möchtest; du kannst jederzeit abbrechen und dich auch zu einem späteren Zeitpunkt erneut melden.
Vor dem Einsatz durchlaufen die Berater:innen eine Schulung, die ein Starter-Training, zwei Workshops und ein Handbuch umfasst. Bist du mit einer Beratung nicht zufrieden, kannst du den Chat stoppen und dich wenige Minuten später erneut melden – so erreichst du möglicherweise eine andere Ansprechperson.
WhatsApp als Krisenberatung: Was mit deinen Daten passiert

Laut Angaben der Organisation ist WhatsApp sicherer als E-Mail oder SMS, weil der Messengerdienst eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung nutzt. Daten werden dabei nur auf speziellen Servern und dem Gerät des Gegenübers gespeichert, sowohl bei der Übertragung als auch auf den Servern verschlüsselt. WhatsApp als Unternehmen hat theoretisch zu keinem Zeitpunkt direkten Zugriff auf versendete Nachrichten.
Gleichwohl wird WhatsApp in Datenschutzfragen immer wieder kritisch bewertet, unter anderem von der Deutschen Gesellschaft für Datenschutz. Hintergrund ist vor allem, dass der Dienst zum Facebook-Konzern gehört, der in der Vergangenheit in mehrere Datenskandale verwickelt war.
Seit 2025 gibt es alternativ eine eigene Chatfunktion auf der Krisenchat-Website. Über den Button „Zum Chat“ oben rechts auf der Seite lässt sich der Webchat direkt öffnen. Auch dafür verspricht Krisenchat eine sichere Datenverarbeitung; unabhängige Bewertungen dazu liegen bislang nicht vor.
Krisenchat ersetzt keine Therapie

Bislang ist eine Kontaktaufnahme ausschließlich per Chat möglich – Anrufe sind nicht vorgesehen. Wer das als zu unpersönlich empfindet, kann auf Beratungs-Hotlines wie die Nummer gegen Kummer zurückgreifen.
Der Krisenchat ist kein Ersatz für eine Psychotherapie. In einer Therapie finden regelmäßige Gespräche mit einer festen Ansprechperson statt, was den Aufbau von Vertrauen erleichtern und eine Begleitung über einen längeren Zeitraum ermöglichen kann. Wer dauerhaft Unterstützung braucht, sollte sich nach Therapiemöglichkeiten erkundigen oder Sozialarbeiter:innen an der Schule oder in einem Jugendhaus ansprechen.
Da Therapieplätze oft erst nach Wochen oder Monaten verfügbar sind, bietet der Krisenchat einen entscheidenden Vorteil: Sofort nach der ersten Nachricht meldet sich jemand und steht zur Verfügung.
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