Öko-Test hat 23 pflanzliche Präparate gegen Wechseljahresbeschwerden untersucht – darunter 17 Nahrungsergänzungsmittel und sechs apothekenpflichtige, freiverkäufliche Arzneimittel. Das Ergebnis bei den Nahrungsergänzungsmitteln ist eindeutig: 15 von 17 erhalten das Gesamturteil „ungenügend“, die restlichen zwei „mangelhaft“. Kein einziges Nahrungsergänzungsmittel schneidet besser als „mangelhaft“ ab.
Bewertet wurden Nutzen, Inhaltsstoffe, Warnhinweise, Werbeaussagen und Verpackung. Die Kosten pro höchster empfohlener Tagesdosis lagen bei den Arzneimitteln zwischen 35 Cent und 1,52 Euro, bei den Nahrungsergänzungsmitteln zwischen 12 Cent und 1,20 Euro.
Drei Arzneimittel mit Traubensilberkerzen-Extrakt erhalten „gut“
Bei den sechs pflanzlichen Arzneimitteln bewertet Öko-Test die Wirksamkeitsbelege insgesamt als gut. Drei Präparate mit Traubensilberkerzen-Extrakt erhalten das Gesamturteil „gut“. Laut Öko-Test beruht ihre Zulassung auf produktspezifischen Studien und/oder einer Monografie des HMPC-Ausschusses der europäischen Arzneimittelagentur (EMA).
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Das Urteil „sehr gut“ vergibt Öko-Test für keines der Mittel, weil die zugrunde liegenden Studien teilweise nicht mehr aktuellen wissenschaftlichen Standards entsprechen. Das günstigste der drei mit „gut“ bewerteten Präparate ist „Dr. Böhm Traubensilberkerze 6,5 mg Filmtabletten“ mit 35 Cent pro höchster empfohlener Tagesdosis.
Bekannte Marken unter den schlechtesten Produkten
Zu den Nahrungsergänzungsmitteln mit dem Urteil „ungenügend“ gehören Produkte bekannter Hersteller:
- Aktiv-Meno Soja-Isoflavone + Calcium + D3 von Doppelherz aktiv
- Femibion Menopause Hitzewallungen von Femibion
- Mivolis Meno Aktiv von dm
Für Isoflavone aus Soja oder Rotklee sieht Öko-Test bei gesunden Anwenderinnen ab mindestens 30 Milligramm pro Tag einen möglichen, aber nur teilweise belegten Nutzen. Für viele andere Pflanzenstoffe wie Hopfen ist der Nutzen bislang nicht ausreichend belegt. Mischungen mehrerer Pflanzenstoffe bewertet Öko-Test kritisch, weil mögliche Wechselwirkungen schwer einzuschätzen sind.
Zugesetzte Vitamine und Mineralstoffe bringen laut den Testerinnen und Testern keinen automatischen Vorteil. Öko-Test wertet solche Zusätze ab, weil es keine allgemeine Empfehlung deutschsprachiger Ernährungsfachgesellschaften zur Einnahme bestimmter Vitamine oder Mineralstoffe in den Wechseljahren gibt. Vitamin B6 war in mehreren Produkten höher dosiert als in den Höchstmengenempfehlungen des Bundesinstituts für Risikobewertung vorgesehen.
Bei 15 von 17 Nahrungsergänzungsmitteln fehlten Warnhinweise
Bei 15 der 17 getesteten Nahrungsergänzungsmittel fehlte mindestens ein geforderter Warnhinweis – etwa auf ärztliche Rücksprache, mögliche Erkrankungen oder eine begrenzte Einnahmedauer. Bei drei pflanzlichen Arzneimitteln kritisiert Öko-Test außerdem den Einsatz von Talkum; zwei Filmtabletten werden zusätzlich wegen Titandioxid abgewertet.
Gynäkologische Beratung statt ungezielter Selbstmedikation
Der Öko-Test-Befund spricht eher für geprüfte pflanzliche Arzneimittel als für Nahrungsergänzungsmittel. Wer unter Wechseljahresbeschwerden leidet, sollte sich gynäkologisch beraten lassen und die Ärztin oder den Arzt über eingenommene Nahrungsergänzungsmittel informieren, damit mögliche Wechselwirkungen mit Arzneimitteln berücksichtigt werden können. Die vollständigen Testergebnisse sind in der Öko-Test-Ausgabe 10/26 sowie auf oekotest.de abrufbar.
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