Wero ist eine europäische Alternative zu PayPal, die auf direkten Konto-zu-Konto-Zahlungen basiert und bei vielen deutschen Banken bereits verfügbar ist. Der Dienst hat klare Stärken, kämpft aber noch mit einem entscheidenden Hindernis: kaum jemand nutzt ihn bisher.
Was Wero ist und wie es funktioniert
Wero wird von der European Payments Initiative (EPI), einem Zusammenschluss europäischer Banken und Zahlungsdienstleister, aufgebaut. Überweisungen zwischen Privatpersonen funktionieren bereits, und eine wachsende Zahl von Online-Shops akzeptiert den Dienst. Seit September 2026 ist Wero in Deutschland und Österreich auch an Kassenterminals nutzbar – darunter Snack-, Kaffee- und Getränkeautomaten, Hofläden, Verkaufsstellen und Autowaschanlagen. Laut IT-Dienstleister Syngenio zählt Wero mittlerweile mehr als 11.000 Akzeptanzstellen. Die Bereitstellung in Parksystemen, Kantinen, Kassensystemen sowie Bestell- und Serviceanwendungen in der Gastronomie ist zudem geplant.
Der technische Ansatz unterscheidet sich grundlegend von PayPal. PayPal funktioniert als eine Art digitale Zwischeninstanz, die Zahlungen abwickelt und sich das Geld per Lastschrift oder Kreditkarte zurückholt – oder aus einem aufladbaren PayPal-Guthaben entnimmt. Wero hingegen wickelt Zahlungen direkt von Konto zu Konto ab. Je nach Bank läuft das entweder über eine eigene Wero-App oder direkt innerhalb der Banking-App der jeweiligen Bank.
Bei diesen deutschen Banken ist Wero verfügbar
Stand 23. September 2026 unterstützen folgende Banken Wero in Deutschland:
- Bank für Kirche und Diakonie eG – KD-Bank
- Bankhaus Anton Hafner KG
- BBBank
- bunq
- BW Bank
- CVW-Privatbank AG
- Deutsche Bank
- DKM Darlehnskasse Münster eG
- EDEKABANK
- Ethikbank
- Evangelische Bank
- GLS Gemeinschaftsbank eG
- ING Deutschland
- MLP
- N26
- Nickel
- norisbank
- Pax-Bank für Kirche und Caritas eG
- Postbank
- PSD Banken
- Revolut
- SKB Witten eG
- Sparda Banken
- Sparkasse
- Volksbanken Raiffeisenbanken
Aktivierung in unter fünf Minuten
Der Autor dieses Artikels hat Wero in einer deutschen Banking-App aktiviert – und war überrascht, wie schnell das funktioniert. Die eigentliche Aktivierung dauerte unter fünf Minuten; wer die Nutzungsbedingungen sorgfältig liest, sollte etwas mehr Zeit einplanen. Diese Schritte waren nötig:
- In der App auf „Wero nutzen“ tippen
- Zahlungsbedingungen sowie Preis- und Leistungsverzeichnis bestätigen
- Auftrag mit Push-TAN freigeben
- Konto auswählen, das mit Wero verknüpft werden soll
- Optional: Biometrie aktivieren
- Handynummer eingeben und per SMS-Code bestätigen
- Auftrag erneut mit Push-TAN freigeben
Anschließend erschien Wero direkt auf der Startseite der Banking-App. Den geplanten Praxistest – einen Euro von einem Wero-Konto auf ein anderes überweisen – konnte der Autor nicht durchführen, weil in seinem Bekanntenkreis niemand Wero nutzt. Dieses Erlebnis selbst ist aufschlussreich: Wero kann erst dann eine ernstzunehmende PayPal-Alternative sein, wenn deutlich mehr Menschen den Dienst verwenden.
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Akzeptanz im Alltag
Zu den Händlern, die Wero bereits akzeptieren, zählen unter anderem Lidl, dm und Flixbus. Insgesamt bewertet Birgit Janik, Leiterin Payment beim Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland (bevh), die Akzeptanz für den Newcomer jedoch als mäßig: „Es ist schwierig, am Platzhirschen PayPal vorbeizukommen, der bei den Kunden sehr hohes Vertrauen genießt.“ Gleichzeitig mahnt sie zur Geduld – auch PayPal habe fünf Jahre gebraucht, um sich im Online-Handel zu etablieren.
Laut Janik sind drei Faktoren entscheidend dafür, ob Wero wirklich durchstartet: niedrigere Händlergebühren, reibungslose Zahlungen und die Integration in möglichst allen Banking-Apps. Niedrigere Gebühren für Händler biete Wero bereits. Ein weiterer Vorteil: Zahlungen landen per SEPA-Instant-Payment sofort auf dem Händlerkonto, während PayPal per Lastschrift zahlt, was in der Regel zwei bis drei Geschäftstage dauert. „Wero braucht mehr Sichtbarkeit bei den Verbrauchern, von denen die Mehrheit den Dienst immer noch nicht kennt. Die Marke muss viel aggressiver in die Öffentlichkeit als bisher“, so Janik.
Kosten
Wero erhebt grundsätzlich keine Zahlungsgebühren – allerdings sind derzeit nur Eurozahlungen möglich. Für internationale Transaktionen oder Währungsumrechnungen ist PayPal besser geeignet, wobei dort außerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums ebenfalls zusätzliche Gebühren anfallen können. Philipp Rehberg, Finanzexperte bei der Verbraucherzentrale Niedersachsen, weist darauf hin, dass Banken sowohl bei Wero als auch bei PayPal eigene Entgelte erheben können: „In manchen Kontomodellen werden für jede Verfügung Entgelte berechnet.“ Ob Wero wirklich kostenlos ist, lässt sich am verlässlichsten im Preis- und Leistungsverzeichnis der eigenen Bank nachprüfen.
Einlagensicherung
Rehberg hebt einen strukturellen Unterschied hervor: „Wero hält keine Gelder ihrer Kundschaft.“ Damit entfällt das theoretische Insolvenzrisiko, das bei Zahlungsdienstleistern mit eigenen Kundenkonten entstehen kann, die nicht der gesetzlichen Einlagensicherung unterliegen. Bankeinlagen sind in der EU bis zu 100.000 Euro gesetzlich abgesichert; PayPal-Guthaben dagegen nicht. Wer PayPal ohne aufgeladenes Guthaben nutzt und direkt per Lastschrift vom Bankkonto zahlt, profitiert für dieses Konto jedoch wiederum von der Einlagensicherung. Diese gilt außerdem nur für Banken mit Sitz innerhalb der EU.
Wiederkehrende Zahlungen
Rehberg lobt bei Wero die Möglichkeit, sich wiederholende Transaktionen mit Wirkung für die Zukunft zu widerrufen – etwa bei Abos, Ratenzahlungen oder regelmäßigen Händlerzahlungen. Künftige Transaktionen gelten dann als nicht autorisiert. Auch PayPal bietet eine vergleichbare Funktion. Ein Vorteil gegenüber Kreditkarten ist dagegen deutlich: Dort gibt es keine Widerrufsmöglichkeit, sodass unberechtigte Abbuchungen über ein aufwendiges Chargeback-Verfahren zurückgeholt werden müssten.

Käuferschutz
Für autorisierte, aber strittige Zahlungen sieht Wero ein Streitbeilegungsverfahren vor. Rehberg beschreibt es als „deutlich strukturierter und transparenter gestaltet als der Käuferschutz bei PayPal“. Er schränkt jedoch ein, dass nach Studium der Bedingungen nicht völlig klar sei, ob ein Anspruch auf dieses Verfahren gerichtlich gegen Wero durchsetzbar wäre. Erfahrungsberichte oder Beschwerden, die er dazu auswerten könnte, lägen bislang nicht vor.
Datenschutz
Janik sieht Wero beim Datenschutz im Vorteil: „Es ist ein geschlossenes europäisches System, bei dem die Verbraucherdaten in Europa bleiben. Zudem werden wesentlich weniger Daten übertragen als mit einer PayPal-Zahlung.“ Rehberg bestätigt, dass Wero dem hohen Niveau europäischer Datenschutzvorgaben entspreche, fügt aber hinzu: „Hieran sind aber auch PayPal und andere in der EU aktive Zahlungsdienstleister gebunden und können grundsätzlich bei Verstößen entsprechend haftbar gemacht werden.“ Der Unterschied besteht also, ist aber möglicherweise kleiner als vielfach angenommen.
Sicherheit
Rehberg weist darauf hin, dass einzelne Transaktionen bei Wero grundsätzlich unwiderruflich sind – dasselbe gilt bei PayPal. Wer eine Zahlung autorisiert, sollte daher immer Empfängeridentität, eindeutigen Identifikator (zum Beispiel Telefonnummer oder E-Mail-Adresse) und Betrag sorgfältig prüfen. Betrugsmethoden wie Phishing und Social Engineering ließen sich auch bei Wero nicht vollständig ausschließen. Rehberg liegen zwar bislang keine Beschwerden zu Betrugsversuchen bei Wero vor – was jedoch auch daran liegen könnte, dass der Dienst noch wenig verbreitet und daher für Betrüger wenig attraktiv ist.
Wero aktivieren – ja oder nein?
Als isoliertes Produkt ist Wero weder eindeutig besser noch schlechter als PayPal. Der größte Nachteil ist die noch geringe Verbreitung. Für Wero spricht, dass es ein europäischer Dienst ist, der Europa unabhängiger von US-amerikanischen Anbietern macht. Wer Wero nutzen möchte, sollte drei Punkte im Kopf behalten:
- Wero aktivieren, wenn die eigene Bank es anbietet – die Einrichtung dauert nur wenige Minuten.
- Keinen vollständigen PayPal-Ersatz erwarten: Im Online-Handel und im Bekanntenkreis ist Wero noch lange nicht so verbreitet.
- PayPal als Backup behalten für alle Situationen, in denen Wero nicht akzeptiert wird.
Ob Wero sich langfristig gegen PayPal behaupten kann, hängt laut Branchenexpertin Janik vor allem davon ab, wie schnell der Dienst bei Verbrauchern bekannter wird – daran arbeitet Wero bislang noch zu wenig.
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