Nützliche Tipps

E-Bike statt Auto: Wann der Umstieg wirklich etwas fürs Klima bringt

E-Bike statt Auto: Wann der Umstieg wirklich etwas fürs Klima bringt

Ein E-Bike lohnt sich vor allem dann, wenn es Autofahrten ersetzt – das zeigt eine Studie des Instituts für Energie und Umweltforschung Heidelberg (ifeu). Wer dagegen ohnehin meist mit dem Fahrrad oder den Öffis unterwegs ist, kauft mit einem Pedelec nicht automatisch das nachhaltigere Verkehrsmittel.

Artikel teilen

XRedditLinkedIn

Pedelec, E-Bike, S-Pedelec: Was ist eigentlich was?

Was im Alltag als E-Bike gilt, ist rechtlich ein Pedelec: ein elektrisches Fahrrad, das Motorunterstützung nur beim Treten liefert und maximal 25 km/h unterstützt. Ein echtes E-Bike im rechtlichen Sinne fährt hingegen auf Knopfdruck auch ohne Pedalunterstützung, darf dabei aber höchstens 6 km/h erreichen – sonst gilt es als Kraftfahrzeug. Diese Kategorie spielt auf dem deutschen Markt kaum eine Rolle.

Das S-Pedelec unterstützt mit Pedalantrieb bis zu 45 km/h und gilt als Leichtkraftrad. Wer eines fahren möchte, braucht ein Versicherungskennzeichen, eine Haftpflichtversicherung sowie eine Fahrerlaubnis der Klasse AM. Helm tragen ist Pflicht, und Radwege dürfen bislang nicht genutzt werden – einzelne Bundesländer wie Nordrhein-Westfalen haben allerdings beschlossen, diese Entscheidung künftig den Kommunen zu überlassen.

Laut Zahlen des Zweirad-Industrie-Verbandes (ZIV) wurden 2025 in Deutschland rund zwei Millionen E-Bikes verkauft – mehr als doppelt so viele wie noch 2018. Erstmals wurden damit mehr E-Bikes als Fahrräder ohne Motor abgesetzt.

CO₂-Bilanz: E-Bike schlägt Auto und Öffis deutlich

Die ifeu-Studie untersuchte über knapp drei Jahre die Klimaeffekte von Pedelec-Nutzung im Individualverkehr. Das Ergebnis ist eindeutig: Der größte Klimavorteil entsteht, wenn das E-Bike Pkw-Fahrten ersetzt. Ein mittlerer Diesel- oder Elektro-Pkw (beim deutschen Strommix zum Zeitpunkt der Studie) verursachte 150 Gramm CO₂-Äquivalente pro Personenkilometer, ein Benziner 170 Gramm. Das Pedelec kam im Schnitt deutlich unter 20 Gramm pro Kilometer – Akkuherstellung eingerechnet. Die Klimawirkung des Autos lag damit bis zu elfmal höher.

Neueste Beiträge

Mehr zum Lesen

Neues aus der Redaktion
01Staub an der Kühlschrank-Lüftung kostet bares Geld – so reinigst du sie richtig02Rote Bete kochen: So bleibt die Farbe erhalten – und das Gemüse wird richtig gar03Felsenbirne im Garten: Pflanzzeit, Pflege und was du aus den Früchten machen kannst

Auch gegenüber dem öffentlichen Nahverkehr schneidet das E-Bike laut Studie gut ab: Die Klimawirkungen von Pedelec-Fahrten waren fünfmal niedriger als die von ÖPNV-Fahrten. Den größten positiven Effekt verzeichneten Berufspendlerinnen und -pendler, die regelmäßig mit dem E-Bike zur Arbeit fuhren.

E-Bike vs. Fahrrad: Mehr Ressourcen, mehr Aufwand

Wer ein Pedelec mit einem klassischen Fahrrad vergleicht, muss einen anderen Maßstab anlegen. Die Herstellungsemissionen eines E-Bikes liegen laut ifeu-Studie etwa 35 Prozent über denen eines herkömmlichen Fahrrads – Motor und Akku schlagen zusätzlich zum Rahmen und den anderen Bauteilen zu Buche. Hinzu kommt der Stromverbrauch beim Laden: Ein 500-Wh-Akku verbraucht pro Ladung rund 0,5 kWh, über 1.000 Ladezyklen summiert sich das auf 500 kWh. Irgendwann wird zudem ein Akkutausch fällig.

Auf kurzen, ebenen Strecken ohne größere Transportlast ist ein normales Fahrrad für Menschen ohne körperliche Einschränkungen deshalb oft die sinnvollere Wahl.

Alltagstauglichkeit: Wetter, Infrastruktur und Saisonalität

Die ifeu-Studie zeigte außerdem, dass die Teilnehmenden 70 Prozent ihrer Pedelec-Wege in den Monaten April bis September zurücklegten – im Winter nutzten sie das E-Bike deutlich seltener. Schlechtes Wetter und schwierige Radwegbedingungen, besonders in Großstädten, schränken die Alltagstauglichkeit ein.

Auch an vielen Arbeitsplätzen fehlt es an sicheren Abstellmöglichkeiten und Duschmöglichkeiten für Radpendlerinnen und -pendler. Dienstrad-Programme wie Jobrad ermöglichen es Angestellten indes, hochwertige Fahrräder und E-Bikes zu günstigen Konditionen zu leasen.

Für wen sich ein E-Bike wirklich lohnt

Ein E-Bike kann besonders dann sinnvoll sein, wenn mehrere der folgenden Punkte zutreffen:

  • Die tägliche Strecke ist lang oder hügelig, sodass ein klassisches Fahrrad an Grenzen stößt.
  • Regelmäßige Autofahrten können dadurch eingespart werden.
  • Kinder oder schwerere Lasten sollen transportiert werden – etwa mit einem Lasten-E-Bike oder Anhänger.
  • Körperliche Einschränkungen wie Herzerkrankungen oder Übergewicht machen motorische Unterstützung sinnvoll.
  • Freizeitausflüge, die sonst mit dem Auto gemacht würden, lassen sich damit erledigen.

Eine Studie der Medizinischen Hochschule Hannover zeigt zudem, dass E-Bike-Fahren die Fitness steigert – besonders bei Menschen mit Vorerkrankungen oder geringer Grundfitness. „Entgegen vieler Vorurteile zeigen die Zahlen, dass Muskeln und das Herz-Kreislaufsystem beim Pedelecfahren nahezu so gefordert werden wie beim herkömmlichen Radfahren“, erklärt Dr. Hedwig Theda Boeck, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Klinik und eine der Erstautorinnen der Studie.

Neu oder gebraucht kaufen?

Ein gebrauchtes E-Bike in gutem Zustand ist aus Nachhaltigkeitssicht einem Neukauf vorzuziehen und rechnet sich oft auch finanziell schneller. Neben dem stationären Fachhandel bieten Online-Shops wie Rebike, Upway oder Velio aufbereitete Gebrauchtmodelle mit Garantie an.

Wer ein neues E-Bike kauft, sollte sich im Fachhandel beraten lassen und auf Qualität bei Akku, Motor, Bremsen, Gabel und Rahmen sowie auf die Verfügbarkeit von Ersatzteilen achten. Wer nur kurze, ebene Strecken ohne größere Steigungen zurücklegt, braucht keinen besonders leistungsstarken Akku – wer lange Pendelstrecken hat, profitiert von einer größeren Kapazität. Ein langlebiges und gut reparierbares Modell ist aus Nachhaltigkeitssicht in jedem Fall die bessere Wahl gegenüber einem günstigen Gerät mit schlechter Ersatzteillage.

Artikel teilen

4 Min. Lesezeit

XRedditLinkedIn

Ihre Meinung hilft uns

War dieser Artikel lesenswert?

Das Gespräch geht weiter

Kommentare

Mitdiskutieren

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Mitdiskutieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Scroll to Top