Der Blick auf das Girokonto sagt wenig über finanzielle Sicherheit aus – entscheidend sind deine laufenden Ausgaben, Verbindlichkeiten und sonstigen Vermögenswerte. Dennoch helfen konkrete Zahlen dabei, den eigenen Kontostand einzuordnen.
Was der Durchschnitt und der Median über deutsche Girokonten verraten
Die Deutsche Bundesbank hat in ihrem Monatsbericht von April 2025 Daten veröffentlicht, die 2023 erhoben wurden. Demnach lag der durchschnittliche Kontostand auf deutschen Girokonten bei 12.200 Euro. Dieser Wert wird jedoch von wenigen sehr hohen Guthaben nach oben verzerrt. Der aussagekräftigere Median – die Hälfte der Menschen hat mehr, die andere Hälfte weniger – lag lediglich bei 3.000 Euro.
Aufgeschlüsselt nach Altersgruppen ergibt sich beim Median folgendes Bild:
- 16 bis 24 Jahre: 3.000 Euro
- 25 bis 34 Jahre: 2.300 Euro
- 35 bis 44 Jahre: 2.400 Euro
- 45 bis 54 Jahre: 3.300 Euro
- 55 bis 64 Jahre: 3.500 Euro
- 65 bis 74 Jahre: 3.900 Euro
- ab 75 Jahren: 4.800 Euro
Ein niedriger Girokontostand bedeutet nicht automatisch, dass jemand arm ist. Er kann ebenso zeigen, dass überschüssiges Geld sinnvoll anderweitig angelegt wird – etwa auf Sparkonten, in Wertpapieren oder Immobilien.
Durchschnittliches Nettovermögen in Deutschland nach Altersgruppe
Auch beim Gesamtvermögen liefert die Bundesbank konkrete Zahlen. Das Nettovermögen – also Bruttovermögen abzüglich Schulden – betrug im bundesweiten Durchschnitt 324.800 Euro. Der Median lag mit 103.200 Euro auf weniger als einem Drittel dieses Wertes. Nach Altersgruppen aufgeteilt ergibt der Median folgende Werte:
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- 16 bis 24 Jahre: 13.000 Euro
- 25 bis 34 Jahre: 19.100 Euro
- 35 bis 44 Jahre: 75.100 Euro
- 45 bis 54 Jahre: 156.200 Euro
- 55 bis 64 Jahre: 255.900 Euro
- 65 bis 74 Jahre: 211.900 Euro
- ab 75 Jahren: 149.400 Euro
Wie viel Geld du tatsächlich auf dem Girokonto brauchst
Beim Girokonto zählt vor allem eines: Es muss genug Geld vorhanden sein, um alle Fixkosten, Kartenzahlungen und unerwartete Abbuchungen zu decken. Als Faustregel gilt, den Betrag für einen Monat Ausgaben plus einen Puffer von einigen Hundert Euro bereitzuhalten.
Bei stabilem Budget reichen in der Regel ein bis zwei Monatsausgaben. Wer schwankende Einnahmen hat – etwa als Selbstständige:r – benötigt einen größeren Puffer. Den passenden Richtwert ermittelst du am einfachsten so: Schau dir die Kontoumsätze der vergangenen drei Monate an, nimm den höchsten monatlichen Ausgabenbetrag und addiere einige Hundert Euro für unvorhergesehene Abbuchungen. Alles darüber hinaus dient eher der Bequemlichkeit als der finanziellen Sicherheit.
Vier Warnsignale, dass das Geld knapp wird
- Lastschriften platzen oder Daueraufträge werden nicht ausgeführt.
- Du rutschst regelmäßig ins Minus und bleibst dort mehrere Wochen.
- Du nutzt den Dispositionskredit als Dauerlösung.
- Du erhältst Mahnungen, weil Abbuchungen scheitern.
Der Dispo ist eine besonders teure Lösung: Laut dem Vergleichsportal Bankdaten.de verlangen Banken derzeit zwischen 7 und 20 Prozent Zinsen pro Jahr. Die Bafin beziffert den Durchschnitt auf 11,31 Prozent pro Jahr. Wer dauerhaft im Minus steckt, sollte die Ausgaben sortieren, mit Gläubiger:innen sprechen, Ratenzahlungen vereinbaren und bei Bedarf professionelle Hilfe suchen.
Zu viel Geld auf dem Girokonto: So legst du Überschüsse sinnvoll an
Girokonten werfen nahezu keine Zinsen ab, während die Inflation die Kaufkraft des Guthabens kontinuierlich mindert. Wer dauerhaft mehr als den eigenen Monatsbedarf plus Puffer auf dem Girokonto lässt, verschenkt finanzielles Potenzial.
Für eine Notfallreserve bietet ein Tagesgeldkonto die sinnvollere Alternative: Es verzinst das Guthaben und ermöglicht Überweisungen zurück aufs Girokonto in der Regel innerhalb von ein bis zwei Werktagen – bei Echtzeitüberweisungen oder gleicher Bank auch in Sekunden. Als Richtwert sollten Angestellte mindestens drei Nettomonatsgehälter auf dem Tagesgeldkonto vorhalten, Selbstständige mindestens sechs.
Für Beträge, auf die du über einen festgelegten Zeitraum verzichten kannst, eignet sich Festgeld: Der Zins ist garantiert und in der Regel höher als beim Tagesgeld, allerdings steht das Geld bis zum Laufzeitende nicht zur Verfügung.
Bei sehr großen Summen gilt außerdem: Bei Banken mit Sitz in der Europäischen Union sind Bankguthaben pro Person und Bank bis zu 100.000 Euro gesetzlich geschützt. Liegt das Vermögen deutlich über dieser Grenze, empfiehlt es sich, es auf mehrere Banken zu verteilen.
Drei Schritte, um dein Girokonto besser zu organisieren
- Zielguthaben definieren: Prüfe die Ausgaben der vergangenen drei Monate, nimm den höchsten Monatswert und addiere einen realistischen Puffer. Diese Summe sollte zu Monatsbeginn stets auf dem Girokonto liegen.
- Tagesgeldkonto eröffnen und befüllen: Alles, was den Girokonto-Zielwert übersteigt, wandert zunächst auf das Tagesgeldkonto – solange, bis drei Nettomonatsgehälter (oder sechs bei Selbstständigkeit) als Reserve vorhanden sind.
- Sparen automatisieren: Richte einen Dauerauftrag ein, der kurz nach dem Gehaltseingang einen festen Betrag auf das Tagesgeldkonto überweist – und achte darauf, dass dabei genug auf dem Girokonto verbleibt, um laufende Ausgaben zu bestreiten.
Wer darüber hinaus Geld übrig hat, sollte sich mit weiteren Anlageformen befassen. Festgeld oder andere Anlageprodukte kommen infrage, sobald die Notfallreserve auf dem Tagesgeldkonto gesichert ist.
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