Du hältst den leeren Pizzakarton in der Hand, schaust kurz auf die Fettflecken und wirfst ihn dann zur Papiertonne — weil Pappe eben Pappe ist. Oder du spülst die leere Joghurtbecher ab und legst sie ordentlich in den Gelben Sack. Beides klingt logisch. Beides ist manchmal falsch.
Das deutsche Mülltrennungssystem ist durchdachter, als es auf den ersten Blick wirkt — und genau deshalb entstehen hartnäckige Fehler. Die sieben häufigsten davon stecken in ganz alltäglichen Gegenständen, die fast jeder Haushalt regelmäßig entsorgt.
Brottüten und Briefumschläge mit Sichtfenster: Trennen lohnt sich

An der Backstation im Supermarkt liegen sie griffbereit: Papiertüten mit einem kleinen Kunststoff-Sichtfenster. Praktisch zum Hineinschauen, aber weniger praktisch beim Entsorgen. Wer die gesamte Tüte unzerteilt in die Papiertonne wirft, macht zwar keinen groben Fehler — das Sichtfenster geht dabei aber fürs Recycling verloren.
Besser ist es, das Kunststofffenster herauszutrennen, in die Gelbe Tonne zu werfen und den Papierteil separat in die Papiertonne zu geben. Dasselbe gilt für Briefumschläge mit Sichtfenster: Das Plastikfensterchen herauslösen, und schon werden beide Materialien sauber dem richtigen Wertstoffkreislauf zugeführt.
Pizzakartons: Der Zustand entscheidet, nicht das Material

Grundsätzlich gehört ein Pizzakarton in die Papiertonne — er besteht aus Pappe, also genau dem Material, das dort hineingehört. Stark verschmutzte Kartons mit eingetrockneten Käseresten oder Soßenflecken müssen jedoch in den Restmüll, weil sie die Aufbereitung des Altpapiers stören.
Wer es genauer nehmen möchte: Essensreste zunächst in der Biotonne entsorgen, den Karton danach trocken auswischen — dann kann er problemlos in die Papiertonne. Das lohnt sich, denn Restmüll wird vollständig verbrannt, während Papier aus der Papiertonne tatsächlich recycelt wird.
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Kassenzettel und Thermopapiere: Sehen aus wie Papier, gehören nicht dazu

Hier liegt einer der verbreitetsten Irrtümer überhaupt. Kassenzettel, ausgedruckte Kontoauszüge vom Automaten und viele Bahntickets aus dem Fahrkartendrucker bestehen aus Thermopapier — einem speziell beschichteten Material, das sich nicht recyceln lässt. In die Papiertonne gehören sie nicht.
All diese Thermopapiere müssen in den Restmüll. Eine Ausnahme bilden die neueren, blaugrau gefärbten Kassenbons aus echtem Papier, die manche Supermärkte inzwischen ausgeben. Diese können tatsächlich in die Papiertonne. Im Zweifel hilft ein kurzer Fingernagel-Test: Thermopapier lässt sich nicht einreißen, ohne zu brechen, und hinterlässt beim Kratzen einen grauen Strich.
Backpapier, Küchenrolle, Taschentücher: Die täuschenden Papierverwandten

Das Wort „Papier“ steckt im Namen — trotzdem gehört Backpapier in den Restmüll. Es ist mit Silikon oder PTFE beschichtet und lässt sich deshalb nicht im Altpapierprozess verarbeiten. Wer es trotzdem in die Papiertonne wirft, verunreinigt die gesamte Ladung.
Dasselbe gilt für Küchenrolle und Taschentücher, die aus Zellstoff bestehen, sowie für Tapetenreste. All das wandert in den Restmüll. Wer Backpapier mehrfach nutzt, bevor es entsorgt wird, reduziert immerhin die anfallende Menge — oder steigt gleich auf Silikonbackmatten um, die über Jahre halten.
Korken nicht ins Altglas: Warum Naturkork eine eigene Sammelstelle braucht

Die leere Weinflasche wandert in den Altglascontainer. Klar. Den Korken einfach drinlassen? Keine gute Idee. Naturkork ist ein wertvoller nachwachsender Rohstoff, der aus der Rinde der Korkeiche gewonnen wird — ohne die Bäume zu fällen. Im normalen Hausmüll geht dieser Rohstoff verloren.
Für Naturkorken gibt es spezielle Sammelstellen, etwa an Wertstoffhöfen, in manchen Supermärkten und in Weinhandlungen. Der NABU betreibt eine Korkampagne mit einer Suche nach der nächstgelegenen Abgabestelle per Postleitzahl. Synthetik- und Schraubkorken aus Plastik gehören hingegen in die Gelbe Tonne.
Energiesparlampen und LEDs: Nicht in den Hausmüll, nicht ins Altglas

Bei Glühbirnen ist die Entsorgung noch simpel: Herkömmliche Glühlampen und Halogenlampen dürfen in den Restmüll. Bei Energiesparlampen ist das verboten. Sie enthalten giftiges Quecksilber sowie wertvolle Metalle wie Kupfer — beides darf nicht auf der Deponie oder im Hausmüll landen.
Energiesparlampen und LEDs gehören zu Sammelstellen für Elektroschrott, etwa an Wertstoffhöfen. Händler, die Elektroartikel verkaufen, sind seit dem Inkrafttreten des Elektrogesetzes (ElektroG) verpflichtet, Altlampen kostenlos zurückzunehmen — das gilt für Märkte ab 400 Quadratmeter Verkaufsfläche. LEDs enthalten zwar kein Quecksilber, aber seltene Metalle, die im Restmüll unwiederbringlich verloren gehen.
Gießkannen und Spielzeug: Was wirklich in die Gelbe Tonne gehört

Viele Menschen nehmen an, dass alles aus Plastik oder Metall in den Gelben Sack oder die Gelbe Tonne gehört. Das ist ein Irrtum. In die Gelbe Tonne kommen ausschließlich Verpackungen aus Kunststoff, Aluminium und Weißblech — also Joghurtbecher, Konservendosen, Getränkekartons und Shampooflaschen.
Gegenstände wie eine Gießkanne oder Spielzeug aus Kunststoff oder Metall sind keine Verpackungen und gehören deshalb in die Wertstofftonne oder zum Wertstoffhof. In einigen Kommunen, darunter Berlin, ersetzt die Wertstofftonne bereits die Gelbe Tonne vollständig — dort dürfen dann auch Gießkannen direkt hinein. Welche Regelung in der eigenen Gemeinde gilt, zeigt der jeweilige kommunale Abfallwirtschaftsbetrieb.
Wer die folgenden 7 Gegenstände richtig trennt, hat die häufigsten Fehler im Griff:
- Brottüten mit Sichtfenster: Kunststofffenster in die Gelbe Tonne, Papierteil in die Papiertonne
- Pizzakartons: Sauber in die Papiertonne, stark verschmutzt in den Restmüll
- Kassenzettel und Thermopapiere: immer in den Restmüll
- Backpapier, Küchenrolle, Taschentücher: Restmüll, nicht Papiertonne
- Naturkorken: zu spezialisierten Sammelstellen, nicht ins Altglas
- Energiesparlampen und LEDs: Elektroschrott-Sammelstelle oder Händlerrücknahme
- Gießkannen und Kunststoffspielzeug: Wertstofftonne oder Wertstoffhof, nicht Gelbe Tonne
Wer sich unsicher ist, welche Regelungen in der eigenen Gemeinde gelten, findet beim zuständigen kommunalen Abfallwirtschaftsbetrieb verbindliche Antworten — die Unterschiede zwischen Landkreisen sind größer, als die meisten vermuten.
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