Professionell aufbereitete E-Bikes kosten deutlich weniger als neue – Anbieter werben mit Ersparnissen von bis zu 60 Prozent gegenüber dem Neupreis. Doch wer blind auf den Preis schaut, riskiert eine Fehlentscheidung. Fünf Punkte helfen, ein gutes Angebot von einem schlechten zu unterscheiden.
Was ein Refurbished-E-Bike von einem normalen Gebrauchtrad unterscheidet
Der entscheidende Unterschied liegt in der professionellen Aufbereitung. „Hierbei werden die Räder von einem Fachmechaniker komplett durchgecheckt – sowohl die elektronischen als auch die mechanischen Komponenten“, erklärt Thomas Geisler vom Pressedienst-Fahrrad (pd-f). Dabei entstehe ein Inspektionsbericht, der Schäden und Reparaturen nachvollziehbar macht.
Auch die Herkunft der Räder sei in der Regel bekannt, so Geisler: „Die E-Bikes stammen oft aus Leasingverträgen oder auch direkt von den Herstellern. So sinkt auch die Gefahr, dass man ein gestohlenes E-Bike erhält.“ Hinzu komme meist eine Garantie des Anbieters, die über die gesetzliche Gewährleistung hinausgehe – beim Privatkauf gibt es das nicht. Zu den Anbietern auf diesem Markt zählen unter anderem Rebike, Upway, Bike2Future und Jobrad Loop.
Für wen sich ein Refurbished-E-Bike lohnt – und für wen nicht
„Wer oft und viel mit seinem E-Bike unterwegs ist, sollte ein Neurad nehmen“, rät Geisler. Bei hoher Kilometerleistung nutzen sich Akku und Verschleißteile schneller ab, und die bei Gebrauchträdern meist auf ein Jahr verkürzte Gewährleistung greife dann oft nicht mehr. „Wer aber eher nur gelegentlich fährt, kann zum Gebrauchten greifen“, so Geisler.
Darüber hinaus sei es vor allem eine Budgetfrage: Studierende, Rentner und Gruppen mit weniger Einkommen könnten mit einem Gebrauchtkauf viel Geld sparen. Auch das Diebstahlrisiko spiele eine Rolle – wer keine sichere Abstellmöglichkeit habe, sei mit einem gebrauchten Rad besser beraten.
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Den Akku richtig einschätzen
Der Akku ist beim E-Bike eine der wichtigsten Komponenten. Von außen lässt sich lediglich erkennen, ob er Risse oder Dellen aufweist – was auf einen Sturz hindeuten kann. „Der innere Zustand lässt sich so nicht beurteilen. Das muss in einer professionellen Werkstatt geschehen“, erklärt Geisler.
Bei Privatkäufen sollten Käufer kritisch nachfragen, wenn Aussagen wie „ist nicht oft geladen“ fallen – insbesondere dann, wenn der Kilometerstand hoch ist. Bei seriösen Refurbished-Anbietern gehört ein gründlicher Akku-Check zum Standard. Upway etwa testet jeden Akku: „Fällt die Restkapazität unter 80 Prozent des Ursprungswerts, wird der Akku ausgetauscht“, erklärt Upway-Mitgründer Stéphane Ficaja.
Verschleißteile: Worauf du achten musst
Besonders anfällig sind laut Geisler Bremsbeläge, Kette und Kassette sowie Reifen, wenn erste Risse sichtbar sind. Auch Stecker und Kabel zu Licht und Display gehören auf die Prüfliste. Bei seriösen Anbietern werde der Austausch solcher Teile ohnehin zum Standard. Als wartungsarme Alternative empfiehlt Geisler ein Rad mit Riemenantrieb, da Wartungsaufwand und Verschleiß dort geringer seien.
Upway gibt an, jedes Rad einer 50-Punkte-Inspektion zu unterziehen. „Jedes Verschleißteil, das nicht in nahezu neuwertigem Zustand ist, wird ersetzt, darunter Reifen, Bremsbeläge, Ketten, Kassetten, Züge und Außenhüllen“, so Ficaja. Andere Anbieter verfahren ähnlich.
Online kaufen: Fallstricke und Rückgabebedingungen
Ein Nachteil des überwiegend online organisierten Marktes: Beratung und Probefahrt fallen meist weg. Das führe dazu, dass Kunden häufig die falsche Rahmengröße oder ein für ihren Einsatzzweck ungeeignetes Rad bestellen, erklärt Geisler. Einige Anbieter begegnen dem mit Filtertools nach Körpergröße und Schritt-für-Schritt-Anleitungen zur Rahmenhöhenberechnung.
Wer online kauft, muss laut Stiftung Warentest oft Versandkosten von bis zu 150 Euro einkalkulieren. Die Rückgabebedingungen unterscheiden sich je nach Anbieter: Bei Rebike gilt eine zweiwöchige Rückgabefrist mit maximal 15 Kilometern Probefahrt, Upway und Jobrad Loop räumen 14 Tage bei bis zu 50 Kilometern ein. Einige Anbieter haben auch stationäre Anlaufstellen, wo Probefahrten möglich sind – Rebike ist laut Stiftung Warentest unter anderem in Decathlon-Filialen in Berlin, Köln, Freiburg und Leipzig vertreten, Bike2Future betreibt einen eigenen Laden in Weiterstadt bei Darmstadt.
Woran man einen seriösen Anbieter erkennt
Neben dem Preis sollten Käufer vor allem auf transparente Prüfverfahren, nachvollziehbare Informationen zum Zustand des Rades sowie faire Garantie- und Rückgabebedingungen achten. „Je mehr Informationen ein Händler zu Rad, Ausstattung und Elektronik liefert, desto besser lässt sich eine Kaufentscheidung treffen“, fasst Thomas Geisler zusammen.
Wer eine Probefahrt vor dem Kauf für unverzichtbar hält, sollte prüfen, ob der jeweilige Anbieter eine stationäre Anlaufstelle in der Nähe betreibt – oder zumindest großzügige Rückgabebedingungen anbietet.
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