Matcha enthält wertvolle Nährstoffe und wird mit zahlreichen Gesundheitsversprechen beworben – doch die wissenschaftliche Datenlage ist deutlich dünner, als Hersteller und Influencer:innen suggerieren. Wer täglich Matcha trinkt, sollte sowohl die möglichen Vorteile als auch die konkreten Risiken kennen.
Rekordnachfrage trifft auf knappe Produktion
Die weltweite Matcha-Nachfrage ist in den vergangenen Jahren so stark gestiegen, dass Japans Teeindustrie kaum mitkommt. Die japanische Produktion wuchs von 1.471 Tonnen im Jahr 2010 auf 4.176 Tonnen im Jahr 2023 – mehr als die Hälfte davon wird heute exportiert. Anfang 2025 berichtete die Japan Times von einem zunehmenden „Matcha-Engpass“.
Deutschland gehört laut der Lebensmittelzeitung neben den USA, Malaysia, Kanada und Thailand zu den größten Abnehmern. Der deutsche Matcha-Import stieg 2024 um 240 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der japanische Produzent und Exporteur Aiya geht davon aus, dass der Markt weiter wachsen wird.
Herstellung und Inhaltsstoffe: Was Matcha besonders macht
Das Wort „Matcha“ stammt aus dem Japanischen und bedeutet „gemahlener Tee“. Buddhistische Mönche nutzten den ursprünglich aus China stammenden Tee bereits vor rund 800 Jahren als Meditationsgetränk. Das aufwendige Herstellungsverfahren unterscheidet Matcha von anderen Grünteesorten:
- Die Teepflanzen werden drei bis vier Wochen vor der Ernte beschattet. Dadurch bilden sie mehr von der Aminosäure Theanin – die den Tee milder und süßer macht – sowie mehr Chlorophyll, das die intensive grüne Farbe erzeugt.
- Nach der Ernte werden die Blätter gedämpft, getrocknet, von Stängeln und groben Blattgefäßen befreit und anschließend in Steinmühlen gemahlen – teilweise noch von Hand.
Da beim Matcha das gesamte Teeblatt verzehrt wird, enthält er laut dem Verbraucherservice Bayern mehr wertvolle Inhaltsstoffe als andere Grünteesorten: insbesondere Antioxidantien (vor allem Catechine), Vitamine und Mineralstoffe. Matcha-Pulver hat laut Nährwertrechner rund 285 Kilokalorien pro 100 Gramm, 24 Gramm Eiweiß und 29 Gramm Ballaststoffe – wobei diese Werte je nach Pulverqualität und Zubereitung erheblich variieren können.
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Matcha enthält außerdem Koffein – je nach Rezeptur so viel wie ein Espresso. Die Wirkung setzt jedoch langsamer ein und hält länger an als bei Kaffee, weil das Koffein gemeinsam mit Theanin aufgenommen wird, das seine Wirkung verlangsamt.
Wichtig: Der Begriff „Matcha“ ist lebensmittelrechtlich nicht geschützt. Produkte, die damit werben, müssen zumindest auf der Zutatenliste die enthaltene Menge angeben – aber nicht zwingend das traditionelle japanische Pulver enthalten. Hochwertiger Matcha kann über 1.000 Euro pro Kilogramm kosten; in deutschen Drogerien und Supermärkten ist er teils für 200 Euro oder weniger erhältlich.
Gesundheitliche Vorteile – und wo die Belege fehlen
Ein Review aus dem Jahr 2023 weist darauf hin, dass Matcha bioaktive Stoffe wie Catechine, Koffein und Theanin enthält, die antioxidativ wirken und möglicherweise positive Effekte auf Aufmerksamkeit, Konzentration und kognitive Leistungsfähigkeit haben könnten. Belastbare Beweise fehlen jedoch noch.
Der enthaltene Pflanzenstoff Epigallocatechingallat wirkt antioxidativ und könnte möglicherweise das Krebsrisiko senken. Ein Cochrane-Review aus dem Jahr 2020 kommt aber zu dem Schluss, dass die Ergebnisse widersprüchlich sind und eine vorbeugende Wirkung von grünem Tee gegen Krebs nicht eindeutig belegt ist.
Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2023 zeigte, dass Grünteeextrakte möglicherweise eine kleine Gewichtsabnahme fördern können – im Durchschnitt rund 1,25 Kilogramm. Die Evidenz wurde jedoch als gering eingestuft; weitere hochwertige Studien sind nötig.
Die Verbraucherzentralen halten fest, dass es für präventive oder heilende Wirkungen von Matcha an ausreichend wissenschaftlich fundierten Belegen fehlt. Die EU-Health-Claim-Verordnung untersagt es Herstellern deshalb, mit solchen Versprechen zu werben.
Konkrete Risiken beim regelmäßigen Konsum
- Nebenwirkungen: Laut dem Cochrane-Review 2020 können grüner Tee und hochdosierte Grüntee-Extrakte Magen-Darm-Beschwerden, erhöhte Leberenzymwerte, Schlaflosigkeit, erhöhten Blutdruck und Hautreaktionen verursachen.
- Schadstoffe: Das Chemische und Veterinär-Untersuchungsamt Stuttgart, der Verbraucherservice Bayern und das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) warnen vor Aluminium, Blei, Perchlorat und Trimesium in Matcha-Proben.
- Pestizide: Eine Untersuchung der Lebensmittelüberwachung und Tiergesundheit Baden-Württemberg ergab, dass insbesondere konventionelle Matcha-Proben Pestizidrückstände enthalten können. Die untersuchten Bio-Proben wiesen keine Rückstände auf.
- Wechselwirkungen mit Medikamenten: Die Verbraucherzentralen warnen, dass grüner Tee zu Wechselwirkungen mit Medikamenten führen kann. Der Krebsinformationsdienst weist zudem darauf hin, dass Epigallocatechingallat möglicherweise die Wirkung von Chemo- und Strahlentherapie abschwächen könnte.
- Transportwege: Import aus Japan oder China ist mit langen Transportwegen und entsprechendem CO₂-Ausstoß verbunden.
Für wen Matcha nicht geeignet ist
Kinder sollten keinen Matcha trinken. Schwangere, Stillende und Menschen mit Koffeinempfindlichkeit sollten ebenfalls vorsichtig sein, da der Koffeingehalt je nach Zubereitung mit dem eines Espressos vergleichbar sein kann. Wer regelmäßig Medikamente einnimmt oder eine Krebstherapie durchläuft, sollte Matcha allenfalls in sehr kleinen Mengen und mit ausreichend zeitlichem Abstand zur Medikamenteneinnahme konsumieren – und vorher ärztlichen Rat einholen.
Empfohlene Tagesmenge und praktische Hinweise
Die Verbraucherzentralen empfehlen, die Zubereitungs- und Verzehrhinweise auf der Verpackung zu beachten. Wegen möglicher Schadstoffe wie Aluminium und Blei gilt zudem: nicht mehr als ein Gramm Matcha-Pulver pro Tasse, höchstens dreimal täglich. Zusätzlich raten die Verbraucherzentralen, regelmäßig die Marke zu wechseln, um eine einseitige Schadstoffbelastung zu vermeiden.
Wer auf Pestizide verzichten möchte, sollte zu Bio-Qualität greifen – die untersuchten Bio-Proben wiesen laut der Baden-Württemberger Untersuchung keine Pestizidrückstände auf. Inzwischen gibt es auch deutschen Matcha: Antje Kühnle baut mit ihrem Mann in Brandenburg auf rund sechs Hektar unter anderem Matcha-Tee an, was die langen Importwege vermeidet.
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