Wer auf fossiles Erdgas verzichten will, stößt schnell auf „Biogas“ – doch der Begriff ist nicht geschützt und wird am Markt sehr unterschiedlich verwendet. Echtes Biogas besteht zu 100 Prozent aus Biomasse wie Gülle, Pflanzenabfällen oder Biomüll. Manche Tarife, die als „Biogas“ vermarktet werden, enthalten aber bis zu 90 Prozent konventionelles fossiles Erdgas.
Wie Biogas entsteht: Abfälle und Reststoffe werden in Biogasanlagen von Mikroorganismen zersetzt und in Gas umgewandelt. Dieses Gas lässt sich nach weiterer Aufbereitung in Heizungen verbrennen oder zur Stromerzeugung nutzen.
Wie klimafreundlich Biogas wirklich ist
Auch bei der Verbrennung von Biogas entstehen Treibhausgase. Wird das Gas aus Pflanzen gewonnen, die zuvor CO₂ aus der Atmosphäre aufgenommen haben, ist die Bilanz rechnerisch ausgeglichen – allerdings nur dann, wenn man Anbau, Transport und Ernte außer Acht lässt, die ihrerseits Emissionen verursachen.
Gegenüber fossilem Erdgas schneidet Biogas dennoch deutlich besser ab: Bei Erdgas werden zusätzliche, bislang gebundene Treibhausgase freigesetzt. Außerdem sind fossile Vorräte endlich, während Energiepflanzen wie Mais oder Raps immer wieder neu angebaut werden können. Biogas kann zudem zur sinnvollen Verwertung landwirtschaftlicher Abfälle beitragen.
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Kritik gibt es trotzdem: Werden Energiepflanzen eigens in Monokulturen angebaut, verbrauchen sie landwirtschaftliche Flächen, die sonst der Nahrungsmittelproduktion dienen könnten. Oft kommen dabei synthetische Pestizide und Dünger zum Einsatz, was die Biodiversität belastet.

Woran du gutes von schlechtem Biogas unterscheidest
- Rohstoffbasis: Hochwertiges Biogas stammt aus Abfällen und Reststoffen, die ohnehin anfallen – etwa Gülle oder Biomüll. Weniger sinnvoll ist Biogas aus extra angebauten Energiepflanzen, die mit Nahrungsmitteln um Anbaufläche konkurrieren.
- Zertifizierung: Verlässliche Anbieter weisen eine unabhängige Zertifizierung vor, etwa das TÜV-Nord-Siegel „Geprüftes Bio-Erdgas“ oder das Label „Grünes Gas“. Ohne Zertifikat bleibt man auf die Angaben des Betreibers angewiesen.
- Tatsächlicher Biogasanteil: Wirklich gutes Biogas besteht zu 100 Prozent aus Biomasse. Wer nur „Biogas“ draufschreibt, muss das nicht zwingend liefern.
- Investitionen des Anbieters: Empfehlenswert sind Anbieter, die Gewinne in den Ausbau erneuerbarer Energien reinvestieren – und nicht gleichzeitig in Kohle oder Atomkraft.

Empfohlene Biogas-Anbieter im Überblick
Polarstern – „Wirklich Ökogas Klassik“: Polarstern versorgt seine Gaskunden ausschließlich mit Biogas, das zu 100 Prozent aus Rest- und Abfallstoffen oder pflanzlichen Quellen stammt. Alle drei Tarife tragen das TÜV-Nord-Siegel „Geprüftes Bio-Erdgas“. Der Tarif „Wirklich Ökogas Klassik“ nutzt biogene Reststoffe wie kommunale und industrielle Abfälle; Gülle wird laut Anbieter nicht eingesetzt. Der Tarif „Wirklich Ökogas Vegan“ enthält ausschließlich Biogas aus pflanzlichen Quellen. Ein dritter Tarif ist speziell für Immobilienbesitzer konzipiert, die die Anforderungen des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) erfüllen müssen. Polarstern ist nach eigenen Angaben der einzige bekannte Biogas-Anbieter, der komplett auf fossile Gas-Tarife verzichtet. Pro Kunde werden 20 Euro jährlich in die Energiewende investiert. Empfehlenswert ist der Klassik-Tarif, weil dabei keine Anbauflächen für Energiepflanzen beansprucht werden.
Green Planet Energy – „Echtes Ökogas“: Der Tarif enthält 2026 laut Anbieter 75 Prozent hochwertiges Biogas und einen kleinen Anteil grünen Wasserstoff (sogenanntes Windgas); knapp 25 Prozent sind noch fossiles Erdgas. Beim günstigeren Tarif „Echtes Ökogas“ fließen 0,4 Cent pro verbrauchter Kilowattstunde in den Ausbau erneuerbarer Gase, beim teureren „Echtes Ökogas plus“ sind es 1 Cent pro Kilowattstunde. Der Anbieter erhöht den Biogasanteil seit Jahren schrittweise und will bis 2027 vollständig auf fossiles Gas verzichten. Es gibt keine Tarife mit nur geringen Biogasanteilen. Wer die Entwicklung erneuerbarer Gase stärker unterstützen möchte, wählt den Plus-Tarif.
Bürgerwerke – „BürgerÖkogas 100 %“: Die Bürgerwerke bieten drei Tarife an: „BürgerÖkogas 5 %“ mit fünf Prozent Biogas und 95 Prozent fossilem Erdgas, „BürgerÖkogas 10 %“ mit zehn Prozent Biogas sowie „BürgerÖkogas 100 %“, das ausschließlich Biogas aus organischen Reststoffen der Zuckerrübenverarbeitung in Deutschland enthält. Empfehlenswert ist ausschließlich der 100-%-Tarif; bei den anderen beiden wird konventionelles Gas beigemischt. Mit jedem Tarif werden rund 30 Euro jährlich in die Energiewende investiert (0,3 Cent pro Kilowattstunde).
EWS Schönau – „Biogas Klima Max“: EWS Schönau bietet drei Gas-Tarife mit 20 %, 65 % und 100 % Biogasanteil an. Das Biogas stammt nicht aus Massentierhaltung, verwendet keine Agrarflächen und keine gentechnisch veränderten Nutzpflanzen. Verbleibende CO₂-Emissionen werden beim 100-%-Tarif ausgeglichen. EWS investiert zudem über den sogenannten „Sonnencent“ in Photovoltaikprojekte. Empfehlenswert ist der Tarif „Biogas Klima Max“, der auch das Grünes-Gas-Label trägt.
Das Label „Grünes Gas“ als Orientierung
Das Label „Grünes Gas“ zeichnet Anbieter aus, deren Ökogas mindestens 10 Prozent Biogas enthält, das nach strengen Nachhaltigkeitskriterien erzeugt wurde. Die Anforderungen umfassen den Verzicht auf Gentechnik, auf Abfälle aus der Massentierhaltung und auf lange Transportwege. Auch der Einsatz von Energiepflanzen ist im Rahmen der Zertifizierung geregelt.
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