Wer im Herbst leere Beete einfach sich selbst überlässt, verschenkt eine wichtige Gelegenheit: Gründüngung verbessert den Boden, schützt ihn vor Erosion und Austrocknung und macht synthetischen Dünger überflüssig. Dafür säst du gezielt bestimmte Pflanzen aus, die den Boden nähren, lockern und beleben – damit du im Frühjahr sofort wieder einpflanzen kannst.
Warum Gründüngung besser ist als Kunstdünger
Kunstdünger hat schädliche Auswirkungen auf den Boden, Ökosysteme und das Klima. Besonders problematisch: Durch seinen hohen Einsatz gelangen zu große Mengen Stickstoff in die Umwelt, was die Nitratwerte im Grundwasser so weit erhöhen kann, dass dieses nicht mehr trinkbar ist.
Gründüngung arbeitet stattdessen nach dem Prinzip der Permakultur. Du überlegst, welche Pflanzen sich gegenseitig optimal ergänzen, und säst Arten aus, die den Nährstoffgehalt im Boden anheben und ausgleichen. So wird synthetischer Dünger überflüssig.
So funktioniert Gründüngung im Boden:
- Lupinen und andere Schmetterlingsblütler wandeln Stickstoff aus der Luft in Nitrat um, das die Wurzeln aufnehmen können.
- Tiefe Wurzeln lockern den Boden auf – Umgraben wird dadurch hinfällig.
- Nach dem Absterben der Pflanzen versorgen sie Regenwürmer und andere Bodenlebewesen mit Futter und unterstützen die Humusbildung.
- Das Ganze stärkt das Ökosystem des Gartens als geschlossenen Kreislauf.
Gründüngung schützt auch bei Trockenheit
Längere Trockenphasen im Sommer und Herbst setzen unbedeckte Beete unter Druck. Gründüngungspflanzen beschatten den Boden und sorgen für ein kühleres Kleinklima direkt an der Erdoberfläche. Unbedeckte Beete hingegen trocknen schnell aus, verkrusten und werden für Bodenlebewesen zur feindlichen Umgebung.
Dazu kommt ein weiterer Effekt: Gründüngungspflanzen fördern das Bodenmikrobiom – die Gemeinschaft aus Bakterien, Pilzen und anderen Kleinstlebewesen, die den Boden lebendig halten. Eine Studie der Technologischen Universität Aichi (Japan) hat gezeigt, dass Gründüngung in Kombination mit Fruchtwechsel das Bodenmikrobiom nachweislich verbessert und damit die Pflanzengesundheit langfristig stärkt. Je regelmäßiger du Gründüngung einsetzt, desto widerstandsfähiger wird dein Boden gegenüber Hitze und Dürre.
Was Gründüngung alles leistet
Gründüngung kann mehr als nur Nährstoffe liefern. Diese Vorteile bietet sie konkret:
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- Nährstoffversorgung der Pflanzen
- Bodenlockerung durch tiefe Wurzeln
- Insekten werden durch blühende Gründünger angelockt – davon profitieren Obstbäume
- Nach dem Absterben entsteht eine schützende Schicht Mulch
- Schädlinge im Boden können beispielsweise durch Studentenblumen eingedämmt werden
- Keine Verschlämmung, weil die Pflanzendecke den Boden festigt
- Weniger Unkraut, weil leere Stellen bepflanzt sind
- Bessere Wasserspeicherung dank lockerem Boden
Graham Bell empfiehlt in seinem Buch Der Permakultur-Garten. Anbau in Harmonie mit der Natur unter anderem diese Gründüngungspflanzen: Borretsch, Buchweizen, Wiesenloch, Lupine, Gelbklee, Radieschen und Ackerwicke.
Wichtig bei Senf: Als Kreuzblütler kann Senf Kohl-Krankheiten begünstigen. Auf Beeten, auf denen du Kohl, Kohlrabi oder Brokkoli anbaust oder planst, ersetzt du ihn besser durch Phacelia oder Wicke.
Besonders empfehlenswert ist Phacelia (Büschelschön): Die blauviolett blühende Pflanze gilt als eine der besten Bienenweiden unter den Gründüngern und lockt neben Honigbienen auch Hummeln und andere Wildbienen an. Der NABU empfiehlt sie ausdrücklich für den naturnahen Garten. Da Phacelia mit keiner Gemüsepflanze verwandt ist, kann sie auf nahezu allen Beeten eingesetzt werden – ohne das Risiko, Krankheiten zu übertragen.
Die richtige Pflanze für den richtigen Zweck
Besserer Boden: Winterroggen lockert den Boden und hinterlässt fein krümelige Erde. Er verhindert außerdem Unkrautwuchs und eignet sich besonders gut nach Kartoffeln, Bohnen oder Kohl – nicht jedoch zusammen mit Mais. Luzerne und verschiedene Kleearten lockern ebenfalls den Boden, sammeln Stickstoff und regen die Humusbildung an. Sie vertragen sich allerdings nicht mit anderen Hülsenfrüchten.
Erosionsschutz im Winter: Wenn Beete im Winter brach liegen, wird der Boden abgetragen, abgespült oder verschlammt. Geeignete Gründünger dagegen sind Kleegrasmischungen, Weidelgras, Chinakohlgemüse und Dinkel.
Stickstoff und Nitrat: Nach dem Sommer sind die meisten Nährstoffe verbraucht. Vogelmiere, Senf, Lupine, Wicke, Erbse, Klee und Bohnen versorgen den Boden schnell wieder mit Stickstoff, indem sie ihn zusammen mit Bakterien aus der Luft im Boden fixieren und in Nitrat umwandeln.
Bodenlockerung: Pflanzen mit langem Wurzelwerk dringen in tiefe Schichten vor und lockern feste Böden auf. Geeignet sind Ölrettich, Luzerne, Lupinen, Winterraps und Ackerbohnen.
Unkrautschutz: Mehrjährige Kleegrasbestände sowie Raigräser und Deutsches Weidelgras verhindern, dass sich Unkräuter im Winter ausbreiten.
Schritt für Schritt zur Gründüngung
Die Gründüngung lässt sich in zwei Phasen unterteilen: Aussäen und Einarbeiten.
Schritt 1: Aussäen (März bis Oktober)
- Entferne zuerst das Unkraut vom Beet.
- Lockere den Boden mit dem Gruber auf.
- Verteile die Samen großzügig – per Hand oder mit dem Streuwagen, je nach Fläche.
- Arbeite die Saat mit einer Heuharke leicht in den Boden ein.
Schritt 2: Einarbeiten und Mulchen
- Mähe die Gründüngungspflanzen vor der Samenreife ab.
- Lass das Mähgut auf dem Boden liegen, damit es verrotten kann.
Je nach Pflanzenart lässt du die Gründünger fünf bis zehn Wochen stehen, bevor du sie abmähst und einarbeitest. Nicht winterharte Pflanzen, die spät ausgesät wurden, müssen nicht abgemäht werden – sie erfrieren vor der Samenreife und werden erst im Frühjahr flach in den Boden eingearbeitet. Nach drei bis vier Wochen kannst du das Beet neu bestellen.
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