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Solar Grazing im Solarpark: Was Schafe wirklich leisten – und welche Pflichten du übernimmst

Solar Grazing im Solarpark: Was Schafe wirklich leisten – und welche Pflichten du übernimmst

Beim Solar Grazing halten Schafe die Vegetation unter PV-Freiflächenanlagen kurz und ersetzen so das regelmäßige Mähen oder den Einsatz von Herbiziden. Ob das Konzept tatsächlich Kosten spart und Nachhaltigkeitsziele erfüllt, hängt stark von der Anlage, dem Vertrag und dem Pflegekonzept ab.

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Was Solar Grazing ist – und was es nicht ist

Solar Grazing beschreibt die Beweidung von Flächen unter Photovoltaik-Freiflächenanlagen durch Schafe. Es gilt als Alternative zum maschinellen Mähen oder zur chemischen Unkrautkontrolle.

Wichtig: Solar Grazing ist nicht dasselbe wie Agri-Photovoltaik (Agri-PV). Das Bundesamt für Naturschutz definiert Agri-PV als Kombination aus Stromerzeugung und landwirtschaftlicher Nutzung auf derselben Fläche. Einen eigenen Normbegriff für Solar Grazing führt es nicht. Schafe auf einem Solarpark machen die Anlage also nicht automatisch zur Agri-PV-Fläche.

Solar Grazing in Deutschland: Wo es funktioniert

Solar Grazing funktioniert laut der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft ausschließlich auf PV-Freiflächenanlagen – nicht auf Dach- oder gebäudeintegrierten Anlagen. Freiflächenanlagen finden sich besonders häufig in ostdeutschen Bundesländern, wo große Solarparks entstanden sind.

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Ein aktuelles Beispiel aus Brandenburg: In Georgenthal halten rund 220 Schafe auf etwa 55 Hektar die Vegetation kurz. In der Praxis läuft Solar Grazing meist als Kooperation: Der Anlagenbetreiber stellt die Fläche zur Verfügung, eine Schäferei übernimmt Beweidung und Tierkontrolle.

Kosten und Nutzen: Was Studien zeigen

Ob Solar Grazing in Deutschland Kosten spart, lässt sich bisher nicht pauschal belegen. Hinweise liefern vor allem US-amerikanische Studien.

  • Eine Studie von 2025 aus dem Nordosten der USA zeigt, dass die Kosten bei langfristigen Verträgen und gesicherter Flächenkontrolle auf Dauer ähnlich hoch sein können wie beim konventionellen Mähen.
  • Eine vom U.S. Geological Survey zusammengefasste Studie kommt für eine Anlage mit rund 22 Hektar und 18 Megawatt zu dem Ergebnis, dass acht Schafe pro Hektar ausreichen können, um Überwuchs und Verschattung ohne maschinelles Mähen zu verhindern.
  • Bei der Bodenqualität zeigen sich in der 2025er-Studie Unterschiede: Der Anteil organischer Substanz lag an beweideten Standorten bei rund 4,6 Prozent, an nicht beweideten bei rund 3,5 Prozent. Solar Grazing kann damit möglicherweise zur Bodenverbesserung beitragen – endgültig belegt ist das aber noch nicht.

Allerdings wird ein Solarpark durch Schafe nicht automatisch ökologischer. Das Bundesamt für Naturschutz kritisiert, dass viele bestehende Solarparks kaum naturschutzfachlich wertvolle Lebensräume sind, wenn bei Gestaltung und Pflege die Wirtschaftlichkeit im Vordergrund steht. Wird weiterhin gemulcht – also der Aufwuchs maschinell gehäckselt und auf dem Boden belassen – kann das die Pflanzenvielfalt reduzieren, das Nahrungsangebot einschränken und die Artenvielfalt gefährden.

Technische Mindestvoraussetzungen für die Anlage

Damit Schafe keinen Schaden anrichten und selbst nicht zu Schaden kommen, muss die Freiflächenanlage baulich geeignet sein. Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft nennt folgende Anforderungen:

  • Modulhöhe: Die Modulunterkante sollte für Wirtschaftsschafe mindestens 80 Zentimeter über dem Boden liegen – auch auf unebenem Gelände. Zu niedrige Module gefährden das Tierwohl: Schafe können sich an Kanten am Rücken oder Brustkorb verletzen, und Lämmer können sich von Mutterschafen trennen.
  • Kabel: Herabhängende Kabelschlaufen dürfen für die Tiere nicht erreichbar sein. Leitungen müssen befestigt und geschützt oder außerhalb der Reichweite der Schafe verlegt sein.
  • Zaun: Sind Sicherheitszäune am Boden 15 bis 20 Zentimeter offen, können Lämmer ausbrechen oder Füchse eindringen. Der Zaun muss entsprechend angepasst werden.
  • Empfindliche Technik: Wechselrichter und ähnliche Einbauten sollten separat umzäunt oder gegen Verbiss gesichert sein.

Tierwohl und Haltungspflichten

Solar Grazing ist Schafhaltung – und bringt entsprechende Pflichten mit sich. Die Tierschutzleitlinie des niedersächsischen LAVES schreibt vor, dass Halterinnen und Halter ihre Schafe mindestens einmal täglich kontrollieren. Bei Lammzeit, ungünstiger Witterung oder Parasitengefahr muss häufiger kontrolliert werden. Elektrozäune sowie Wasser- und Futtertechnik sind ebenfalls täglich auf Mängel zu prüfen.

Weitere Herausforderungen im Überblick:

  • Herdenschutz: Weidetiere sind in vielen Teilen Deutschlands durch Wölfe gefährdet. Übliche Weidesicherheit kann dann nicht mehr ausreichen, sodass höhere oder stärker elektrifizierte Zäune oder Herdenschutzhunde nötig werden.
  • Parasitenmanagement: Als allgemeine Empfehlung gilt eine kurze Weidezeit von etwa vier Tagen, gefolgt von einer langen Ruhezeit. Ist das Futter abgefressen, müssen die Tiere auf eine neue Koppel umziehen, um Überweidung zu vermeiden.
  • Nässe: Bei Nässe steigt das Risiko für Trittschäden und Klauenprobleme. Staunässebereiche sollten eingezäunt werden; regelmäßig genutzte Wege können bei Bedarf befestigt werden.
  • Mulchen mit Schafen: Wird weiterhin maschinell gemulcht, dürfen laut Bundesamt für Naturschutz keine Schafe auf der Weide sein, da rotierende Messer die Tiere verletzen können.

Checkliste: Passt Solar Grazing zu deiner PV-Freiflächenanlage?

Vor der Umsetzung solltest du folgende Punkte klären:

  1. Anlagentyp: Es muss eine PV-Freiflächenanlage sein – Aufdach- und gebäudeintegrierte Anlagen scheiden aus.
  2. Modulhöhe: Die Modulunterkante muss für Wirtschaftsschafe mindestens 80 Zentimeter über dem Boden liegen.
  3. Kabel: Keine herabhängenden Kabelschlaufen; alle Leitungen müssen für Tiere unerreichbar oder geschützt sein.
  4. Zaun: Sicherheitszäune müssen unten schließen oder eine zusätzliche stromführende Litze nahe am Boden haben.
  5. Tierkontrolle: Tiere, Zäune sowie Wasser- und Futtertechnik müssen mindestens einmal täglich kontrollierbar sein.
  6. Standort: Kontaminierte Flächen, Flughäfen und Wasserschutzgebiete der Zone II sind ungeeignet.
  7. Wirtschaftlichkeit: Langfristige Verträge und klare Flächenkontrolle einplanen – US-Studien legen nahe, dass die Kosten erst unter diesen Bedingungen mit denen des Mähens vergleichbar sein können.

Kläre schriftlich, wer die Tiere kontrolliert, Wasser bringt, Zäune wartet, Schäden meldet und Versicherungsfragen prüft. Haftung und Arbeitsschutz müssen vertraglich geregelt sein. Schäferei, Anlagenbetreiber, Elektrofachbetrieb und gegebenenfalls die Naturschutzbehörde sollten frühzeitig einbezogen werden.

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