Ökostrom-Anbieter 2026: Diese 7 Marken sind wirklich frei von Kohle- und Atomkraft

Wer den nächsten Stromanbieter googelt, landet schnell in einer Falle: Dutzende Tarife tragen das Wort „Öko” im Namen, dahinter stecken aber Konzerne, die gleichzeitig Kohle- oder Atomstrom verkaufen. Das Firmengeflecht ist oft so verschachtelt, dass selbst aufmerksame Verbraucher keinen klaren Blick bekommen. Eine Haushaltskundin in Düsseldorf zahlt brav ihren grünen Tarif – und weiß nicht, dass das Geld in eine Tochtergesellschaft eines Braunkohlekonzerns fließt.

Das muss nicht sein. Es gibt Anbieter, die wirklich sauber aufgestellt sind: keine konventionellen Tarife im Sortiment, keine wirtschaftliche Verflechtung mit RWE, EnBW, LEAG oder Vattenfall, dafür unabhängige Zertifikate, die den ökologischen Mehrwert schwarz auf weiß belegen. Utopia hat sieben solcher Anbieter unter die Lupe genommen – und dabei vier Kriterien angelegt, an denen andere Marken regelmäßig scheitern.

Warum der Markt so trügerisch ist: Das Problem mit dem Wort „Ökostrom”

„Ökostrom” ist in Deutschland keine gesetzlich geschützte Bezeichnung. Das bedeutet: Jeder Anbieter darf seinen Tarif so nennen, solange er nachweist, dass irgendwo auf der Welt die gleiche Strommenge aus erneuerbaren Quellen erzeugt wurde. In der Praxis funktioniert das über frei handelbare Herkunftsnachweise, kurz HKN.

Das Problem dabei ist handfest. Ein Wasserkraftwerk in Norwegen erzeugt grünen Strom, verkauft seinen Herkunftsnachweis an einen deutschen Anbieter – und liefert den Strom selbst als Graustrom weiter. Unter dem Strich verändert sich global nichts. Laut Verbraucherzentrale Bundesverband haben viele Ökostromtarife deshalb „gar keinen zusätzlichen Klimanutzen”. Das Umweltbundesamt bestätigt: Die energiebedingten Emissionen machten 2024 rund 83,4 Prozent der deutschen Treibhausgasemissionen aus – ein Grund mehr, beim Stromanbieter genauer hinzusehen.

Die 4 Kriterien, nach denen echte Ökostromanbieter ausgewählt wurden

Die sieben Anbieter in dieser Übersicht erfüllen alle vier der folgenden Bedingungen – nicht eine oder zwei, sondern alle gleichzeitig. Das ist seltener, als man denkt.

  1. 100 % Ökostrom, ohne Ausnahme: Der Anbieter bietet ausschließlich Tarife auf Basis erneuerbarer Energien an. Keine parallelen Kohle- oder Atomtarife, kein Graustromangebot im Nebengeschäft. Die Stromkennzeichnung weist durchgehend erneuerbare Quellen aus.
  2. Zertifizierter ökologischer Mehrwert: Der Anbieter weist nach, dass er aktiv in den Ausbau neuer Erneuerbarer-Energien-Anlagen investiert. Als Belege gelten das Grüner-Strom-Label (das älteste und eines der strengsten deutschen Ökostrom-Siegel), das ok-power-Siegel oder das strengere ok-power-plus (Produkt- plus Anbietersiegel).
  3. Externe Empfehlung: Der Anbieter wird in der aktuellen Empfehlungsliste der Umwelt-NGO Robin Wood (Ökostromreport 2025) geführt oder trägt das ok-power-plus-Label.
  4. Wirtschaftliche Unabhängigkeit: Keine direkte oder indirekte Beteiligung der großen fossilen Energiekonzerne EnBW, E.ON, LEAG, RWE oder Vattenfall.

Die 7 empfehlenswerten Ökostromanbieter im Überblick

Green Planet Energy (ehemals Greenpeace Energy)

Green Planet Energy ist Deutschlands größte Energiegenossenschaft und fördert aktiv den Bau neuer Ökostromkraftwerke. Der Strom stammt zu 100 Prozent aus Wind-, Wasser- und Solarkraft nach strengen Greenpeace-Kriterien. Ausgezeichnet mit ok-power-plus, dem Grüner-Strom-Label und einer TÜV-Nord-Zertifizierung – und seit Jahren in der Robin-Wood-Empfehlungsliste geführt.

naturstrom AG

Die naturstrom AG gehört zu den Pionieren des deutschen Ökostrommarkts. Strom aus Wasserkraft, Windkraft und Photovoltaik, TÜV-Nord-geprüft, mit Grüner-Strom-Label ausgezeichnet. Einzigartig: Anfallende Emissionen aus der Lieferkette (etwa beim Bau von Ökoenergieanlagen) werden über zertifizierte Klimaschutzprojekte kompensiert. Öko-Test bewertet die AG mit „sehr gut” (4/2022), Robin Wood führt sie ebenfalls.

EWS Schönau

Die Elektrizitätswerke Schönau sind aus einer Bürgerinitiative entstanden und stehen für dezentrale, ökologische Energieversorgung. Der Strom kommt zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen, an denen keine Atom- oder Kohlekonzerne beteiligt sind – weder direkt noch indirekt. Mindestens 70 Prozent des EWS-Ökostroms stammt aus Neuanlagen. Jeder Tarif enthält den sogenannten „Sonnencent” (mindestens 0,5 Cent je kWh), der den Ausbau bürgerlicher Kraftwerke finanziert. Über 10.000 solcher Anlagen wurden so ermöglicht.

Prokon Strom

Prokon ist mit knapp 41.000 Mitgliedern Deutschlands größte reine Energiegenossenschaft und zu 100 Prozent Eigentum ihrer Mitglieder. Der Ökostrom stammt vollständig aus eigenen Windkraftanlagen in Deutschland – reiner Windstrom, ohne Beimischung. Prokon erzeugt mehr Ökostrom, als seine Kunden verbrauchen, bietet keinerlei konventionelle Stromangebote an und ist mit ok-power-plus sowie TÜV Nord zertifiziert.

Bürgerwerke

Die Bürgerwerke sind ein Verbund von über 147 lokalen Energiegenossenschaften mit mehr als 65.000 Mitgliedern. Ihr Strom stammt überwiegend aus Wasser- und Sonnenenergie deutscher Erneuerbare-Energien-Anlagen. Besonders transparent: Die Bürgerwerke veröffentlichen, welche Erzeuger den Strom liefern. Ausgezeichnet mit TÜV Nord und Grüner-Strom-Label, empfohlen von Robin Wood und Öko-Test.

Polarstern Energie

Polarstern Energie ist der erste Gemeinwohl-bilanzierende Energieversorger Deutschlands – und zugleich B-Corp-zertifiziert. Rund 86 Prozent des Stroms stammen aus Wasserkraft, der Rest aus Wind- und Solaranlagen, ausschließlich aus deutschen Quellen. Neben dem Grüner-Strom-Label gilt Polarstern als GWÖ-Bilanzierendes Unternehmen, was bedeutet: Nicht Gewinnmaximierung, sondern Gemeinwohlnutzen steht im Mittelpunkt der Unternehmensführung.

Fair Trade Power Deutschland

Fair Trade Power Deutschland bietet Strom aus 100 Prozent regenerativen Quellen an, ist weder direkt noch indirekt an Atom- oder Kohlekraftwerken beteiligt und organisiert sich in Verantwortungseigentum – einer Unternehmensform, die verhindert, dass Anteile an konventionelle Konzerne verkauft werden können. Ausgezeichnet mit dem Grüner-Strom-Label, von Robin Wood empfohlen, von Öko-Test mit „sehr gut” bewertet. Hinweis: Zum Zeitpunkt der Recherche war die Anmeldung für Neukunden vorübergehend geschlossen.

Was Ökostrom wirklich kostet – und was die Bundesnetzagentur dazu sagt

Wer befürchtet, für echten Ökostrom deutlich mehr zu zahlen, liegt oft falsch. Laut dem Monitoringbericht Energie 2025 der Bundesnetzagentur lagen Ökostromtarife zum 1. April 2025 mit durchschnittlich 39,32 Cent pro Kilowattstunde unterhalb des durchschnittlichen Grundversorgungspreises. Gleichzeitig bezogen 2025 bereits 67 Prozent aller deutschen Haushaltskunden Ökostrom.

Grundsätzlich gilt: Ökostrom ist günstig in der Erzeugung, weil Wind, Sonne und Wasser keinen Brennstoff brauchen. Auf der Rechnung schlagen dennoch Netzentgelte, Steuern und Umlagen an – Kostenpositionen, die unabhängig von der Energiequelle anfallen. Hinzu kommt, dass die Strompreise in Deutschland noch immer teilweise an die Gaspreise gekoppelt sind (sogenannte Merit-Order-Logik). Wer aus der Grundversorgung seines Stadtwerks wechselt, kann mit einem günstigen Ökostromtarif aber häufig tatsächlich sparen.

So einfach ist der Wechsel – und was dabei zu beachten ist

Der technische Wechsel selbst muss seit Juni 2025 innerhalb von 24 Stunden abgewickelt werden – das schreibt das novellierte Energiewirtschaftsgesetz vor. In der Praxis dauert es wegen laufender Kündigungsfristen beim alten Versorger meist zwei Wochen bis zwei Monate. Wer aus der Grundversorgung wechselt, kann mit zwei Wochen Frist kündigen und ist entsprechend schnell fertig.

Der Ablauf ist unkompliziert: Anbieter aus der obigen Liste auswählen, Tarif über das Onlineformular des Anbieters beantragen – der neue Versorger übernimmt die Kündigung beim alten und koordiniert den Umstieg. Die Stromversorgung ist dabei zu keiner Zeit unterbrochen: Selbst wenn etwas schiefläuft, greift der gesetzlich gesicherte Grundversorgungsanspruch.

Wer dynamische Tarife bevorzugt, deren Preis sich stündlich oder täglich nach dem Börsenstrompreis richtet, wird bei Green Planet Energy, naturstrom, Polarstern und Prokon fündig – alle vier bieten inzwischen entsprechende Optionen an.

Atomkraft, Kernfusion, Herkunftsnachweise: Was beim Wechsel oft falsch verstanden wird

Häufig taucht die Frage auf, ob Atomstrom nicht ebenfalls klimafreundlich sei. Im laufenden Betrieb fallen tatsächlich geringe Treibhausgasemissionen an. Doch das Bild täuscht: Emissionen entstehen beim Bau, Betrieb und Rückbau von Atomkraftwerken sowie beim Abbau, Transport und der Entsorgung von Brennstoffen. Das weitaus gravierendere Problem bleibt ungelöst: Deutschland hat bis heute kein genehmigtes Endlager für hochradioaktiven Abfall. Die marode Schachtanlage Asse II in Niedersachsen illustriert, was passiert, wenn Langzeitlagerung ohne ausreichende Sorgfalt erfolgt. Die Folgekosten tragen Generationen.

Kernfusion wird seit über 65 Jahren erforscht und ist kommerziell noch immer nicht verfügbar. Unter Insidern gilt die Redewendung, dass sie „immer genau 30 Jahre entfernt” ist. Selbst wenn funktionierende Fusionsreaktoren gebaut werden könnten: Das anfallende mittel- und schwachradioaktive Abfallvolumen wäre größer als bei der Kernspaltung, da ganze Gebäudeteile durch Neutronenaktivierung strahlen würden. Und Lithium – eines der zentralen Fusionsmaterialien – ist gleichzeitig ein begehrter Rohstoff für Elektromobilität und dezentrale Energiespeicher.

Der entscheidende Unterschied zu simplen „Grünstrom”-Zertifikaten liegt im ökologischen Mehrwert: Nur wenn ein Anbieter nachweislich neue Erneuerbare-Energien-Anlagen finanziert oder baut, verdrängt jede verbrauchte Kilowattstunde echte Kohle- oder Gasmengen aus dem Netz. Das Grüner-Strom-Label und ok-power erzwingen genau das – und machen den Unterschied zwischen Greenwashing und wirksamem Klimaschutzbeitrag.

Ob einer der sieben Anbieter auch preislich zur eigenen Situation passt, lässt sich am besten über einen gezielten Vergleich der aktuellen Tarife klären – denn die Preise variieren je nach Postleitzahl und Verbrauch teils erheblich.

Scroll to Top