Ob man mit Husten ins Büro geht oder zu Hause bleibt, hängt von vielen Faktoren ab – und ist letztlich eine sehr persönliche Abwägung. Drei konkrete Fragen können dabei helfen, die richtige Entscheidung zu treffen.
Die Bundesregierung plant im Rahmen ihres Reformpakets, die telefonische Krankschreibung abzuschaffen. Zusätzlich soll die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung künftig bereits ab dem ersten Krankheitstag vorliegen. Wann genau die neuen Regelungen in Kraft treten, ist noch nicht festgelegt. Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer, äußerte sich skeptisch: Die Pläne würden zu „übervollen Praxen, einem Wust an zusätzlicher Bürokratie und einem enormen Zeitaufwand“ führen. Er sieht die Ursachen für den hohen Krankenstand – rund 19 Tage pro Arbeitnehmer:in im Jahr 2025 – auch in Betriebsklima, Wertschätzung, Arbeitsbedingungen und der Möglichkeit zur Mitgestaltung.
Der Anstieg der erfassten Krankentage hängt auch mit der Umstellung auf die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung im Jahr 2022 zusammen: Zuvor wurden die Krankenkassen schlicht nicht immer vollständig informiert.
Arbeitsunfähigkeit ist keine einheitliche Schwelle
„Manche können mit Kopfschmerzen gar nicht arbeiten, andere haben häufig leichte Kopfschmerzen, ohne dass es sie weiter beeinträchtigt“, erklärte Ralf Hirmke, Vorstand der BKK ZF & Partner, 2024 gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Genauso gebe es Menschen, die mit einer Erkältung im Bett liegen müssen, und andere, die stolz darauf sind, kaum Fehltage zu haben.
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Letzteres hat jedoch einen Namen und negative Folgen: Präsentismus. Hirmke warnt: „Wenn Beschäftigte wirklich krank zur Arbeit in den Betrieb kommen, hat das in erster Linie negative Konsequenzen.“
Drei Fragen für die persönliche Entscheidung
Utz Niklas Walter, Leiter des IFBG, empfiehlt, sich vor der Entscheidung zu fragen, wie man sich selbst, den Kolleg:innen und dem Arbeitgeber den größten Gefallen tut. Dazu sei ein Gefühl der Verantwortung gegenüber allen Beteiligten notwendig. Walter rät, sich ehrlich drei Fragen zu stellen:
- Stecke ich jemanden an?
- Ist es wahrscheinlich, dass ich bei der Arbeit Fehler mache?
- Verschleppe ich meine Krankheit?
Wer diese Fragen ehrlich beantwortet, solle auf dieser Basis eine Entscheidung treffen – und dann selbstbewusst dazu stehen.
Wenn Kolleg:innen offensichtlich krank erscheinen
Ist eine Kollegin oder ein Kollege sichtbar krank und sollte eigentlich nicht arbeiten, rät Hirmke: „Falls ein guter Zugang zur betroffenen Person besteht, sollte man das Gespräch suchen.“ Fragen nach Symptomen und dem persönlichen Befinden können helfen, gemeinsam eine Lösung zu finden. Ist das Verhältnis weniger vertrauensvoll, kann man die Person auch ermutigen, mit der Führungskraft zu sprechen.
Verdacht auf Krankfeiern: So geht man damit um
Wenn einzelne Teammitglieder regelmäßig und offensichtlich ohne echten Grund fehlen, hängt die richtige Reaktion stark vom persönlichen Verhältnis ab. „Wenn es bereits Konflikte gibt, ist man kaum die richtige Person, um das Thema anzusprechen“, so Hirmke. Bei einem guten Verhältnis kann ein klärendes Gespräch ohne Vorwürfe helfen.
Auch positive Verstärkung kann laut Walter wirken – etwa indem man Freude darüber ausdrückt, wenn die Person anwesend ist. „Das ist aber immer eine Gratwanderung, für die man entweder gut geschult sein muss oder für die es ein gutes Verhältnis zueinander braucht“, so Walter. Als zweiten Schritt sei es möglich, vorsichtig ans Pflichtbewusstsein zu appellieren – etwa mit dem Hinweis: „Hör mal zu, ich muss dir schon gestehen, dass du uns zu viel zumutest, wenn du so oft fehlst.“
Wo viele Teammitglieder gleichzeitig fehlen oder angeschlagen zur Arbeit erscheinen, kann Walter zufolge eine sogenannte „Wohlfühlstunde“ helfen: ein offenes Teamgespräch darüber, wie man gemeinsam mit Krankheit umgehen möchte.
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