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Wann ein E-Bike wirklich nachhaltig ist – und für wen sich der Kauf lohnt

Wann ein E-Bike wirklich nachhaltig ist – und für wen sich der Kauf lohnt

Ein E-Bike ist nicht automatisch die umweltfreundlichste Wahl – entscheidend ist, wofür man es nutzt. Wer damit Autofahrten ersetzt, erzielt laut einer Studie des Instituts für Energie und Umweltforschung Heidelberg (ifeu) den größten Klimagewinn. Wer hingegen nur gelegentlich kurze, flache Strecken zurücklegt, fährt mit einem gewöhnlichen Fahrrad oft besser.

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Dass das Interesse groß ist, zeigen die Zahlen: 2025 wurden in Deutschland laut Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) rund zwei Millionen E-Bikes verkauft – mehr als doppelt so viele wie 2018. Erstmals wurden damit mehr E-Bikes als Fahrräder ohne Motor abgesetzt.

Pedelec, E-Bike, S-Pedelec – was ist eigentlich was?

Was im Alltag als „E-Bike“ gilt, ist rechtlich meist ein Pedelec: ein Fahrrad, das nur beim Treten Motorunterstützung liefert, maximal bis 25 km/h. Ein echtes E-Bike im rechtlichen Sinn fährt auch ohne Pedalunterstützung, darf dabei aber höchstens 6 km/h erreichen – andernfalls zählt es in Deutschland als Kraftfahrzeug. Diese Variante spielt auf dem deutschen Markt kaum eine Rolle.

Ein S-Pedelec unterstützt mit Pedalantrieb bis zu 45 km/h. Es gilt als Leichtkraftrad und erfordert ein Versicherungskennzeichen, eine Haftpflichtversicherung sowie eine Fahrerlaubnis der Klasse AM. Helmpflicht besteht, und auf Radwegen darf man damit grundsätzlich nicht fahren – einzelne Bundesländer wie Nordrhein-Westfalen überlassen diese Entscheidung künftig den Kommunen.

E-Bike gegen Auto: Wo der Klimavorteil am größten ist

Die ifeu-Studie untersuchte über knapp drei Jahre die Klimaeffekte der Pedelec-Nutzung im Individualverkehr. Den deutlichsten positiven Effekt stellten die Forschenden bei Berufspendlerinnen und -pendlern fest, die mit dem E-Bike zur Arbeit fuhren: Der CO₂-Ausstoß lag pro Kilometer im Schnitt deutlich unter 20 Gramm – die Akkuherstellung eingerechnet.

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Zum Vergleich: Ein mittlerer Diesel-Pkw oder ein Elektroauto beim deutschen Strommix zum Zeitpunkt der Studie emittierte rund 150 Gramm CO₂-Äquivalente pro Personenkilometer, ein Benziner etwa 170 Gramm. Die Klimawirkung des Autos lag damit bis zu elfmal höher als die des Pedelecs. Auch gegenüber dem öffentlichen Nahverkehr schnitt das E-Bike gut ab: Die Klimawirkung von E-Bike-Fahrten war fünfmal niedriger als die von ÖPNV-Fahrten.

E-Bike gegen Fahrrad: Mehr Ressourcen, aber kein Grund zum Verzicht

Verglichen mit einem klassischen Fahrrad verbraucht ein E-Bike mehr Ressourcen. Motor und Akku schlagen zusätzlich zu Buche, weshalb die Herstellungsemissionen eines Pedelecs laut ifeu-Studie rund 35 Prozent über denen eines herkömmlichen Fahrrads liegen. Hinzu kommen der Stromverbrauch beim Laden – bei einem 500-Wh-Akku etwa 0,5 kWh pro Ladung – sowie ein möglicher Akkutausch nach vielen Ladezyklen.

Für Menschen ohne körperliche Einschränkungen, die kurze und ebene Strecken zurücklegen, bleibt das Fahrrad ohne Motor deshalb oft die ressourcenschonendere Wahl. Wer hingegen damit Autofahrten oder ÖPNV-Nutzung ersetzt, fährt mit dem E-Bike klimatisch besser.

Alltägliche Grenzen: Wetter, Infrastruktur und Saisonalität

Bevor man kauft, lohnt ein realistischer Blick auf die eigene Nutzung. Die ifeu-Studie zeigte, dass die Teilnehmenden 70 Prozent ihrer Pedelec-Wege in den Monaten April bis September zurücklegten – im Winter nutzten sie das E-Bike also deutlich seltener. Witterung und teils schwierige Radinfrastruktur, besonders in Großstädten, schränken die Alltagstauglichkeit ein.

Auch sichere Abstellmöglichkeiten und Duschen am Arbeitsplatz fehlen häufig – Faktoren, die für viele Pendlerinnen und Pendler relevant sind. Dienstrad-Programme wie Jobrad ermöglichen es Angestellten inzwischen, hochwertige Fahrräder und E-Bikes zu günstigen Konditionen zu leasen.

Für wen sich ein E-Bike wirklich lohnt

Ein E-Bike macht vor allem dann Sinn, wenn es regelmäßig Autofahrten ersetzt – etwa auf dem Weg zur Arbeit, bei Einkäufen oder beim Kindertransport mit einem Lasten-E-Bike. Hügelige Strecken oder größere Distanzen sprechen ebenfalls dafür. Menschen mit Herzerkrankungen oder eingeschränkter Fitness können mit dem E-Bike ihren Aktionsradius deutlich erweitern.

Eine Studie der Medizinischen Hochschule Hannover kommt zudem zu dem Ergebnis, dass Pedelec-Fahren die Fitness steigert – besonders bei Menschen mit Vorerkrankungen, Übergewicht oder geringer Ausgangsfitness. „Entgegen vieler Vorurteile zeigen die Zahlen, dass Muskeln und das Herz-Kreislaufsystem beim Pedelecfahren nahezu so gefordert werden wie beim herkömmlichen Radfahren“, erklärt Dr. Hedwig Theda Boeck, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Klinik und Erstautorin der Studie.

Wer ein E-Bike aus Nachhaltigkeitsgründen kaufen möchte, sollte sich konkret fragen, welche Autofahrten damit wegfallen würden. Fällt die Antwort positiv aus, empfiehlt sich eine Beratung im Fahrradfachhandel: Qualität von Akku, Motor, Bremsen und Rahmen sowie die Verfügbarkeit von Ersatzteilen sind entscheidend für die Langlebigkeit. Ein gebrauchtes E-Bike in gutem Zustand ist aus Nachhaltigkeitssicht oft die bessere Wahl und rechnet sich häufig auch schneller finanziell.

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