Ein Glas Wein am Abend gilt vielen als harmlose Gewohnheit – doch die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS), die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind sich einig: Es gibt keine sichere Menge Alkohol. Schon der erste Schluck schadet dem Körper.
Frühere Empfehlungen sind überholt
Lange galt ein täglicher Konsum von bis zu 24 Gramm Reinalkohol bei Männern und 12 Gramm bei Frauen als risikoarm. Das entspricht etwa zwei kleinen Gläsern Wein oder zwei Flaschen Bier à 0,33 Liter für Männer beziehungsweise einem Glas Wein oder einer Flasche Bier für Frauen. Diese Grenzwerte sind inzwischen hinfällig.
2023 revidierte die DHS ihre Empfehlung grundlegend: „Alkoholkonsum sollte von jeder Person reduziert werden, unabhängig davon, wie viel sie trinkt. Am besten ist es, keinen Alkohol zu sich zu nehmen. Alkoholische Getränke bergen Risiken, wenn es um die physische Gesundheit der Menschen geht.“ Die DGE folgte 2024 mit einem Positionspapier, das dieselbe Schlussfolgerung zieht: Auch in Maßen sei Alkohol nicht gesund. Die WHO bezeichnet Alkohol als toxische und abhängig machende Substanz, die als Ursache von mehr als 200 negativen Gesundheitsfolgen identifiziert wurde.
Höheres Risiko für Herzprobleme, Krebs und frühen Tod
Die DHS betont, dass Studien für einzelne Erkrankungen eine lineare Beziehung zwischen Alkoholkonsum und Sterbewahrscheinlichkeit zeigen: Diese ist am niedrigsten, wenn überhaupt kein Alkohol getrunken wird. Im Jahr 2016 wurden in Deutschland 19.000 Todesfälle bei Frauen und 43.000 bei Männern auf Alkohol zurückgeführt – das waren vier Prozent aller weiblichen und 9,9 Prozent aller männlichen Todesfälle.
Eine Untersuchung aus dem Jahr 2021 zeigte, dass bereits ein moderater Konsum von durchschnittlich 1,2 Drinks pro Tag das Risiko für Vorhofflimmern erhöht. Alkohol begünstigt zudem Bluthochdruck und Schlaganfälle. Laut WHO zählt Alkohol zu den Karzinogenen der Gruppe 1 – der höchsten Risikostufe, zu der auch Asbest und ionisierende Strahlung gehören. Derzeit wird Alkoholkonsum mit mindestens sieben Krebsarten in Verbindung gebracht, darunter Brust- und Darmkrebs.
Was Alkohol mit Leber, Gehirn und Schlaf macht
Alkohol schädigt die Leber und kann Erkrankungen wie Leberzirrhose auslösen. Im Gehirn kann chronischer Konsum dazu führen, dass Hirngewebe schrumpft und kognitive Funktionen dauerhaft nachlassen – diese Schäden sind irreparabel. Selbst moderates Trinken kann laut den Quellangaben zu einem messbaren, wenn auch kleinen Verlust an Gehirnvolumen führen.
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Eine Studie aus dem Jahr 2018 belegte, dass Alkohol die Schlafqualität vermindert: Menschen, die Alkohol tranken, regenerierten im Schlaf schlechter. Dauerhaft schlechter Schlaf schwächt das Immunsystem – ebenso wie Alkohol selbst, der den Körper anfälliger für virale, bakterielle und pilzbedingte Infektionen macht.
Alkohol als „flüssiges Depressivum“
Journalistin und Suchtexpertin Nathalie Stüben, die selbst jahrelang viel trank, beschreibt die psychische Wirkung so: „Er macht nicht nur traurig. Ab einem gewissen Punkt führt er auch dazu, dass unser sogenanntes Belohnungssystem sich umbaut. Im Alltag macht sich das oft dadurch bemerkbar, dass wir uns nach und nach nur noch mit Alkohol wirklich entspannen, wohlfühlen oder Freude empfinden können.“ Nicht ohne Grund gelte Alkohol als „flüssiges Depressivum“. Er wird mit Ängsten, Depressionen und Persönlichkeitsveränderungen in Verbindung gebracht.
Alkohol schadet auch dem sozialen Umfeld: Konsum während der Schwangerschaft kann Entwicklungsstörungen beim ungeborenen Kind verursachen. Zudem begünstigt er Unfälle, Verletzungen, Straftaten, Gewalt und psychosoziale Beeinträchtigungen bei Trinkenden und ihrem Umfeld.
57 Milliarden Euro Kosten für Deutschland
Gesundheitsökonom Dr. Tobias Effertz beziffert die durch Alkohol verursachten direkten und indirekten Kosten in Deutschland auf rund 57,04 Milliarden Euro. Davon entfallen 16,59 Milliarden Euro auf direkte Kosten wie Behandlungen, Krankenhausaufenthalte und Medikamente. Weitere 40,44 Milliarden Euro entstehen indirekt durch Arbeitsunfähigkeit, Arbeitslosigkeit, Frühverrentung und vorzeitigen Tod.

Buchtipp
In ihrem Buch Ohne Alkohol: Die beste Entscheidung meines Lebens räumt Nathalie Stüben mit Irrtümern zum Thema Alkoholabhängigkeit auf. Die Journalistin stützt sich dabei auch auf ihre eigene Geschichte, die von zahlreichen Erfahrungen und Problemen mit Alkoholkonsum geprägt ist.
DHS, DGE und WHO empfehlen übereinstimmend, am besten gar keinen Alkohol zu trinken. Wer seinen Konsum reduzieren möchte, findet in alkoholfreiem Bier, alkoholfreiem Wein und Mocktails inzwischen eine wachsende Auswahl an Alternativen.
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