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Mit dem 50-Grad-Test prüfen, ob dein Haus wärmepumpenfit ist

Mit dem 50-Grad-Test prüfen, ob dein Haus wärmepumpenfit ist

Bevor du eine Wärmepumpe einbauen lässt, kannst du mit einem einfachen Test an deiner bestehenden Heizung herausfinden, ob dein Gebäude dafür geeignet ist – ganz ohne aufwändige Sanierung. Stephan Herpertz, Energieberater im Rhein-Sieg-Kreis der Verbraucherzentrale NRW, empfiehlt diesen sogenannten 50-Grad-Test ausdrücklich: „Die Wärmepumpe ist für mehr Gebäude geeignet, als man landläufig denkt.“

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Warum die Vorlauftemperatur über Effizienz entscheidet

Der Vorlauf ist der Teil der Rohrleitungen, durch den das erwärmte Heizwasser vom Wärmeerzeuger zu den Heizkörpern fließt. Die Vorlauftemperatur gibt an, auf welche Temperatur die Wärmepumpe dieses Wasser erhitzen muss. Je niedriger sie ist, desto weniger Energie verbraucht die Wärmepumpe.

Wie hoch die Vorlauftemperatur sein muss, hängt von Dämmung und Heizsystem ab. Alte, schlecht gedämmte Häuser mit kleinen Heizkörpern können Vorlauftemperaturen von bis zu 90 Grad Celsius erfordern. Moderne Häuser mit Fußbodenheizung kommen dagegen oft mit 30 bis 40 Grad aus.

Laut Herpertz kann eine Wärmepumpe als alleiniger Wärmeerzeuger dienen, wenn sich das Gebäude auch an kalten Wintertagen – also bei Temperaturen unter 0 Grad – mit einer Vorlauftemperatur von rund 50 Grad ausreichend heizen lässt. Inzwischen gehen Fachleute teils auch von 55 Grad aus.

So führst du den 50-Grad-Test durch

  1. Stelle die maximale Vorlauftemperatur deiner aktuellen Heizung auf 50 Grad ein. „Man muss an die Heizung gehen und die Heizkurve herunterstellen“, erklärt Herpertz. Die Heizkurve ist ein Diagramm, das die Vorlauftemperatur in Abhängigkeit von der Außentemperatur darstellt. Wie du die Einstellung vornimmst, steht in der Bedienungsanleitung oder ist beim Heizungsbetrieb zu erfragen.
  2. Stelle die Thermostate an den Heizkörpern auf die gewünschte Raumtemperatur ein und lass sie so. Stufe 3 entspricht dabei etwa 20 Grad Celsius, Stufe 4 etwa 24 Grad.
  3. Beobachte über mehrere Tage, ob alle Räume ausreichend warm bleiben.

Wichtig: Führe den Test während einer kalten Winterperiode und mindestens einen bis drei Tage am Stück durch. In massiven Häusern dauert der Test länger als in Gebäuden mit leichter Bauweise. Das vom Umweltministerium Baden-Württemberg geförderte Informationsprogramm „Zukunft Altbau“ gibt an, dass eine Wartezeit von mehr als 24 bis 72 Stunden nicht nötig ist.

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Was das Ergebnis bedeutet

Werden alle Räume trotz der auf 50 Grad begrenzten Vorlauftemperatur ausreichend warm, ist das Ergebnis positiv. „Wenn das funktioniert, habe ich gute Voraussetzungen, bei dem Gebäude, so wie es ist, eine Wärmepumpe ökonomisch und ökologisch effizient zu betreiben“, sagt Herpertz. „Zukunft Altbau“ weist zudem darauf hin: Je höher die Außentemperatur, desto geringer sollte die noch ausreichende Vorlauftemperatur sein.

Fällt der Test negativ aus – lassen sich also einzelne Räume bei 50 bis 55 Grad Vorlauftemperatur nicht ausreichend beheizen – deutet das auf einen nicht optimalen energetischen Zustand des Gebäudes hin. Vor dem Heizungstausch sind dann Optimierungs- oder Sanierungsmaßnahmen sinnvoll.

Mögliche nächste Schritte bei negativem Ergebnis

Eine umfassende Dämmung oder neue Fenster sind nicht immer sofort nötig. Oft hilft es bereits, die Heizlast richtig zu berechnen und einen hydraulischen Abgleich vorzunehmen. Letzterer ist zudem Voraussetzung für staatliche Förderungen beim Einbau einer neuen Wärmepumpe.

Auch der Austausch einzelner kleiner Heizkörper gegen größere kann die nötige Vorlauftemperatur spürbar senken. In schwer zu sanierenden Altbauten kommen ohne weitere Maßnahmen außerdem spezielle Hochtemperatur-Wärmepumpen in Frage – diese sind laut Bundesverband Wärmepumpe (BWP) jedoch etwas weniger effizient.

Der Test lohnt sich auch unabhängig vom Wärmepumpenplan

Eine niedrigere Vorlauftemperatur macht das Heizen generell effizienter – nicht nur mit einer Wärmepumpe. Auch Gas- und Ölbrennwertheizungen arbeiten bei niedrigen Vorlauftemperaturen am effizientesten. Bei Ölheizungen ist das laut Herpertz besonders wichtig: Sie können bei zu hohen Temperaturen gar nicht im Brennwertbetrieb arbeiten. Die Vorlauftemperatur sollte hier im Bereich von 50 bis 55 Grad liegen, maximal bei 60 Grad.

Wer den Test besteht, sollte die Bestandsheizung vorerst mit der neuen Einstellung weiterlaufen lassen. „Dann spare ich ab sofort schon Energie ein und habe für später gute Voraussetzungen geschaffen, eine Wärmepumpe einzubauen“, so Herpertz.

Warmwasser erfordert eine separate Lösung

Der 50-Grad-Test bewertet ausschließlich die Heizfähigkeit des Gebäudes. Für die Warmwasseraufbereitung sind gegebenenfalls zusätzliche Maßnahmen nötig. Das Wasser lässt sich etwa mit der Wärmepumpe vorwärmen und anschließend mit Durchlauferhitzern auf die gewünschte Temperatur bringen. Eine weitere Option ist die Brauchwasserwärmepumpe, die nur Warmwasser aufbereitet, dafür aber deutlich günstiger in der Anschaffung ist als eine Heiz-Wärmepumpe. Wer eine Photovoltaikanlage betreibt, kann überschüssigen Solarstrom außerdem über einen Heizstab zur Warmwasserbereitung nutzen.

Ökologisch am sinnvollsten ist der Betrieb einer Wärmepumpe, wenn der benötigte Strom aus erneuerbaren Energien stammt. Eine eigene Photovoltaikanlage reicht im Winter in den meisten Fällen nicht aus, um den gesamten Strombedarf der Wärmepumpe zu decken – ein Ökostromtarif kann diese Lücke schließen.

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