Es ist kurz nach neun Uhr morgens, die Luft flimmert bereits über dem Pflaster, und im Garten liegt ein Igel reglos unter dem Holunderbeer-Strauch. Kein Wasser weit und breit — die letzte Pfütze auf der Terrasse ist vor Tagen verdunstet. Was aussieht wie ein friedlich dösendes Tier, kann ein ernstes Zeichen von Hitzestress sein.
Während Menschen einfach ein Glas Wasser holen, stehen Wildtiere in heißen Sommern vor einem echten Versorgungsproblem. Der NABU warnt ausdrücklich: „Die wenigen verbliebenen natürlichen Wasserstellen sind dann ausgetrocknet. Pfützen gibt es gar nicht mehr, sogar in manchen Gräben steht in warmen Sommern nur wenig Wasser.” Was du dagegen tun kannst — für Vögel, Igel, Insekten und deine eigenen Haustiere — erfährst du hier, Schritt für Schritt.
Wasserschalen richtig aufstellen: Was Igel, Eichhörnchen und Vögel wirklich brauchen
Der einfachste und wirkungsvollste Beitrag ist eine saubere Trinkschale im Garten oder auf dem Balkon. Eichhörnchen, Igel und viele Insektenarten nehmen das Angebot dankbar an — vorausgesetzt, ein paar Grundregeln stimmen.
Stelle die Schale an einem schattigen, ruhigen Ort auf, damit das Wasser nicht innerhalb von Stunden verdunstet und die Tiere ungestört trinken können. Zu dichtes Gebüsch direkt daneben ist problematisch: Katzen nutzen es gerne als Deckung. Der Behälter muss stabil stehen, damit kein Wasser ausläuft — und der Boden sollte rau sein, damit Vögel nicht ausrutschen.
Entscheidend ist die Hygiene. Tausche das Wasser täglich aus und reinige die Schale ausschließlich mit kochendem Wasser, niemals mit Spülmittel. Rückstände chemischer Reiniger können Vögeln und anderen Kleintieren ernsthaft schaden.
Vogelbad anlegen: Wo platzieren, wie sauber halten
Vögel baden im Sommer nicht nur zur Abkühlung — sie pflegen damit auch ihr Gefieder, das sie vor Überhitzung schützt. Ein Vogelbad muss kein teures Gartencenterkauf sein. Wie der NABU erklärt: „Eine flache Schüssel, ein Blumentopf-Untersetzer oder ein Suppenteller tun es aber auch.” Wichtig ist, dass das Wasser nicht tiefer als fünf Zentimeter steht, damit auch kleine Arten wie Meisen sicher stehen können.
Den idealen Standort findest du in der Nähe von Büschen oder niedrigen Ästen — dorthin können Vögel bei Gefahr sofort flüchten. Gleichzeitig sollte die Umgebung gut einsehbar sein, damit Katzen oder Marder sich nicht unbemerkt anschleichen können. Reinige das Vogelbad täglich: ausschütten, ausspülen, abwischen. Wer auf Nummer sicher gehen will, desinfiziert die Schale zusätzlich mit kochendem Wasser.
Insektentränke bauen: Warum Bienen und Schmetterlinge ertrinken können
Dass Bienen, Schmetterlinge und andere Sechsbeiner ebenfalls Wasser brauchen, wird oft übersehen. Sie benötigen es nicht nur zum Trinken, sondern auch zum Nestbau. Das Problem: In einer normalen Wasserschale ertrinken kleine Insekten, bevor sie trinken können.
Die Lösung ist denkbar einfach. Lege folgende Materialien so in eine flache Schale, dass sie deutlich aus dem Wasser herausragen:
- Kieselsteine oder flache Feldsteine (mindestens 3 bis 4 Zentimeter über den Wasserspiegel)
- Holzstücke oder Rindenstücke als Landeplattform
- Moos, das leicht Feuchtigkeit aufnimmt und Insekten einen sicheren Halt bietet
Murmeln, die manchmal als Tränkenmaterial empfohlen werden, sind weniger geeignet — Insekten rutschen auf der glatten Oberfläche ab. Naturmaterialien sind die bessere Wahl.
Wildtiere im Garten schützen: Was Expertin Jenifer Calvi von der Deutschen Wildtierstiftung empfiehlt
Wasser allein reicht nicht. Jenifer Calvi von der Deutschen Wildtierstiftung rät, den Garten grundsätzlich wildtierfreundlicher zu gestalten: dichte Sträucher, Totholzhecken, Laub- und Reisighaufen sowie ungemähte Ecken mit hohen Gräsern und Wildkräutern bieten Tieren bei Hitze Schatten und Rückzugsräume.
Den Rasenmäher solltest du im Hochsommer möglichst selten anwerfen. „Dafür mäht man Rasenflächen und Wiesen so selten und kleinflächig wie möglich”, so Calvi. Hohe Gräser spenden Insekten Schatten und bieten Samen für Vögel. Besonders wichtig: Nie in der Dämmerung oder nachts mähen — dann sind Igel und Kröten auf Nahrungssuche und werden sonst verletzt. Radikale Heckenschnitte sind zudem laut Bundesnaturschutzgesetz bis Ende September verboten.
Für Singvögel empfiehlt Calvi außerdem frische Mehlwürmer aus dem Tierfutterhandel. Regentonnen, Teiche und Pools sollten mit Deckeln, Netzen oder Planen gesichert werden — oder zumindest mit stabilen Ästen als Ausstiegshilfe ausgestattet sein, damit Tiere, die hineinfallen, wieder herauskommen.
Haustiere bei Hitze: Was Hunde- und Katzenhalter jetzt beachten müssen
Auch Haustiere geraten im Hochsommer unter Stress — und reagieren anders als Menschen. Hunde haben keine flächendeckenden Schweißdrüsen; sie kühlen sich hauptsächlich über das Hecheln ab. Das kostet Wasser, viel davon.
Hunde
Als Grundregel gilt: immer ausreichend frisches Wasser bereitstellen, sowohl zu Hause als auch unterwegs. Lass deinen Hund niemals allein im geparkten Auto — selbst bei 25 Grad Außentemperatur kann die Innentemperatur innerhalb von 10 Minuten auf über 40 Grad Celsius steigen. Wechsle das Futter regelmäßig und reinige Näpfe täglich, denn bei Hitze vermehren sich Bakterien in Futterresten rasant.
Katzen
Katzen, die Zugang nach draußen haben, solltest du nicht alleine in Räumen mit gekipptem Fenster lassen. Das Tier versucht möglicherweise, durch den Spalt nach draußen zu gelangen, bleibt stecken und verletzt sich dabei schwer. Eine Katzenklappe ist die sicherere Alternative. Frisches Wasser an mehreren Stellen der Wohnung animiert Katzen außerdem dazu, mehr zu trinken — was im Sommer besonders wichtig ist.
Wer seinen Garten in den nächsten Wochen Schritt für Schritt umgestaltet — eine Wasserstelle hier, ein ungemähter Streifen dort —, wird erleben, wie schnell sich Tierarten einstellen, die man dort lange nicht mehr gesehen hat.



