Kurze Schnauzen, bestimmte Fellmuster oder Haarlosigkeit – Merkmale, die Menschen optisch ansprechen, können für Hunde mit dauerhaften Gesundheitsschäden verbunden sein. Werden Tiere gezielt auf solche Merkmale gezüchtet, gilt das nach dem deutschen Tierschutzgesetz als Qualzucht.
Kurzschnauzige Rassen: Atemprobleme als häufige Folge
Möpse und Französische Bulldoggen sind besonders häufig betroffen. Ihre veränderte Schädel- und Gesichtsform kann die Atemwege verengen. „Der Großteil leidet unter Atemnot und einer Störung der Wärmeregulation“, sagt Tierärztin Lisa Hoth-Zimak vom Deutschen Tierschutzbund.
Eine mögliche Folge ist das brachyzephale obstruktive Atemwegssyndrom, kurz BOAS. Betroffene Hunde haben Schwierigkeiten beim Atmen, die Atmung kann laut und geräuschvoll sein. Bei Bewegung und hohen Temperaturen droht schnelle Überhitzung. Belastbarkeit und Schlaf sind mitunter beeinträchtigt; in schweren Fällen ist eine Operation notwendig.
Eine im Februar 2026 veröffentlichte Untersuchung der University of Cambridge an knapp 900 erwachsenen Hunden aus 14 Rassen zeigt, wie verbreitet das Problem ist. BOAS wurde bei Pekinesen am häufigsten festgestellt – bei 89 Prozent der untersuchten Tiere. Japan Chins lagen mit 82 Prozent knapp dahinter. Diese Werte befinden sich laut der Untersuchung in einer ähnlichen Größenordnung wie bei Möpsen, Französischen Bulldoggen und Englischen Bulldoggen.
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Ein mittleres Risiko wiesen King Charles Spaniel, Shih Tzu, Boston Terrier, Griffon Bruxellois und Dogue de Bordeaux auf. Bei Staffordshire Bullterriern, Cavalier King Charles Spaniels, Chihuahuas, Boxern und Affenpinschern traten klinisch relevante Erkrankungen nur bei wenigen Tieren auf.
Weitere Qualzuchtmerkmale: Fellmuster und Haarlosigkeit
Der Deutsche Tierschutzbund benennt neben kurzen Schnauzen weitere problematische Merkmale. Bestimmte Formen von Haarlosigkeit können für die betroffenen Tiere belastend sein. Das sogenannte Merle-Gen, das ein Fellmuster mit helleren und dunkleren Bereichen erzeugt, kann bei bestimmten genetischen Kombinationen – insbesondere wenn zwei Merle-Träger miteinander verpaart werden – mit Augen- und Hörschäden verbunden sein.
Bei großen Hunderassen können außerdem Hüftgelenksdysplasien und andere Gelenkerkrankungen als erbliche Gesundheitsrisiken auftreten. „Jedes Merkmal, das vererbbar ist und zu Schmerzen, Leiden oder Schäden führt, ist zu vermeiden“, sagt Hoth-Zimak. Der Tierschutzbund kritisiert, dass bei der Zucht das Aussehen teilweise wichtiger sei als die Gesundheit der Tiere.
Was Zuchtverbände unternehmen
Der Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) gibt an, die Gesundheit der Hunde in den Mittelpunkt zu stellen. Typische Rassemerkmale seien grundsätzlich erwünscht, dürften aber nicht zu gesundheitlichen Problemen führen.
Für Möpse und Französische Bulldoggen setzt der VDH auf den wissenschaftlich geprüften Cambridge-Test, mit dem die Atemfunktion von Hunden mit kurzer Schnauze beurteilt werden soll. Die Hunde werden dabei kontrolliert körperlich belastet; anschließend wird geprüft, ob sie Atemgeräusche oder andere auffällige Probleme beim Atmen zeigen. Die Cambridge-Arbeitsgruppe empfiehlt den Test vor dem ersten Einsatz in der Zucht und eine Wiederholung spätestens nach zwei Jahren.

Tierschutzbund fordert schärfere gesetzliche Regeln
Das Tierschutzgesetz verbietet Züchtungen, wenn vererbte Merkmale bei Tieren zu Schmerzen, Leiden oder gesundheitlichen Schäden führen. Hoth-Zimak beurteilt die bestehende Regelung jedoch kritisch: „Dieser sogenannte Qualzuchtparagraph ist jedoch in seiner Formulierung unkonkret und bleibt in der Umsetzung vage und individuell.“
Der Deutsche Tierschutzbund hält die bisherigen Regeln deshalb für nicht ausreichend und fordert eine verbindliche Regelung, die genauer festlegt, welche Merkmale als Qualzucht gelten. Darüber hinaus sollen Zucht, Haltung und Import solcher Tiere nach Vorstellung des Verbands stärker geregelt werden.
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