Du räumst das Beet auf, ziehst die letzten welken Bohnenpflanzen heraus und schaufelst die Erde locker — und plötzlich liegt da ein überraschend großes Stück freier Fläche vor dir. Mitte August, Sonne noch kräftig, Boden noch warm. Schade, einfach brach liegen lassen?
Genau das musst du nicht. Wer jetzt handelt, holt bis Oktober und November noch mehrere Ernten aus dem Garten — vorausgesetzt, du weißt, welche Sorten die verbleibende Vegetationszeit überhaupt noch nutzen können. Das ist die entscheidende Frage, und sie hat eine klare Antwort.
Warum der August die letzte echte Aussaatchance ist
Ab September sinkt die Sonne spürbar tiefer, die Tageslänge nimmt rasch ab und die Nächte werden kühler. Was bis Ende August nicht gekeimt und angewachsen ist, reift in der Regel nicht mehr rechtzeitig aus, bevor der erste Frost kommt. Der Zeitdruck ist also real.
Trotzdem ist der August kein verlorener Monat — im Gegenteil. Schnellwüchsige Gemüse mit kurzer Kulturdauer sind jetzt noch vollkommen realistisch. Einige Sorten wie Mangold oder Winterportulak vertragen sogar leichten Frost und können das Beet bis in den Dezember hinein begrünen. Andere, etwa Winterzwiebeln und Lauchzwiebeln, überwintern im Beet und liefern dann im kommenden Frühjahr eine frühe Ernte.
Diese Gemüsesorten kannst du im August noch direkt ins Beet säen
Achte beim Kauf von Saatgut unbedingt auf die Angabe zur Kulturdauer auf der Tüte. Spät reifende Lagergemüse oder frostempfindliche Arten lohnen sich jetzt nicht mehr — es sei denn, du arbeitest mit einem Gewächshaus oder Frühbeet. Für das offene Beet kommen diese Sorten infrage:
- Feldsalat — bis Ende August säen, in milden Lagen sogar noch im September möglich
- Spinat — besonders Herbst- und Wintersorten, die Kälte gut vertragen
- Rucola — wächst sehr schnell und kann schon nach 3 bis 4 Wochen geerntet werden
- Radieschen — nur frühreifende Sorten wie ‘Rudi’, Ernte in etwa 25 Tagen
- Rettich — ausschließlich frühe Sorten wie ‘Neckarruhm’
- Winterportulak (auch Postelein genannt) — frosthart und pflegeleicht
- Asia-Salate wie Mizuna, Tatsoi oder Blattsenf — wachsen rasch und lassen sich bereits als Baby-Leaf ab etwa 20 cm ernten
- Pflück- und Schnittsalat — mehrfach erntbar, ideal für Lücken im Beet
- Pak Choi — möglichst bis Anfang August aussäen, da die Pflanzen sonst zu langsam wachsen oder vorzeitig schossen
- Endivie — Anfang August säen; wer jetzt erst beginnt, greift besser zu Jungpflanzen
- Möhren — nur bei sehr frühen Sorten und günstigem Herbstwetter noch knapp möglich
- Herbstrüben und Mairüben — frühe Sorten bis Mitte August aussäen
- Buschbohnen — nur Anfang August und nur frühe Sorten; wer Mitte August liest, ist für das Freiland bereits zu spät dran
- Petersilie — Keimung dauert 3 bis 4 Wochen, Freilandernte vor Frost kaum realistisch; besser im Topf auf der Fensterbank ziehen
- Schnittlauch — noch im Topf möglich, wächst aber langsam
Vorziehen auf der Fensterbank oder im Gewächshaus: Diese Sorten lohnen sich noch
Wer keinen freien Gartenplatz mehr hat oder sicher gehen will, zieht jetzt auf der Fensterbank vor. Das verlängert die nutzbare Wachstumszeit erheblich, weil die Keimlinge drinnen bereits kräftig werden, bevor sie ins Freie kommen.
Geeignet für diesen Weg sind Mangold (frosthart und sehr ertragreich), Winterzwiebeln und Lauchzwiebeln, Kohlrabi in schnellwüchsigen Sorten sowie Blumenkohl und Brokkoli — wobei Letztere jetzt besser als fertige Jungpflanzen gesetzt werden sollten, nicht mehr selbst ausgesät. Auch Dill und Koriander lassen sich drinnen noch problemlos anziehen.
Nur noch als Jungpflanze setzen — für diese Sorten ist die Aussaat zu spät
Einige Gemüsearten brauchen einfach zu lange, um aus dem Samen bis zur Ernte zu gelangen. Hier sparst du dir die Aussaat und kaufst stattdessen vorgezogene Jungpflanzen, die du direkt ins Beet setzen kannst. Das gilt für Grünkohl, Chinakohl, Rote Bete, Winterporree, Winterkopfsalat, Winterblumenkohl sowie für Endivie, wenn die Aussaat Anfang August bereits verpasst wurde.
Gute Startbedingungen für die Spätsaat: So klappt es trotz der Jahreszeit
Der Boden ist im August oft trocken und verdichtet — beides schadet keimenden Samen. Lockere die Erde vor der Aussaat gut auf, entferne Unkraut und versorge das Beet mit organischem Dünger. Am günstigsten säst du, wenn für die nächsten zwei bis drei Tage leichte Niederschläge vorhergesagt sind. Ist der Boden trocken, wässere ihn vor der Aussaat gründlich.
Junge Pflanzen im August haben einen gefährlichen Feind: Schnecken. Sie fressen sich mit Vorliebe durch zartes Blattgrün. Ein Schneckenzaun ums Beet oder der Anbau auf dem Balkon im Topf schützen zuverlässig. Wer auf dem Balkon gärtnert, ist bei dieser Spätsaat ohnehin klar im Vorteil — weniger Schädlinge, Wärme durch die Hauswand, leichter zu wässern.
Zweijährige Blumen: Diese Sorten kannst du jetzt noch für das nächste Jahr aussäen
Wer nicht nur Gemüse im Sinn hat: Auch einige zweijährige Blumenarten lassen sich im August noch aussäen. Sie bilden in diesem Jahr Blätter und Wurzeln und blühen dann erst im kommenden Frühjahr und Sommer. Die optimale Zeit dafür liegt zwar im Juni und Juli, doch Anfang bis Mitte August ist es bei guter Pflege noch möglich. Wichtig sind feuchter, nährstoffreicher Boden und ein halbschattiger Standort, damit die Keimlinge nicht austrocknen.
Geeignete Arten sind unter anderem Bartnelke, Goldlack, Stiefmütterchen, Hornveilchen, Glockenblume, Stockrose, Fingerhut, Vergissmeinnicht und Akelei.
Klimawandel verschiebt die Grenze: Manche Sorten funktionieren noch im September
Durch zunehmend mildere Herbste in vielen Regionen Deutschlands verschiebt sich das Aussaatfenster für einige Arten tatsächlich nach hinten. Spinat, Feldsalat und Winterportulak können — je nach Witterung und Standort — noch im September erfolgreich ausgesät werden und vor dem ersten starken Frost ausreichend angewachsen sein.
Trotzdem gilt die alte Faustregel: Wer früher sät, erhöht die Erntechancen deutlich. Jeder Tag, den du jetzt noch gewinnst, zählt — denn ab dem 1. September verkürzt sich die verbleibende Vegetationszeit in den meisten deutschen Regionen schneller, als man denkt.



